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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Marstall. 
stossende, einst sogenannte Ritterakademie (No. 32 
bis 34) bestand vor 1803 aus drei besonderen Ge 
bäuden, einem Freihause No. 34, der nachmaligen 
Ritterakademie, einem kleinen Privathause No. 33 
und dem sogenannten kleinen Stallplatz (Nö. 32), 
oder dem Prinzlichen Stall. — Joachim I. hatte 
No. 34 vom Kölner Rath das Haus No. 34, „zwischen 
unserer Harnischkammer und Dr. Werners Haus 
innegelegen'' 1 , erworben, um es zum Freihause zu 
machen. Sein Nachfolger verlieh es 1555 an 
Eustachius v. Schlieben. 1586 verschreibt Johann 
Georg dasselbe: „von Hans Meier erkaufte Haus 
zwischen Claus Rossmann (No. 35) und unserer 
Canzley innegelegen“ an Caspar Flanss. Schon 
hieraus geht hervor, dass die gleich näher zu er 
wähnenden Baulichkeiten der Harnischkammer 
und alten Kanzlei identisch sind. Dies wird 
überdies bestätigt durch ein das Schliebensche 
Haus (No. 34) betreffendes Aktenstück 1 ), worin es 
(in einer Eingabe Schliebens) heisst: dass der Kur 
fürst „dem Rath von Cöln vor dieses Hauses un- 
fflicht und wegen der Harnischkammer dahey, so 
die alte Canzley ist, einen Rossdienst, so sie der Herr 
schaft Brandenburg vor alters her zu leisten und zu 
halten schuldig gewesen, gnediglich erlassen und frei 
gegeben“. — Im XVII. Jahrhundert ist das Haus 
No. 34 zumeist im Besitze derer v. Schlieben, bis 
es 1680 der Legationsrath Adam v. Schlieben für 
5000 Thlr. an den Kurfürsten verkaufte, der es 
zur Wohnung für Hof beamte, u. a. 1682 für den 
Leibarzt Dr. Willich bestimmte. 1718 wurde das 
Haus von dem Stallmeister Franz zu einer Ritter 
akademie umgebaut und eingerichtet. — Das 
Vordergebäude war zu Nicolais Zeit vermiethet, 
während sich hinten die Reitbahn für die könig 
liche Reitakademie befand. Die zugehörigen 
No. 32 Stallungen lagen im Hinterhause von No. 32. 
Dieses Haus zusammen mit No. 33 waren von 
Alters her landesherrliches Eigenthum, die alte kur- 
füi'stliche Harnischkammer, welche der Kurfürst 
im Jahre 1491 seinem Kammerknechte Jorg Koll 
erb- und eigenthümlich schenkte 2 ) \unser liusz, 
die harnisch Cammer zu Coln zwischen Doctor Con- 
rat und dem husz, so des Bischofs von Hauelbergs 
gewest ist*']. Im Jahre 1526 erfährt die mittler 
weile an den Kurfürsten wieder zurückgefallene 
Harnischkammer eine vollständige Erneuerung. 
Der Bau muss, nach den ausführlichen Bau 
rechnungen im Geheimen Staatsarchive (Rep. 9. 
DDD), sich bis zur Spree erstreckt haben, 
>) G. St. A. Rep. 21. 25 A. 1629/30. 
2 ) Fidicin Btrg. IV. CC. 
da einer grossen Stube am Wasser und einer 
Badestube gedacht wird. — In der zweiten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts hiess das Gebäude 
die alte Kanzlei, muss aber zu Anfang des 
XVII. bereits wieder zum Freihause gemacht 
worden sein, als welches es gemeinhin nach dem 
Namen seines Besitzers, des Hoflieferanten Simon 
Vossenhol, das Vossenholsche Haus genannt 
wird. 1627 soll das Haus dem Oberjägermeister 
und Hauptmann zu Tangermünde, Joh. Jacob 
Rothe, eingeräumt werden; 1633 überlässt Georg 
Wilhelm die „alte Canzley“ oder „Vossenhols Haus 
genannt“ dem Joh. Misslich von Hirschhoff zur 
Wohnung, mit Ausnahme eines besonders ver- 
mietheten Gewölbes 1 ). 1634 erhalten es der Hofmar 
schall und der Schlosshauptmann Bernt und Bastian 
v. Waldow mit der Bedingung, das baufällig ge 
wordene Haus wieder in Stand zu setzen, wozu 
ihnen eine Entschädigungssumme von 1000 Thlrn. 
und Baumaterialien zugesichert wurden. Jedoch 
scheinen die Waldows ihren Verpflichtungen nicht 
nachgekommen zu sein, wie aus einem ausführ 
lichen Berichte des Statthalters v. Schwarzenberg, 
vom Juli 1640, über die von Bartel Bauer vor 
genommenen Bauarbeiten hervorgeht 2 ). 1647 er 
hielt die Frau v. Kleist das Vossenholsche Haus 
mit der Bedingung, sich wegen der aufgewendeten 
Baukosten mit den Waldows zu vergleichen. Bei 
ihrem Tode 1667 vermachte sie es einer Tochter 
des Oberpräsidenten v. Schwerin, Luise, nach 
maligen Gräfin Lehndorf. — Im XVIII. Jahrhundert 
hiess das Haus der kleine Stallplatz, dessen 
Vordergebäude als Absteigequartier für die könig 
lichen Generaladjutanten benutzt wurde. 1775 
sollte es reparirt und dabei der Giebel nach der 
Strasse mit seinem kleinen Thürmchen beseitigt 
werden. 
Es muss auffallen, dass das zwischen der so 
genannten Ritterakademie (No. 34) und dem kleinen 
Stallplatze belegene Haus (No. 33), obwohl es No. 33 
nach den Grenzangelegenheiten und Servituten 
ursprünglich mit No. 32 zusammengehört haben 
muss -—- wie denn mehrfach das Schliebensche 
Haus als an die alte Kanzlei anstossend be 
zeichnet wird — bereits im XVII. Jahrhundert als 
im Privatbesitze befindlich erscheint. So folgt im 
Schossregister vom Jahre 1654 und in einer 
Hausbesitzerliste vom 30. April 1659 3 ) auf „Comptor 
*) G. St. A. Rep. 9, C. 2. 
2 ) Pabl. d. Preuss. Staatsarchivs. Bd.41. Protokolle und 
Relationen v. Meinardus. S. 131. 
3) G. St. A. Rep. 21. 26. Cöln 1680.
        
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