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Zur Geschichte Berlins 1. Berlin im Mittelalter

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Friedrich I. als Pfandherr. 
liehen Besitz kommen. Diesen Grundsatz strebte 
sogar die jobstsche Misswirtschaft aufrecht zu 
erhalten. Das Schloss gewann für Markgraf Jobst 
ausserdem besondere Wichtigkeit, weil der Pommern 
herzog Swantibor 1393 die Herrschaft Beeskow 
an sich brachte und so den Barnim von zwei 
Seiten bedrohte. Mit Hilfe märkischer Edelleute, 
die für die Pfandsumme Bürgschaft leisteten, ver 
mochte der Markgraf auch es 1394 von der Stadt 
gemeinde Berlin einzulösen. Aber 1407 trat er dann 
plötzlich den Platz an die Quitzows ab. Als nun 
diese Adelsfamilie in demselben Jahre sich Sar- 
munds mit Gewalt bemächtigte, und Oderberg an 
Borke von Hohenstein verpfändet wurde, waren 
die Hauptverkehrsadern der Stadt abgeschnitten. 
Um sie einigermassen gegen Vergewaltigung 
wenigstens an der oderberger Zollstelle zu sichern, 
erlaubte ihr Markgraf Jobst, Freienwalde und 
Finow als Umschlagplatz zu benutzen. Aber hier 
mit war nothdürftig nur an einer Stelle ge 
holfen, im ganzen zeigte sich doch, dass Berlin 
den Quitzows und überhaupt den Adelsverbin 
dungen nicht gewachsen war, ebensowenig wie die 
anderen Städte in der Mittelmark. Ohne den 
wirksamen Schutz eines Landesherrn sahen sie 
ihre Wohlfahrt auf das äusserste bedroht. Da es 
dem regierenden Markgrafen an gutem Willen und 
an obrigkeitlicher Gewalt fehlte, Ordnung im Lande 
zu schaffen, so schien der städtische Rath in Berlin 
jetzt wirklich den schon länger gefassten Plan aus 
führen zu wollen, sich in Herzog Swantibor einen 
besseren Landesherrn zu gewinnen. Seine Eigen 
schaft als Statthalter der Mark, wozu er 1409 ein 
gesetzt worden war, gab ihm schon Hoheitsrechte über 
die Stadt, liess ihn im Barnim festen Fuss fassen 
und konnte ihm den Uehergang zur Erreichung 
der Landesherrschaft erleichtern. 
Von Alters her hatte sich in der Mark, vor 
nehmlich in der Mittelmark, der Gedanke einer 
Zusammengehörigkeit des märkischen Landes aus 
gebildet. Seit der Zeit des falschen Woldemar 
begegnen wir in den Urkunden der Städte, in 
denen die Landesherren ihnen Rechte und Freiheiten 
bestätigten, immer wieder der erbetenen Zusicherung, 
das Land nicht theilen und scheiden zu 
wollen, die Stadt nicht zu sondern von der 
Mark, sie nicht von der Mark zu verweisen. 
Dies tritt besonders auch in den berliner Urkunden 
hervor. Jetzt nun zwangen die durch den 
Landesherrn verschuldete Gesetzlosigkeit im Lande 
und die bedrängte Lage die Stadt selbst zu dem Ent 
schlüsse sich von der Mark zu scheiden. Der Tod des 
Markgrafen Jobst und die Wiederergreifung der 
Landesherrschaft durch Sigismund 1411 verhin 
derten die Ausführung des Planes. Im Juli 
1411 nahm der Kaiser die nochmalige Huldigung 
der Städte Berlin und Köln durch deren drei 
Bürgermeister, die mit den anderen märkischen 
Abgeordneten nach Ofen gekommen waren, ent 
gegen. Als von ihm ernannter Statthalter erschien 
dann Burggraf Friedrich von Hohenzollern 1412 
in der Mark. Da er nicht bloss Statthalter, sondern 
zugleich auch Pfandbesitzer des Landes war, hatte 
er die Huldigung zu beanspruchen. Dass Berlin 
die erste Stadt war, von der er den Eid verlangte, 
lässt ihre damalige Bedeutung erkennen. Er kam 
zwar von Sachsen her zunächst nach Brandenburg 
(22. Juni), berief auch den ersten Landtag dorthin, 
liess sich aber zuerst in Berlin huldigen, am 
7. Juli, nachdem am Tage zuvor die Bestätigung der 
Privilegien in kürzester Form vorausgegangen war. 
Man huldigte und schwur ihm als Pfandinhaber 
nur „zu seinem Gelde“. 
Aus Nicolais Beschreibung von Berlin stammt 
die oft wieder abgedruckte und mit Zusätzen 
ausgeschmückte Nachricht, dass Friedrich das 
Oeffnungsrecht in Berlin verweigert sei. Da wir 
in keiner Geschichtsquelle von einer Spannung 
zwischen der Stadt und dem Kurfürsten lesen, zu einem 
solchen Auftreten der Stadtgemeinde auch keine 
Veranlassung vorlag, so ist die Angabe Nicolais 
schon desshalb mit Vorsicht aufzunehmen. Aber ein 
besonderes Oeffnungsrecht, das erst vertragsmässig 
hätte zugestanden werden müssen, konnte über 
haupt in Berlin nicht in Frage kommen 1 ). Denn 
in der Stadt lagen das landesherrliche Schloss und 
der Mühlenhof, die beide weder an die Stadt 
gemeinde noch an andere jemals verpfändet 
worden sind. Zu ihnen, als zu herrschaftlichem 
Eigenthume stand Friedrich als Statthalter und 
überdiess als rechtmässigem Pfandinhaher der be 
ständige Zutritt ohne weiteres frei. Auch waren 
sie in Händen markgräflicher Dienstleute. Die durch 
die Stadt führende Landstrassc, die unter landes 
herrlichem Rechte stand, konnte ebensowenig dem 
Landeskerm gesperrt werden. Die - Entstehung 
eines sogenannten Oeffnungsrechtes war von selbst 
in der Entwickelung der märkischen Stadtge 
meinden ausgeschlossen, da alles städtische Recht, 
auch das Befestigungsrecht, durch Verleihung von 
') Nicolai beruft sich für die Annahme, dass ein Oeffnungs 
recht streitig gewesen sein könnte, auf eine Abhandlung 
Gerkens, die sich aber auf eine ganz andere Frage, nämlich 
das Oeffnungsrecht der Vasallen bezieht.
        
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