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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Bibliothek. 
und Stich 1 ) bekannt gewordenen grossartigen 
Fa§adenentwurf von Fischer v. Erlach, für die 
nach dem Kohlmarkt belegene Seite der Wiener 
Hofburg, zur Ausführung bringen. In der That 
ist auch der unter Boumanns Leitung, nach Ungers 
Plänen errichtete Bau nichts weiter als eine mit 
leidlichem Geschick durchgeführte Copie jenes 
Vorbildes. Die Ausführung schritt ziemlich langsam 
1780 vorwärts. Nachdem der König am 11. September 
1780 den Bau besichtigt und noch einige das 
Innere betreffende Aenderungen dem Hauptmann 
v. Gontard anbefohlen hatte, begann im December 
die Uebersiedelung der Bücher. 1781 aber wurde 
noch an der grossen Haupttreppe gearbeitet, und 
1784 erst im März 1784 konnte in dem anstossenden 
Nebengebäude für die Bibliothekare, nach der 
Behrenstrasse, das Lesezimmer für das Publikum 
eröffnet werden. 
Das Hauptgebäude war im Aeussern nach 
dem Wiener Vorbilde viergeschossig, im Innern 
aber nur zweistöckig angelegt. Zunächst war nur 
das Obergeschoss für Bibliothekszwecke bestimmt. 
Dieses bestand aus einem quadratischen Mittelraum 
und zwei durch eine mittlere Säulenstellung zwei- 
schiffig gestalteten Flügelsälen, an welche sich die 
unregelmässigen Räume der Eckpavillons schlossen. 
Die Schränke waren ringsum an den W änden auf 
gestellt und vermochten die riesigen Räume nicht 
zu füllen; die Eckpavillons enthielten Kupferstiche 
und Handschriften. Das Untergeschoss diente zum 
Theil als Montirungsdepot (bis 1814), zum Theil 
(noch bis 1840) als Decorationsmagazin für das 
Opernhaus. 1788 waren Reparaturarbeiten am 
Dache und zur Trockenlegung der feucht gewor 
denen Aussenwände nöthig, gleichzeitig wurde das 
bisher nur zur Hälfte vollendete oberste Ge 
schoss des Gebäudes für die Bibliothekare, Behren 
strasse No.40, worin sich das Lesezimmer befand, 
vollständig ausgebaut. 
Die Königliche Bibliothek bestand damals noch 
immer aus fünf gesonderten, getrennt aufgestell 
ten Theilen: 1. der alten kurfürstlichen, 2. der 
Spanheimschen Bibliothek, 3. den neuen Anschaf 
fungen unter Friedrich II., 4. der 1780 für 
12000 Thlr. erworbenen Q. Iciliusschen und 5. der 
1789 angekauften Roloffschen Sammlung. Diese 
fünf Bibliotheken wurden endlich 1790 zu einer 
einzigen vereinigt, nach sachlichen Gesichtspunkten 
Royale de Berlin par l’Inspecteur geDeral des Hydrauliques 
Bourdet, befinden sich im Geheimen Staats-Archiv. 
! ) Stich bez.: Prospeetus Propilei Palati Caesaris. Sal. 
Kleiner J. E. M. del. J. A. Corvinus sculp. 
neu geordnet und aufgestellt. Schon damals ge 
nügte die ursprüngliche einfache Aufstellung nicht 
mehr, es wurden daher (1789) in den Flügelsälen 1789 
Gallerieen mit neuen Wandschränken angelegt; 
1817 geschah dies auch im Mittelsaale, während 
man gleichzeitig die Flügelsäle durch Doppel 
schränke zwischen den Säulen und Querstellung 
der Repositorien in je acht Compartimente zerlegte, 
womit der Anfang zu einer immer vollständigeren 
Ausnutzung der gewaltigen Hohlräume gemacht 
war. — In den dreissiger Jahren bestand der Plan, 
mit Rücksicht auf die voraussichtliche Vermehrung, 
ein neues Bibliothekgebäude zu errichten und 
Schinkel hatte u. a. bereits einen Entwurf für den 
Garten der Universität als Bauplatz gefertigt. Der 
Bau am Opernplatze sollte dafür die damals in Mon 
bijou, jetzt im Neuen Museum aufgestellten Samm 
lungen der Gipsabgüsse und egyptischen Alter- 
thümer aufnehmen. Der Plan wurde fallen gelassen, 
dafür aber nach Ausräumung der Operndeeorationen 
das Untergeschoss für Bibliothekszwecke durch- 
gehends zweigeschossig ausgebaut. Ins Erdgeschoss 
kamen Lesezimmer und Geschäftsräume, während 
die Bücher im übrigen durch die Räume gleich- 
mässig vertheilt wurden. In den sechziger Jahren 
folgte dann ein Umbau des ganzen Oberge 
schosses, welches ebenfalls durch eine Zwischen 
decke getheilt wurde, so dass nur noch der Mittel 
raum seine volle ursprüngliche Höhe besass; 
weiteren Platz gewann man durch Anlage eines 
Saales über dem Haupttreppenhause. Das gewaltige 
Anwachsen der Büchersammlung machte schliesslich 
in neuester Zeit abermalige Umbauten nothwendig, 
bei welchen der mittlere Saal als Oberlichtraum 
eingerichtet und zum Lesesaal bestimmt wurde, 
während mehrere Abtheilungen der Bibliothek, 
z. B. die Handschriften in die Nachbargebäude, in 
der Behrenstrasse 40 und 41, Musikalien und 
Kartensammlungen in die Hintergebäude des Nieder 
ländischen Palais verlegt werden mussten. 
Baubeschreibung. Die Bibliothek (Fig. 45) 
besteht, wie schon erwähnt, aus dem quadra 
tischen Mittelbau mit der rückwärts anschlies 
senden doppelarmigcn, einfachen, massiven Haupt 
treppe , den bogenförmigen Seitenflügeln und 
den beiden unregelmässigen Eckpavillons. Die 
Länge beträgt ca. 94 m, die Breite 17 1 / 2 m, in der 
Mitte mit dem Treppenhause 32 m. — Im Aeussern 
sind es neben der geschwungenen Grundform vor 
nehmlich die sehr geschickt gestalteten Eckrisalite 
mit ihren in der Diagonale vorspringenden Säulen 
ausbauten, welche dem Gebäude seine so wirkungs-
        
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