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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Akademie der Künste und Wissenschaften. 
Akademie der Künste und Wissenschaften. 
Literatur: 1. Küster, Berlin III, S. 166ff. — 2. Beckmann, Msc. d. Rathhaus-Bibliothek. — 3. Nicolai S. 714ff. 
und 918 ff. — 4. Geh. St.-A. Rep. 93. Oberbau-Dep. Tit. XXXVIII, Kurmark 6a, vol. 5, 1795. — 5. Ebendort, A. d. Kgl. 
Ober-Hof-Bauamts, 1787—1801, Ruhr. VIII Sect. II No. 22. 
Abbildungen: 1. Stridbecks Aquarelle v. J. 1691. — 2. Ansicht inBegers Thes. III, S. 155. — 3. Aufriss der 
Lindenfront vor d. Brande v. 1743: Stich ohne Bezeichnung in der Rathhaus-Bibliothek. — 4. Ansicht des Neubaues v. J. 
1749 in Schleuens Prospekten. — 5. Grundriss d. Südflügels zur Hälfte, jedenfalls zu den oben unter 5. aufgeführten Akten 
(Bericht von Becherer v. 10. Dec. 1801) gehörig, im Kupferstich-Kabinet. — 6. Zwei Grundrisse (Handzeichnungen v. Rabe) 
Erdgeschoss und I. Stock zum Umbaue des Südflügels im Geh. St. A. — 7. Alte Grundrisse und Umbau-Entwürfe im Schinlcel- 
Mus., Mappe XNIX. 
Baugescliiclite. Das Gebäude der Akademie 
der Künste und Wissenschaften unter den Linden 
bildet die Vorderfront einer ausgedehnten Bau 
anlage, welche ursprünglich als ein Stall für Pferde 
und Maulthiere angelegt, mit der Zeit zur Unter 
bringung der hervorragendsten wissenschaftlichen 
und künstlerischen Institute erweitert, bis heutigen 
Tages diese seltene und wenig würdige Doppel- 
1087 bestimmung bewahrt hat. Bereits im Jahre 1687 
wurden für den neuen kurfürstlichen Marstall auf 
der Dorotheenstadt 147(4 Landprahme Kalksteine 
aus den Küdersdorfer Brüchen beschafft (Geh. St.A. 
Bep. 9, E 17) und der Bau, von dem schon der 
Schultzsche Plan vom Jahre 1688 eine der Wirk 
lichkeit allerdings nicht entsprechende Abbildung 
enthält, wie Marperger angibt, nach Nerings Plänen 
ausgeführt. Nach Stridbecks Skizze von 1691 
umfasste der Bau damals die Hälfte der jetzigen 
Anlage und bestand aus einstöckigen, einen Hof 
einschliessenden Flügeln mit zweistöckigen Eck 
bauten und ebenso hohem Mittelpavillon an der 
Lindenfront. Das Aeussere mit seinen gequaderten 
Blendarkaden, welche die glatt geputzten Flächen 
mit den Fenstern umrahmen, lehnt sich ganz 
an die Wasserfront des alten Marstallgebäudes 
der Breitenstrasse an. Ueber die innere Einrich 
tung der für 200 Pferde berechneten Stallräume 
berichtet kurz Pitzier in seinen Keisenotizen vom 
Jahre 1695. — Um Räumlichkeiten für die damals 
geplante Akademie der Künste herzustellen, wurde 
1697 1 696—169 7 die Front nach den Linden durch- 
gehends zweigeschossig gestaltet und das obere 
Stockwerk ganz der neuen Lehranstalt überlassen 1 ). 
Bald gab sodann die Stiftung der Societät der 
1700 AVis senschaften (10. Juli 1700) den Anlass zu 
einer abermaligen Erweiterung unter Grünbergs 
Leitung. Es wurde der nördliche Hof angelegt, 
der Bau somit auf seinen heutigen Umfang ge- 
') Ueber deren Einrichtung s. Küster III, S. 166. — An 
sicht des runden Aktsaales in Begers Thes. III, S. 217. 
bracht. Die Mitte der Nordfront, an der Dorotheen 
strasse, erhielt einen thurmartigen Pavillon mit 
einer Sternwarte, in welchem nach langen Verzöge 
rungen, am 15. Januar 1711, die erste Sitzung der 1711 
neuen Körperschaft stattfand. — König Friedrich 
Wilhelm I. brachte anfangs der Akademie wenig 
Wohlwollen entgegen, doch genehmigte er, zur 
Ausbildung von Wundärzten für die Armee, 1717 
die Einrichtung eines anatomischen Hör- und 
Demonstrationssaales, des wegen seiner theater 
förmig gruppirten Sitzreihen sog. anatomischen 
Theaters 1 ) im Nordwestpavillon, an der Ecke 
der Dorotheen- und Charlottenstrasse. Von dort 
bis zur Sternwarte reichten die Räume des 1724 
gestifteten Collegium Medico-chirurgicum. Im 
dritten Geschosse des Thurmes war ferner das 
Naturalienkabinet der Akademie untergebracht 
(Nicolai S. 920), dessen Grundstock die Samm 
lungen des Hofrathes und Leibarztes Spener * 2 ) bil 
deten. — Die Stallungen im Erdgeschosse hatte 
der König ganz dem Regimente Gensdarmes über 
lassen, nur einige Räume des Ostflügels waren 
einer Seidenmanufactur, später der Gobelinfabrik 
der Gebrüder la Vigne eingeräumt worden. 
In der Nacht vom 20. zum 21. August 1743 1743 
wurde das ganze Vordergebäude unter den Linden 
ein Raub der Flammen, wobei viele Kunstwerke 
und Modelle aus den Sammlungen der Kunst 
akademie zu Grunde gingen. Mannigfachen Ent 
würfen zu Liebe blieben dann die Ruinen noch 
fünf Jahre stehen, bis durch den älteren Boumann 
ein Neubau entstand, der im Herbste 1749 beendet, 1749 
im ersten Stock zur Hälfte für die Kunstakademie, 
zur Hälfte, und zwar in der westlichen, für die 
neu gestiftete Akademie der Wissenschaften 
bestimmt wurde. Das Aeussere, von derselben 
9 Ansicht des anatom. Theaters auf einem Stiche nach 
einer Zeichnung von Leygebe. 
2 ) Abbildung des Kabinets auf einem Stiche von G.P. Busch 
nach einer Zeichnung von Herzog.
        
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