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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Niederländisches Palais. 
Theater und für Beschaffung von Möbeln vor- 
1798 gesehen. — 1798 überliess Friedrich Wilhelm III. 
das Palais der Armendirection, die es, nachdem 
zeitweise die englische Gesandtschaft dort Woh- 
1803 nung genommen hatte, am 24. März 1803 für 
67000 Thlr. an den Erbprinzen Wilhelm von 
Oranien, Schwiegersohn Friedrich Wilhelms II. 
und nachmaligen König der Niederlande, verkaufte 1 ). 
Seit dieser Zeit führt es den Namen des Oranischen 
oder Niederländischen Palais. Von König Wilhelm, 
der nach seiner Abdankung (1840) bis zu seinem 
Tode, am 12. December 1843, hier lebte, erbte es 
Prinz Friedrich der Niederlande, vermählt 
mit Prinzessin Luise, einer Tochter Friedrich 
Wilhelms III. Nach dem Tode dieser Prinzessin 
(1870) kam es wieder in den Besitz des preussischen 
risalit und einen von gekuppelten Säulen getra 
genen Balcon. — Das Aeussere, obwohl durch 
moderne Zuthaten, wie den Attika-Aufsatz, die 
Friesverzierungen zu beiden Seiten des Mittel 
risalits, die Löwenmasken und Köpfe über den 
Fenstergewänden, die Fensterbrüstungen im Haupt 
geschosse, nicht zu seinem Vortheile verändert, 
hat vornehmlich im Mittelbaue seinen alten Cha 
rakter bewahrt. Die sparsamen Gliederungen, der 
Mangel durchgehender Gesimse und reicherer 
Fensterarchitekturen sind ebenso wie die zarten 
Laubgewinde, das Muschelwerk und die Embleme 
an den Fenstern bezeichnende Merkmale für die 
Zeit, aus welcher das Gebäude stammt. 
Der Bau (Fig. 43) besteht aus einem Vorder 
gebäude von r. 27,20 m Breite und zwei Zimmer- 
1873 Königshauses und wurde 1873 von Koch restaurirt. 
1882 erwarb es Kaiser Wilhelm und verband es 
mit seinem Palais durch eine aus Glas und Eisen 
hergestellte Gallerie. Seitdem dient es zum Ab 
steigequartier für die Grossherzoglich Badischen 
Herrschaften, während im Obergeschosse Hofdamen 
und Bedienstete der verstorbenen Kaiserin Augusta 
ihre Wohnungen haben. Die Baulichkeiten um 
den hinteren Hof sind von der Bibliotheksverwal 
tung für die'Kartensammlung und die Abtheilung 
für Musikalien in Anspruch genommen worden. 
Neuere Umbauten haben in den Jahren 1883/84 
und 1887 stattgefunden. 
Beschreibung. Das Gebäude ist dreigeschossig 
und zeigt ein nur wenig vorspringendes, dreiaxiges, 
von korinthischen Pilastern eingerahmtes Mittel 
reihen Tiefe, schmalen, den Hof einschliessenden 
Seitenflügeln und Querbau ohne Corridorverbin- 
dungen; daran schliessen sich die um den zweiten 
Hof (1792) errichteten Baulichkeiten und nach der 
Behrenstrasse zu einst ein Garten, jetzt ein offener 
Hof. — Im Innern bewahrt zunächst das Vestibül 
seine einfache kräftige Rahmenarchitektur aus 
Stuck, das daranschliessende Treppenhaus die alte 
gewundene Holztreppe mit schmiedeeisernem Rococo- 
Geländer, Ecknischen mit Vasen und einem ori 
ginellen, von einem geflügelten Drachen um 
wundenen Postament. — Die Vordei’räume, im Erd 
geschosse rechts, haben zum Theil noch ihre alte 
Vertäfelung und einige Rococo-Möbel. — Aus der 
besten Zeit des Rococo stammt noch die von zier 
lichen Schnörkeln und frei herabhängenden Blumen 
gewinden gebildete Deckendecoration, sowie die 
schmucklose Vertäfelung des an das Nachbarhaus 
anstossenden Eckraums im I. Stock, welcher jetzt, 
nachEntfcrnungderZwischenwand, mitdem anliegen 
*) Auf Befehl des Königs vom 3. Juli 1803 wurden da 
mals noch Wiederherstellungen im Palais vorgenommen, für 
die 9—10 000 Thlr. ausgeworfen waren. G. St. A. Rep. 89. 
ex 9 DDD.
        
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