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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Das Königliche Schloss. Erdgeschoss. 
das Königl. Schloss betrfd. 1787—1797). Aus dieser 
Zeit stammen noch zwei einfache gemalte Decken, 
ein Marmorkamin mit Bronzeverzierungen, im 
fünften Raum von der Nordwestecke eine einfache 
mattgelbe Wandvertäfelung aus Eschenholz. 
Der in der Ecke, östlich neben dem schmucklosen 
Treppenhause, belegene Raum hat ausser seinem 
Deckensims, Kamin aus geflecktem Marmor und 
Wandspiegel noch eine gemalte Decke aus der 
Zeit Friedrich Wilhelms I. Die alten, jetzt dort 
vorhandenen Gobelins gehörten ursprünglich nicht 
zu dem Raume. — Auch in dem Nachbarraume ist 
ein altes Wandgesims, ähnlich dem Hauptgesimse 
der alten Post, und ein Marmorkamin erhalten. 
In einem durchgehends boisirten Vorderzimmer 
nach dem Lustgarten, dem dritten westlich von 
Portal IV, befand sich die bekannte anmuthige 
Marmorgruppe der in traulicher, schwesterlicher 
Umfassung beisammenstehenden Kronprinzessin 
Luise und Prinzessin Friederike, von G. Schadow 
(jetzt in der Bildergallerie). Das erste, für eine 
Vervielfältigung in Biscuitmasse berechnete Modell 
dazu hatte Schadow, auf Anregung des Ministers 
v. Heinitz, 1795 ausgestellt. 
An der Holzverkleidung der Wände, auf Con- 
solen vortreffliche Portraitstatuetten berühmter 
Franzosen, französische Arbeiten in Biscuit-Masse, 
u. a. die sitzenden Figuren Molieres, des Kardinals 
Richelieu, die stehenden Statuetten Fenelons, Bos- 
suets, modellirt von Roland 1796. Diese Figuren 1 ), 
Geschenke Louis XVI. an den Prinzen Heinrich, 
stammen aus dem Palais des Prinzen (Universität). 
In dem westlich anstossenden Zimmer sind in 
die Wände eingelassen drei auf die bildenden 
Künste bezügliche Gipsreliefs, über deren Herkunft 
mir nichts bekannt geworden ist. 
Vom Eckzimmer an bis zum Portal III reicht 
die frühere sog. Wolkonskysche Wohnung, 
welche nichts bemerkenswerthes mehr enthält. 
Westlich von Portal II, an der Schlossplatz 
seite, liegt der ehemalige Sitzungssaal für den 
Staatsrath, ein stattlicher, jetzt vom königl. 
Hausarchive benutzter Raum, in den herben und 
strengen Formen der vorschinkelschen Antike. Die 
Wände zeigen eine Pilastertheilung; die Decke 
bildet ein kassettirtes Tonnengewölbe in Stuck. 
') Nicolai S. 915. — P. Seidel in Jahrb. d. Pr. Kunst- 
sammlg. XIII. Heft 2. S. 55. 
III. Stock. 
Im in. Geschosse der Lustgartenseite, über den 
Paradekammern, befand sich die durch die Decke 
des Rittersaals unterbrochene Reihe von Räumen der 
ehemaligen Kunstkammer, deren Sammlungen jetzt 
grösstentheils auf die königl. Museen vertheilt sind. 
Westlich vom Rittersaal lag ein Vorzimmer und 
ein Zimmer mit Elfenbeinarbeiten, daneben Di- 
rectionszimmer, östlich über den drei Vorderräumen 
die übrigen Sammlungsräume, über der I. und 
II. Vorkammer die Ethnographische Sammlung. 
Schlossapotheke. 
Der Schlossapotheken-Flügel ist, wie bereits 
erwähnt, bei Anlage der Kaiser Wilhelm - Brücke 
etwa um ein Dritttheil seiner ursprünglichen Länge 
verkürzt worden. Der von Hossfeld entworfene, 
reich verzierte Erker an der neuen Giebelfront, 
dem Dom gegenüber, trägt die Jahreszahl 1886. 
Friedrich Wilhelm I. liess durch den Hofapo 
theker Neumann die Apotheke und das Laboratorium 
neu einrichten (Küster III. S. 21); aus dieser Zeit 
stammt wahrscheinlich, in einem der Erdgeschoss 
räume nach der Spree zu, ein reich geschnitztes 
Gehäuse für Blasebalg und Schmelztiegel in Schlü- 
terschen Bauformen. 
Das obere Stockwerk enthielt seit 1661 bis 
1780 die Bibliothek und bestand aus einem Vor 
raum und anstossendem Katalogzimmer; hieran 
schloss sich der die ganze Breite des Raumes um 
fassende Bibliotheksaal von 150 Fuss Länge und 
40 Fuss Breite, jederseits durch 5 gekuppelte 
Fenster erleuchtet, endlich ein ebenso breiter Raum 
für Handschriften und wissenschaftliche Instru 
mente (Küster III. S. 22). Heute dienen die 
Räume der Schlossapotheke zu Wohnungen; im 
Erdgeschosse ist zur Zeit das Hofbauamt unter 
gebracht. 
Krontresor. 
Der Krontresor im I. Stock, zugänglich von 
der Bogengallerie, nördlich vom grossen Treppen 
hause, enthält von älteren kunstgewerblichen 
Stücken: 
1. das Brandenburgische Kurschwert, 
1,27 m lang, mit balusterförmigem Griff und flach 
gebogener Parirstange (vergoldetes Silber). Deutsche 
Arbeit des XVI. Jahrhunderts. Die Scheide aus 
vergoldetem Silber besteht aus durchbrochenen
        
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