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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Das Königliche Schloss. Alabastersaal. 
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bild von Koch und Koberstein], mit fünf Gobelins 
nach Boucher; westlich davon, ebenfalls an der 
Seite des Hofes, ein neues Bibliothekzimmer (13) x ). 
Diesem entspricht an der Schlossplatzseite (14) 
das Wohnzimmer des Kaiserpaars mit tretflichen 
Malereien von B. Rode, und zwar im Rundbilde 
der Decke das Jahr, umgeben von vier die Jahres 
zeiten darstellenden Genien, in den kleineren seit 
lichen Rundbildern die vier Tageszeiten, gleichfalls 
als Genien gebildet; die Grisaillenfriese der Voüte 
zeigen ländliche, den Jahreszeiten entsprechende 
Verrichtungen. Den Cyclus vervollständigten einst 
die Figuren der vier Elemente. 
Eine geschmackvolle Decoration in neu 
klassischem Stil bietet der anstossende kleine 
Marmorsaal. Die Wände sind mit hellröthlichem 
Stuckmarmor bekleidet und enthalten in den vier 
Ecken und den Axen der Langseiten Nischen (einst 
mit Marmorfiguren von Tassaert geschmückt), 
unter dem Gesimse Reliefs nach Zeichnungen von 
G. Schadow: Triumph des Bacchus, Hochzeit 
Amors, Ariadne und Centauren, Raub der Sabine 
rinnen. Die Deckenmalerei von Kimpfel zeigt in 
der Mitte den Wagen des Sonnengottes, in den 
Feldern der Voute die Zeichen des Thierkreises. 
Der folgende Raum war ein Schlafgemach, der 
nächste ein Kabinet, das nach Angaben von Genelli 
eingerichtet und von Carstens mit Grisaillebildern 
ausgemalt war (Rumpf a. a. O. S. 210). Jetzt ist 
von dieser Decoration nichts mehr erhalten. 
Quergebäude. 
Der alte Niuronsche Querflügel ist von solider, 
schwerfälliger Bauart; die beiden unteren Geschosse 
zeigen Kreuzgewölbe ohne Rippen oder Tonnen, 
in welche tiefe Stichkappen für die Fenster ein 
schneiden. In dem 1886 von Hossfeld zu Cavalier- 
wohnungen neu eingerichteten zweiten Stock finden 
sich, im zweiten und dritten Zimmer an der West 
seite, vom Eosanderschen Treppenhause an gerech 
net, einfache Stuckdecken vom Ende des XVII. 
Jahrhunderts. 
Gänzlich verbaut ist heute der ehemalige 
Alabastersaal im niedrigen Quergebäude, zudem 
durch das Risalit mit der Theatertreppe an seiner 
Nordseite um eine halbe Axweite verkleinert. 
Bis zur Benutzung der Schlüterschen Parade- 
kammem neben dem Oranischen Saal der Haupt 
festraum des Schlosses, scheint er seitdem nicht 
mehr benutzt worden zu sein. Gleichwohl gehörte 
') Dieser Raum war einst rund und mit einer kuppel- 
förmigen Decke versehen. 
er nicht nur wegen seiner Grösse (27: 16 m), 
welche die des weissen Saales noch übertraf, sondern 
auch wegen der Pracht seiner Decoration zu 
den bedeutendsten Räumen und bildete den Gipfel 
der Bauthätigkeit des grossen Kurfürsten am 
Schlosse 1 ). — 1741 richtete Knobelsdorff in dem 
Saale ein Theater * 2 ) ein (eröffnet am 13. December 
1741), das 1805 wieder beseitigt wurde. Heute 
ist der Raum durch eine Zwischendecke getheilt 
und dient als Möbelmagazin, doch ist die Archi 
tektur der Wände noch leidlich erhalten. Die 
Wände werden zwischen den Fenstern durch 
Pilaster und Nischen gegliedert, für welche die zwölf, 
1728 in den weissen Saal gebrachten Kurfürsten 
statuen bestimmt waren; die Zwickel über den 
Nischenbögen füllen Palmzweige aus Stuck, die 
Felder zwischen den korinthischen Kapitellen 
Rundmedaillons mit Rollwerkumrahmung. Das 
Gesims zeigt eine barocke, von der klassischen 
Form abweichende Gliederung. Rosetten, Muscheln, 
Fruchtgehänge füllen die Zwischenräume der mit 
Akanthus verzierten Consolen. Von der Theilung 
der Decke, in deren Feldern Tugendengestalten 
gemalt waren, gibt Pitzier eine flüchtige Skizze, 
eine hübsche Ansicht des Innern, nach einer Zeich 
nung von Biesendorf, ein Stich in Begers Thes. 1, 
S. 227. 
Erdgeschoss. 
Die Räume des Erdgeschosses von Portal III 
um die Ecke nach dem Lustgarten herum bis Portal 
IV, die zuletzt als Absteigequartier der Prinzessin 
Alexandrine von Mecklenburg, Schwester Kaiser 
Wilhelms I., dienten und im Innern durchgehends 
renovirt sind, bildeten die ehemalige Wohnung 
König Friedrich Wilhelms I. 1728 liess der König 
[ hier durch Pöpelmann in dem zweiten Gemach, von 
der Nordwestecke nach der Freiheit zu, eine Con- 
fidenztafel einrichten und die Fenster des Raums 
erweitern. Die Zimmer nach dem Schlosshofe be 
wohnte Königin Sophie Dorothea 3 ). — 1795 wurden 
von der Ecke an dem Lustgarten und der Sehloss- 
freiheit acht Zimmer, die sog. petits apparte- 
ments, neu eingerichtet und möblirt (G. St. A. 
Rep. 96. 210 A. — Akt. d. Cabinets Fr. W. II. 
■) Leti in seinem 1687 erschienenen Werke erwähnt (I. 
lib. VI. S. 333 ff.) rühmend den grossen, von ihm „galleria“ 
genannten Saal. 
2 ) Grundriss dieses Theaters bei Schneider, Gesch. d. 
Opernhauses, S. 16. 
3 ) Unter der Regierung ihres Sohnes bewohnte die Kö 
nigin die darüber liegenden Räume im ersten Stock. Nicolai, 
S. 113 u. 877. 
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