Path:
Zur Geschichte Berlins 1. Berlin im Mittelalter

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Die bairischen Markgrafen. 
23 
bezeugte er seine Verehrung für das hier so hoch 
in Ansehen stehende, ausgestorbene askanische Ge 
schlecht, unter dessen Regierung die Stadt zu Wohl 
stand und Bedeutung gelangt war, auf dessen Ver 
wandtschaft er seihst sein Anrecht an die Marken 
stützte. Wie für die gewerblichen, so bildete auch 
für die politischen Vereinigungen den Boden im 
Mittelalter die Kirche. Sie schlossen sich um die 
Altäre zusammen. So hielten sich die eifrigsten 
Anhänger des ballenstädtischen Hauses zur Brüder 
schaft des Altars exulum. Auf diese Weise ver 
folgte Rudolf mit seiner Schenkung einen politischen 
Zweck. 
Noch zu Ende des Jahres 1323 bezeugte Ber 
lin seine Hinneigung zu Rudolf wieder durch ein 
Bündniss mit anderen Städten zu seinen Gunsten. 
Als Theilnehmer finden wir dieselben Städte, wie 
im Jahre 1321, nur wenige fehlten. Die Vereini 
gung sollte diesmal in Form eines Landfriedens 
bündnisses geschehen. Aber wie bei dem Bünd 
nisse von 1321 vermissen wir den Nachweis, ob es 
wirklich ins Leben getreten sei, und ob die ein 
zelnen im Vertrage genannten Städte ihn auch 
wirklich vollzogen. Eine Wirksamkeit des Bundes 
äusserte sich nirgends im Gange der Ereig 
nisse. Inzwischen gestalteten sich auch die poli 
tischen Verhältnisse für Berlin und überhaupt für 
das von Herzog Rudolf beanspruchte Landgebiet 
so, dass die Gefahr eines feindlichen Zusammen- 
stosses ausgeschlossen wurde. Rudolf gab, nach 
dem das bairische Haus die Mark in rechtmässiger 
Form an sich gezogen hatte, seine Stellung auf 
und verliess das Land. Ferner entliess Herzogin 
Agnes Berlin-Köln am 27. Januar 1324 aus 
ihrem Eide und wies sie an Markgraf Ludwig, so- 
dass sich nunmehr die Lage für die beiden Städte 
klärte und sie nicht mehr im Zweifel sein konnten, 
wem sie Gehorsam und Dienste zu leisten hätten. 
1324 erschien Markgraf Ludwig schon in Berlin. 
Wann er den Huldigungseid entgegengenommen 
hat, ist indessen nicht überliefert. Die bairischen 
Herren erkannten sogleich die Bedeutung, die 
Berlin wegen seiner Lage und seiner Führerschaft 
in der Mittelmark für ihre Stellung im Lande 
hätte. Schon in dem eben erwähnten Vertrage 
vom 4. Mai 1323 wo es sich um die Uebergabe 
des Lcibgedinges der Herzogin Agnes an Ludwig 
handelte, wurde Berlin ausdrücklich ausge 
schlossen für den Fall, dass die anderen Städte 
pfandweise etwa noch länger in der Hand der 
Herzogin belassen werden sollten. Die neuen 
Landesherren bestätigten, um die Bürgerschaft für 
sieh zu gewinnen und so festeren Fuss zu fassen, 
alles, was die früheren der Stadtgemeinde zur 
Förderung der Einheitlichkeit der Stadtgewalt 
verliehen hatten, wenn es auch, wie unter Herzog 
Rudolf, mit zweifelhaftem Rechte geschehen war. 
Neue wesentliche Rechte haben sie den schon 
weitgehenden obrigkeitlichen Befugnissen des 
Rathes auf Kosten der landesherrlichen Rechte 
freilich nicht hinzugefügt. Noch fehlte dem 
Rathe die Gerichtsgewalt, aber gerade die Zeit, 
wo sich die Gelegenheit zu ihrer Erwerbung bot 
(vergl. S. 17), war eine Zeit des Misstrauens 
gegen die Stadt, so dass Ludwig der ältere es vor 
zog, die Ausübung des Hoheitsrechtes einem seiner 
Anhänger zu übertragen. Wie weit die bairischen 
Fürsten Berlin mit Geldsummen, Heeresfolge und 
anderen Diensten in Anspruch genommen haben, 
darüber sind keine Nachrichten erhalten, aber 
zweifellos wusste die Stadtgemeinde jede Forderung 
der Herren für sich auszunutzen. Es sind schon 
damals zahlreiche landesherrliche Güter und Ein 
künfte an die Stadt oder an einzelne Bürger 
verpfändet oder verliehen worden. Dies lässt sich, 
wenn auch nur unvollständig aus dem 1375 zu 
Stande gekommenen Landbuche Kaiser Karls IV. 
schliessen. Die Stadtgemeinden Berlin und Köln 
und ihre Bürger besassen danach Hufen und 
Hebungen in beinahe 90 markgräflichen Dörfern. 
Man kann sich von der vorgeschrittenen Ver- 
äusserung des markgräflichen Besitzes eine 
Vorstellung aus der Thatsache machen, dass 
1356 an Tilo von Brücke die ganzen noch ver 
fügbaren Einkünfte aus den Vogteien Berlin, 
Spandau, Nauen und Rathenow und aus dem 
Teltow für nur 357 Mark verpfändet wurden. 
Es war natürlich, dass sich für den recht 
mässigen Herrn der Stadt und des Landes, wie 
Ludwig der ältere es war, eine entschiedene Partei 
in Berlin bildete. Den Reibungen zwischen ihr 
und den in der Stadt noch zahlreich vorhandenen 
Anhängern des sächsisch-askanischen Geschlechtes, 
und dem schroffen Auftreten der Kirche gegen den 
neuen,’ eben mit der Mark belehnten bairischen 
Fürsten schreibt man bekanntlich die Tödtung 
des Probstes Nikolaus von Bernau i. J. 1325 zu. 
Dass der erschlagene Anhänger der askanisch- 
sächsischen Partei gerade dem Priesterstande an 
gehörte, war bei der überaus feindlichen Gesinnung 
der Kirche gegen das bairische Haus unheilvoll 
für die Stadt. Der Vorfall bot dem Erzbischöfe 
von Magdeburg, der seine weltliche Macht auf 
Kosten der Baiern in der Mark auszudehnen ge
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.