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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Das Königliche Schloss. Wohnung des Kaiserpaars. 
Gemeinde zum Gottesdienst. Noch 1705, bei der 
Aufbahrung der Leiche der Königin Sophie Char 
lotte, scheint der Raum im Wesentlichen unver 
ändert gewesen zu sein. Später, besonders seit 
Friedrich II. hier Wohnung nahm, wurde das 
Innere durch Einbauten aller Art verunstaltet, bis 
durch Schinkel der obere Theil, in Höhe des ersten 
Stocks, zu einem Bibliothekzimmer in gothischem 
Stile für Friedrich Wilhelm IV. eingerichtet wurde. 
Die Decke des Schiffs wird durch Gurt 
bögen in sechs Gewölbefelder mit einem reich 
verschlungenen Netz rein decorativer Rippen zer 
legt. Die Rippen wachsen gesondert aus den 
Rundpfeilem und der Wand heraus und über 
schneiden, unterhalb der Kämpferhöhe beginnend, 
in freien Windungen die Gurtbögen. Diese, sowie 
die Theilungsbögen des Chorraums und der Apsis, 
zeigen an den Laibungsflächen zierliche Flach 
ornamente mit (modernen) Wappenschildern. An 
den Fenstern alte Glasgemälde. 
2. Einfenstriger Raum (Friedrichs II. Schlaf 
zimmer), enthält eine alte Stuckdecke im Stile derer 
in der Wohnung Friedrichs I., Rosetten mit Putten 
und der Kurkrone in den Ecken; Felder mit ver 
goldeten Akanthusranken. Das Deckengemälde 
stellt eine von Genien umgebene Flora dar. 
3. Der geschmackvolle Kuppelraum, Fried 
richs Schreibzimmer, von Hoppenhaupt dem 
Aelteren entworfen, ist heute das einzige, noch 
ganz erhaltene Beispiel von Rococodecorationen im 
Königlichen Schlosse; die ursprünglich hellgrüne 
(Nicolai), jetzt blaugraue Täfelung der Wände 
zeigt abwechselnd Spiegelfelder mit vier Blumen 
stücken, von Dubuisson, und Füllungen von ver 
goldeten Palmenstämmen umrahmt, die Decke zier 
liche vergoldete Rippen. — Grauer Marmorkamin. — 
Die Thüren fügen sich ganz in die Wanddeco- 
ration ein. 
4. Von den drei folgenden Räumen bewahrte 
der mittlere, der Salon der Wohnung Friedrich Wil 
helms IV. (zwei Fenster nach dem Schlossplätze), bis 
vor kurzem seine eigenthümliche Ausschmückung 
durch Schinkel, die verdiente, unverändert erhalten 
zu bleiben 1 ). Die Decke ist einem Zeltdache nach 
gebildet; die Wände von Stuckmarmor sind unten 
durch eine Reihe niedriger Schränke von Linden 
holz verdeckt, darüber (Motiv aus den kleinen 
Thermen von Pompei) 15 paarweise angeordnete 
Kinderfiguren, welche Consolen mit Gipsstatuetten 
tragen. Die dritte Zone zeigt farbenfrische Rund 
') Ausführlich beschrieben bei M. Schasler: Berlins Kunst 
schätze II. S. 226. 
bilder, von Kolbe, Dähling, Stilke und Schoppe 
gemalt, aus der griechischen Sage. Frei im Raume 
steht eine halbkreisförmige Ruhebank aus Holz 
mit Relieffries an der Lehne. 
5. Der sog. Sternensaal über Portal I, mit 
seiner nach Schinkels Entwurf gemalten Decke 
aus concentrischen, nach der Mitte sich verdich 
tenden Stemenkreisen, ist 1888 umgeändert und 
dient jetzt als Vorsaal zur kaiserlichen Wohnung 1 ). 
Seinen früheren Wandschmuck bildeten vier grosse 
Gobelins nach Zeichnungen von Lebrun (Fuss- 
waschung, die Sünderin Christi Füsse salbend, 
Petri Fischzug, Vertreibung der Händler aus dem 
Tempel); sie waren gleich denen im Elisabethsaal 
ein Geschenk Ludwigs XV. an Friedrich Wil 
helm I., zum Danke für den Empfang und Schutz, 
den er dem Könige Stanislaus Leczinski gewährt 
hatte. 
6. Zweifenstriger Raum, einst Audienzzimmer 
Friedrichs II., jetzt Kaiser Wilhelms II., besitzt 
noch die alte Decke mit vergoldetem Rococoorna- 
ment und über den Thüren Reliefs von Kinder 
gruppen mit auf die Kunst bezüglichen Sinnbildern 
in vergoldetem Stuck, das benachbarte (7), 
im Uebrigen ganz erneuerte Arbeitszimmer, ein 
Deckengemälde, die olympische Götterversammlung, 
bez. A. Terwesten inv. et fec. 1704; das fol 
gende dreifenstrige Vortragszimmer (8) [nach Ent 
würfen von Heyden erneuert, Bildhauerarbeiten 
von Westphal, Deckengemälde von M. Koch], in 
den Täfelungen der Fensternischen decorative 
Malereien mit dem Namenszuge F. W. I. 
10. Der Pfeilersaal') über Portal II, 1791 von 
Langhans umgebaut und nach einer Lieblingsidee 
von ihm durch eine Säulenstellung ins Oval 
übergeführt, bietet mit seiner Stuckbekleidung ein 
bezeichnendes Gegenstück zu v. Erdmannsdorfs 
Säulensaal in den Königskammem. Die Wände 
zeigen hellröthlichen, die zwölf Säulenschäfte und 
Thürgewände hellgrauen Stuckmarmor. Am Ober- 
theil der Wände sechs Rundnischen mit Marmor 
büsten römischer Frauen, in den Nischen über 
den Kaminen Prachtvasen mit Reliefscenen. 
11. Westlich stösst an den Pfeilersaal ein jetzt 
(von Kips und Schley) neudecorirtcr Durchgangs 
raum mit einer Verbindungstreppe; nördlich davon, 
nach dem Hofe, ein aus zwei Räumen hergestellter 
Speisesaal (12) [decorirt von O. Lessing, Decken- 
! ) Ueber die frühere, sehr reiche Ausschmükung der nun 
folgenden, für die Königin Friederike, Gemahlin Friedrich Wil 
helms II., eingerichteten Räume ygl. die ausführliche Beschrei 
bung in Rumpf: Berlin u. Potsdam. S. 206—213.
        
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