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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Das Königliche Schloss. Königskammern. 
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mehrfach, vorzugsweise bei v. Gontard, Anschau 
ungen und Einwirkungen der älteren Kunstübung 
zu Tage. 
Die Möbelstoffe und die zumeist hellen matt 
getönten Damasttapeten stimmen in den einzelnen 
Zimmern überein. Die Tapeten werden meist von 
breiten, mit vergoldeten Ornamenten verzierten 
Borden eingefasst. Die Kronleuchter bestehen aus 
Bergkrystall. Die Fensterpfeiler nehmen breite 
Spiegel mit Consoltischen ein, denen an der Innen 
wand meist Marmorkamine mit ähnlichen Wand 
spiegeln entsprechen. Den Schmuck der Kamine 
bilden zumeist geschmackvolle Kaminböcke aus 
Goldbronze, sowie farbige Marmor- oder Alabaster 
vasen in Goldbronze gefasst. Bevorzugt erscheinen 
die Grotteskenmalereien an Decken und Fenster 
laibungen, sog. Arabesken. Die Stuckdecken 
zeigen gewöhnlich geometrische Feldertheil ungen 
mit ausfüllenden Ornamenten von flachem Relief 
und zarter unbestimmter Abtönung der Flächen; 
nur in einzelnen Räumen tritt die ängstliche Scheu 
vor kräftiger, bestimmter Färbung zurück und ge 
rade diese, an ältere Vorbilder anklingend, wie 
namentlich der Thronsaal, erreichen eine gefällige 
Wirkung, während andrerseits auch der neue, con- 
sequent durchgeführte Stil in Räumen wie das ge 
täfelte Eckgemach und der Parolesaal zu charak 
teristischem, in seiner Art mustergültigem Ausdruck 
gelangt. 
Der Saal über Portal V, der damalige Garde- 
du-Corps-Saal, ist durchweg modernisirt. 
Das anstossende zweifenstrige Gemach (v. Gon 
tard) enthält eine Stuckdecke mit ovalem, einer 
cassettirten Kuppelwölbung nachgebildetem Mittel 
felde und ringsumlaufendem Akanthusfries, in 
der Deckenvoüte Blumengehänge und Akanthus- 
ranken. — Tapeten und Möbelstoffe rother Da 
mast. —- Thüren, Fensternischen und das niedrige 
Holzpanneel weiss lackirt mit vergoldeten Leisten. 
2. Zweifenstriger Raum (v. Gontard): Felder 
decke aus Stuck mit rosa und hellgrünem Grund, 
vergoldeten Rosetten und Ranken und Grisaille- 
malereien von Rosenberg. — Tapeten und Möbel 
stoffe heller blaugrüner Damast. — Thüren, Fen 
sterlaibungen und Panneele weiss lackirt mit ver 
goldeten Leisten und Ornamenten. 
3. Der Thronsaal erinnert durch die starke 
Vergoldung, das tiefe Roth der Sammetstoffe an 
Wänden, Möbeln und Thronhimmel an ältere 
Schlütersche Räume. Die Stuckdecke zeigt rings 
um das ovale, von vergoldeten Akanthusranken ein 
gefasste Mittelfeld vergoldete Adler mit Kronen, 
Lorbeer- und Blumengewinden, — ein Motiv, das 
an die Decke im Sammetzimmer der Elisabeth- 
Wohnung erinnert —, die Täfelung der Fenster 
nischen, Panneele und Thüren: vergoldete Schnitze 
reien auf weissem Grunde, am Fussboden: Muster 
aus eingelegten Hölzern und Elfenbein. — Marmor 
kamin mit Reliefs und enkaustischen Ornament 
malereien, Spiegel mit vergoldeten Rahmen. — Die 
Supraporten bilden Sphinxe, welche ein von Guirlan- 
den und Lorbeerzweigen umgebenes Medaillon mit 
dem zur Sonne fliegenden Adler tragen (Taf.XX). — 
Dem Thronhimmel gegenüber stand einst die jetzt 
im Hohenzollernmuseum befindliche Marmorstatue 
der Zeit, in Gestalt des Alten mit der Hippe, auf 
einem Sockel von schlesischem Marmor mit Bronze 
beschlägen und einer Spieluhr, bez.: le Chevalier 
de Werder Berlin f. 1793. —- Prachtvoller Kron 
leuchter von Bergkrystall, von Friedrich Wilhelm II. 
mit 85 000 Thlr. bezahlt. 
4. Der Säulensaal über Portal IV (v. Erd 
mannsdorf) bietet ein bezeichnendes Beispiel jener 
kalten Pracht, wie sie der Empire-Stil für grosse 
Räume in missverstandener Nachahmung der An 
tike liebte. Die Gliederung ist streng architekto 
nisch. 16 gelb marmorirte Säulen tragen das weisse 
Stuckgebälk und die Kassettendecke. Die Wände 
zeigen grauen Stuckmarmor mit weissen Details und 
Supraportenreliefs aus der Geschichte Alexanders des 
Grossen von G. Schadow 1 ). Der wirksame Gegen 
satz einfacher Farben wird auch hier durch die 
leidigen perlgrauen und rosafarbenen Abtönungen an 
der Stuckdecke beeinträchtigt * 2 ). — Fussboden aus 
geometrischen Mustern in eingelegter Arbeit. — 
An der Südwand die reich verzierte Bronzethür 
zum Parolesaal, zu beiden Seiten je eine von einer 
Tabernakel - Architektur eingerahmte Nische mit 
einer Marmorstatue, des Apollino und der Medice- 
ischen Venus; an der Ostwand die von Emil Wolff 
vollendete edle Gruppe: Achill und Penthesileia 
von Rudolf Schadow. 
5. Der Speisesaal (v. Erdmannsdorf) stellt 
mit seinen bunt bemalten Wänden und Decke, die 
freilich einer einheitlichen Grundstimmung ent 
behren, den vollkommensten Gegensatz zum vorigen 
Raume dar 3 ). Die drei Innenwände enthalten, 
') Kunstw. u. Kunstans. S. 22. 
2 ) Auch das ßococo könnt zarte und unbestimmte Misch 
töne, aber als Hintergrund für den Glanz der vergoldeten 
oder versilberten Ornamente. 
3 ) Bei der Ausmalung haben den Künstlern offenbar 
reiche Pompejanische Wanddecorationen vorgeschwebt. Der 
Unterschied in Composition und Farbwirkung ist freilich ge 
waltig.
        
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