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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Das Königliche Schloss. Prunkbuffet. 
287 
Jahrhundert), bezeichnet H.E. und mit dem Stempel 
von Magdeburg. 
Von Münzhumpen, welche zum Theil auf den 
Kaminen des Saals Platz gefunden haben, sind 
noch 22 vorhanden, darunter vier mit der Jahres 
zahl 1677, aus dem Nachlasse des 1684 verstorbenen 
Herzogs von Croy. Einige andere tragen die 
Marke 11. M. (Daniel Männlich). Vor der Rundung 
des Buffets steht der grosse, mit Ablaufhahn ver 
sehene, 0,96 m hohe Münzhumpen mit dem Namen 
Lieberkühns, der nach Nicolai (S. 895) früher im 
Tabackscollegium als Bierbehälter benutzt gewesen 
sein soll. 
An Kunstwerth am höchsten stehen zwei ge 
legentlich erworbene Prachtstücke Nürnberger Ar 
beit u. zw.: 
Ein Pokal, 0,79 m hoch, aus vergoldetem 
Silber mit dem Widderkopfe, dem Zeichen des 
Hans Petzolt (um 1570). Auf dem Deckel 
knauf steht Diana mit den Hunden. Deckel 
und Körper sind gebuckelt und mit- gegossenen 
Ornamenten reich besetzt, am Nodus hermenartige 
Figürchen, am Fusse Buckelungen und figürlicher 
Schmuck von Köpfen, Greifen, Sirenen mit Ranken 
und Rollwerk-Ornamenten (Ortwein, Deutsche Re 
naissance, I. Taf. 98—100). — Dem Petzolt-Pokal 
am nächsten kommt der kostbare, 1867 erworbene, 
0,68 m hohe Pokal aus vergoldetem Silber, durch 
das Meisterzeichen, den Löwenkopf, als ein Werk 
W. Jamnitzers beglaubigt. Auf der Spitze in 
Gestalt eines Pfeilers steht Kaiser Max mit Schwert 
und Schild, in Rüstung, um den Pfeiler vier Fürsten 
gestalten und zwar: Johann Jacob Khuen von 
Belasy, Bischof von Salzburg 1560—86, Veit von 
Würzburg, Bischof von Bamberg 1556—77, Frie 
drich von Wirsberg, Bischof von Würzburg 1558 
bis 1572 und Philipp Ludwig, Pfalzgraf von Neu 
burg 1564—1614. Den flachen Deckelrand zieren 
Akanthusblattwerk und Muscheln. Der Gefässrand 
ist leicht gebuckelt, darunter sitzt ein regelrechtes 
Triglyphengebälk. Den Körper umzieht ein Fries 
von Bandwerk, in welchem knieende Gestalten und 
Figuren mit Städtewappen angebracht sind; darunter 
sitzt ein mit Adlern und Engelsköpfen geschmückter 
Wulst, am Fusse zwischen Voluten vier Tugenden 
figuren (Ortwein, Deutsche Renaissance, I. Taf. 
65—67) 1 ). 
Der gleichen Zeit gehört ein ebenfalls aus 
Nürnberg stammender Pokal an (vergoldetes Silber 
0 Von beiden Prachtpokalen sind vortreffliche galvano 
plastische Nachbildungen im Kgl. Kunstgewerbe-Museum zu 
Berlin. 
mit Meisterzeichen M. D.), 0,67 m hoch, am Körper 
in zwei Reihen gebuckelt, auf dem gebuckelten 
Deckel mit einem Blumenstrauss geschmückt. -— 
Ein anderer kleiner (0,19 m hoher), getriebener 
Silberpokal, in der bekannten Form der Nürnberger 
Agleybecher, zeigt eine doppelte Buckelreihe, oben 
mit mythologischen Scenen, unten mit Kinder 
figuren und Sinnbildern von Tugenden und Lastern 
verziert. Nürnberg XVII. Jahrhundert. Ferner 
zählen hierzu nach Lessing noch fünf Silber 
flaschen aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert, 
sodann ein Tafelaufsatz, 0,79 m hoch, aus ge 
triebenem Silber, in Gestalt eines von einem nackten 
Manne getragenen Globus, der die Aufschrift trägt: 
Christoph Schmidt fecit Augustae 1696. Der 
später hinzugefügte Griff zeigt Adler, Krone und 
Reichsapfel, den Stadtstempel von Augsburg und 
das Monogramm L. B. (Ludwig Biller); endlich 
eine gute Silberarbeit des XVII. Jahrhunderts, ein 
Mann im Kittel, einen verschnürten Ballen tragend, 
mit dem Stadtstempel von Augsburg und dem 
Meisterzeichen H. M. 
9. Schwarze Adlerkammer, in Anlage und 
Ausschmückung das vollkommene Gegenstück zur 
Brandenburgischen Kammer und wie diese unter 
Friedrich Wilhelm IV. renovirt. Die Decke gehört, 
vornehmlich wegen der reizvollen plastischen De- 
coration, zu den schönsten im Schlosse. Das Decken 
bild, eine Allegorie auf die Stiftung des Schwarzen 
Adler-Ordens, von Leygebe, ist mit den Ma 
lereien der Voüte 1795 1 ) durch Frisch renovirt 
worden (Geh. St. A. Rep. 96. 210 A). Die Um 
rahmung bildet, ähnlich der im Königszimmer, eine 
Scheinarchitektur aus vergoldetem Stuck mit viel 
fach bewegten und verkröpften Gesimsen und con- 
solartigen Stützen. Ueber dem Kranzgesimse der 
Schmalseiten die von Famen gehaltenen Relief 
brustbilder des ersten Königspaares, an den Lang 
seiten, zwischen den gemalten Figurengruppen der 
Voute, Putten mit dem Namenszuge und der Krone. 
Die Ecken füllen Medaillons mit Reliefs, welche 
von anmuthigen, in Akanthus auslaufenden Figuren 
aus vergoldetem Stuck gehalten werden. Die 
Fensterlaibungen enthalten Spiegeltäfelungen in 
breiten, geschnitzten und vergoldeten Rahmen. — 
Wandspiegel mit Rahmen aus getriebenem Sil 
ber. — Consoltische aus Holz und versilbert mit 
geschnitztem Trophäenschmuck. — Prächtige Stand 
uhr in Boulle-Arbeit. — Tabourets, mit Gestellen 
in Boulle-Arbeit und rothen Sammetbezügen, sind 
0 Auch an den Fensterpfeilern hinter den Spiegeln sind 
Wandmalereien aus jener Zeit wiedergefunden.
        
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