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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Das Königliche Schloss. Paradekammem. 
decken enthalten Felder mit reizvollen Stuckorna 
menten, die Decke z. B. über dem ersten Podest 
geflügelte, in Akanthus endigende Figuren und 
Trophäen von fast antiker Formenbildung. —- Der 
Stuckmarmor der Wandflächen, ebenso wie die 
decorativen Malereien unter den Treppenläufen 
sollen 1786 erneuert worden sein (Rumpf, Berl. 1804 
S. 159). — Eichenholzthürcn mit zum Theil noch 
erhaltenen reichen Schnitzereien. — Das mittlere 
Deckenfeld enthält ein Fresco von Belau, angeb 
lich die Weisheit, vor der die Nachtgestalten der 
Barbarei entweichen. Am Deckenrande: Jupiter 
das Blitzbündel schwingend, gegenüber Minerva 
im Kampfe mit den Giganten, Stuckgruppen, nach 
Nicolai von Simonetti ausgeführt. — Der schmale 
obere Treppenaustritt mit seiner reichen Felder 
decke ist durch eine Glaswand geschieden vom 
2. Schweizer Saal, dem ehemaligen Wach 
zimmer der Schweizer Garde. Als Vorraum ein 
facher behandelt, zeigt der Saal über niedrigem 
Sockel eine Theilung durch Pilaster und Wand 
felder mit Grisaillemalereien, und zwar in den 
oberen Feldern grau in grau gemalte Büsten, über 
den Thüren und am Friese des Gebälks Relief- 
malcreien geschichtlichen Inhalts. Auf dem Ge 
simse eine gemalte Gallerie mit festlich gekleideten 
Zuschauern, über welcher sich ein perspectivisch 
gemalter Dachraum mit dem Ausblick in den 
Aether wölbt. — An den Langseiten zwei Marmor 
kamine mit modernen Oefen. — Zwei Messingkron 
leuchter bekannter Form (XVII. Jahrhundert). 
3. Vom Schweizer Saale links: die erste Vor 
kammer. Die Deckenumrahmung ist alt, die 
Deckenfläche mit modernen Schablonenmustem 
bemalt. In den Ecken, in Flachrelief aus ver 
goldetem Stuck: Kartuschen von Sphinxen ge 
halten, darüber auf geschweiften Gesimsen Vasen 
mit Akanthusranken. An den Voüten der Lang 
seiten Kartuschen mit Monogrammen, darüber ge 
malte Medaillons mit Adlern und Genien aus 
Stuck. — Die Supraporten enthalten die Königs 
krone. — Zwei Gueridons, aus Holz geschnitzt, 
mit Kindergruppen, welche eine Muschel mit den 
Lichthaltern tragen. — Zwei Tische mit Marmor 
platten und geschnitzten vergoldeten Gestellen 
nach beliebtem Modell (Adler und wilder Mann 
als Tischfüssen) aus des ersten Königs Zeit. — 
Bilder: Kniestücke von Pesne: Königin Elisa 
beth Christine, die Prinzessinnen Wilhelmine (mit 
Hündchen im Arm), Charlotte, Amalie und Ulrike, 
Markgraf Friedrich von Bayreuth, Prinz Ferdinand 
von Braunschweig. 
4. Zweite Vorkammer zeigt eine wohl 
erhaltene, für Schlüters Compositionsweise be 
sonders charakteristische Decke. Das Deckenbild, 
eine Allegorie, deren Mittelpunkt das kurfürstliche 
Wappen und die Kurkrone bezeichnen, umgeben 
vier von Voluten und Giebelverdachungen um 
schlossene Seitenfelder mit gemaltem Hintergründe 
und vergoldeten Stuckfiguren, Kartuschen und 
Prachtvasen. In den Diagonalen farbige, von 
Putten gehaltene Draperieen, auf welchen sich 
thronende allegorische Reliefgestalten, mächtige 
Eckmuscheln — sämtlich vergoldet — und zu 
beiden Seiten derselben gelagerte Figuren aus 
weissem Stuck abheben. — Die Supraporten ent 
halten Vasen. — Zwei Tische aus Ebenholz mit 
Elfenbeineinlagen (letzte Kurfürstenzeit). 
Bilder: Portrait des grossen Kurfürsten in 
Rüstung und Hermelinmantel ganze Figur, bez. 
P. Nason f. Ao. 1666. -—- Friedrich Wilhelm I. 
als Kronprinz, in Rüstung mit langen blonden 
Locken dargestellt, g. F. — Kurfürst Johann 
Sigismund g. F. — Peter der Grosse in Rüstung 
g. F. — Kaiserin Katharina von Russland g. F. 
im Krönungsomat, von Eriksen. — Familien 
bild: der grosse Kurfürst, Kurfürstin Luise, die 
Prinzen Karl Emil, Friedrich und Ludwig von 
Mytens. 
Gruppenbilder (Schule von Pesne): Friederike, 
Schwester Friedrichs H., und ihr Gemahl Mark 
graf Karl von Anspach. — Sophie, Markgräfin 
Friedrich von Schwedt mit ihrem Gemahl, beide 
in Lebensgrösse. 
5. Der folgende Eckraum 1 ), das Königszimmer, 
ist bis auf die Decke modemisirt. Die Umrahmung 
des ebenfalls modernen Deckenbildes bildet eine 
vergoldete, einer Vertäfelung gleichende Schein 
architektur aus Stuck, mit Reliefmalereien in den 
Feldern. Die Ecken zeigen vergoldete Kartuschen 
mit Kronen und Adlern, darunter, auf dem Ge 
simse, gelagerte lebensvolle Figurengruppen aus 
weissem Stuck auf Kampf und Kriegsruhm hin 
deutend. — Wandspiegel neuklassischer Form. — 
Consoltisch in Holz geschnitzt und vergoldet (Ro- 
coco). — Zwei Kronleuchter aus Borgkrystall. — 
Stutzuhr, Schildpatt mit Goldbronze, zweite 
Hälfte des XVIII. Jahrhunderts. — Portraits 
preussischer Könige und Königinnen, und zwar die 
ersten drei Könige in ganzer Figur von Pesne, 
Königin Sophie Dorothea, ganze Figur, und Königin 
*) Ueber die alte Einrichtung dieser Räume vgl. auch 
Küster III. S. 17, und Dohme, Kgl. Schl. S. 35 aus den Pa 
pieren des Schlossbaumeisters Rabe.
        
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