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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Das Königliche Schloss. 
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Hälften des Westflügels ermöglicht wurde. Doch 
war über der Durchfahrt kein grösserer Innenraum 
vorgesehen, vielmehr scheint das Obergeschoss 
mit seinen über Dach geführten Stützmauern ledig 
lich als Unterbau für einen verhältnissmässig un 
ansehnlichen, durch Säulen geöffneten Kuppelthurm 
zu dienen. Der ganze Entwurf hat etwas klein 
liches, — man möchte glauben noch unter dem 
Eindrücke des Münzthurmsturzes — etwas ängst 
liches und ist jedenfalls sehr bald fallen gelassen 
worden; denn der heute ausgeführte imposante 
Portalbau ist für ganz andere Massen berechnet 
und lässt einen Thurm voraussetzen, wie ihn 
nach Dohme muthmässlich zwei im Hofbauamte 
vorhandene Handzeichnungen darstellen. Die eine 
gibt die getuschte Perspectivzeichnung eines ellip 
tischen Kuppelbaues auf Säulen, die andere ist ein 
geometrischer Aufriss 1 ) des Triumphbogens (Por 
tal III) mit einem mächtigen zweigeschossigen, 
unten geschlossenen, oben offenen Säulenbau, der 
von einer Kuppel und Laterne bekrönt wird (ab 
gebildet bei Dohme das Kgl. Schloss). Die Bezeich 
nung: Project „des neuen Münzthunns, wie solcher 
auf dem Schlosse zu Berlin angelegt werden soll“, 
deutet darauf hin, dass jenem Entwürfe die Idee 
zu Grunde gelegt war, den verunglückten Schlüter- 
schen Bau durch ein Werk von noch gewaltigeren 
Maassen und grösster Kühnheit im Aufbau zu 
ersetzen. 
1713 Der Tod König Friedrichs I. 1713 machte so 
weit ausschauenden Plänen ein Ende; v. Eosander 
wurde seines Postens als Leiter des Schlossbaues 
enthoben und musste Berlin verlassen. Dem prak 
tischen und nüchternen Sinne Friedrich Wilhelms I. 
lag zunächst an dem völligen Ausbau des Schlosses, 
schon um Bäumlichkeiten für zahlreiche unterzu 
bringende Kassen und Bureaus zu gewinnen. 
17U Bereits 1714 wurde der Ausbau der Kapelle an 
der Nordwestecke des Schlosses, ebenso der da 
runter liegenden Archivräume eingestellt, dagegen 
um so eifriger der Bau der noch fehlenden Süd 
seite des äusseren Hofes in Angriff genommen, 
der von M. Böhme in genauer Anlehnung an 
Schlüters Fa9aden ausgeführt und mit Portal II be- 
1716 endet wurde. Im Jahre 1716 war, wie die Inschrift 
über diesem Portal meldet, das ganze grosse Werk 
fertig gestellt. Als weitere Folge knüpft sich 
') Diese Zeichnung, obwohl sie das Datum 24. April 
1728 und einen unbekannten Namen, C. L. Meschker, (der 
Zeichner?), trägt, ist wahrscheinlich der geometrische Aufriss 
eines älteren und zwar muthmässlich von v. Eosander herrüh 
renden Entwurfs. 
hieran der Abbruch der Baulichkeiten um den 
Domkirchhof und die Beseitigung des Ballhauses 
mit seinen Buden, wodurch das Schloss, von seiner 
beengenden Nachbarschaft befreit, zwischen zwei 
grosse öffentliche Plätze, ganz in den Mittelpunkt 
der schnell heran wachsenden Stadt und ihres Ver 
kehrslebens gerückt wurde. 
Das Aeussere ist seitdem über 125 Jahre lang 
so gut wie unverändert geblieben, die innere Ein 
richtung hingegen hat mit der wechselnden Be 
nutzung und Bestimmung der Räume vielfache 
Veränderungen erfahren. Ausser den Festräumen 
und Wohnungen umfasste das Schloss eine grosse 
Anzahl von Geschäftsräumen für Behörden, so im 
Erdgeschosse an der Schlossplatzseite und der 
Südhälfte des Westflügels fast ausschliesslich Kassen 
räume, im Obergeschosse des letztgenannten Theils 
Archiv und Bureaus für das General-Directorium, 
im Erdgeschosse des Querflügels neben der Ilof- 
conditorei die geheime Kanzlei und Registratur, 
im ersten Stock die Kurmärkische Kriegs- und 
Domainenkammer. Unter dem Alabastersaal befand 
sich anfangs die Schlosswache, später wurde dort 
hin die Küche verlegt. Auch das Erdgeschoss 
des östlichen Flügels, im zweiten Hofe, enthielt 
Küchen, links vom Hauptportale, rechts die Silber 
kammer und daran anschliessend, bis zu Portal I 
an der Hofseite, das Hofmarschall-Amt. 
1719 wurde über Portal III ein grosses Wasser- 1719 
reservoir mit bleiernen Vertheilungsröhren über 
alle Flügel des Schlosses hin angelegt. 
Friedrich Wilhelm hatte anfangs im zweiten 
Stock des Schlossplatzflügels gewohnt, bezog 1 ) 
aber später die Räume des Erdgeschosses nach 
der Schlossfreiheit und dem Lustgarten, zwischen 
Portal III und IV. Um die durch die Durch 
fahrten unterbrochene Communication wiederher 
zustellen, liess er durch beide Portale hölzerne 
Verbindungsgänge nach den jenseitigen Räumlich 
keiten anlegen. Vor den Fenstern der königlichen 
Wohnung lief sowohl aussen, wie innen nach der 
Seite des Schlosshofes, ein Staketenzaun zur Siche 
rung des im Kellergeschosse befindlichen Tresors. 
Mit der Umwandlung des Lustgartens in einen 
Exerzir- und Paradeplatz (1715) hingen an der 
Nordfront des Schlosses Terrainregulirungen zu 
sammen, deren Folge die Beseitigung einer alten 
Freitreppenanlage vor Portal V war. 
Dem Besuche des Polenkönigs, Augusts des 
») Rechnungen vom 22. Sept. 1721 im Haus-Arch. er 
wähnen der Arbeiten zur Instandsetzung dieses Wohnflügels. 
Die Königin bewohnte die Zimmer nach dem Schlosshofe zu.
        
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