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Die Bau- und Kunstdenkmäler

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Das Königliche Schloss. 
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artig ausgekragten Rundthürmen eingefasst und 
zeigte in der Mitte, über den rundbogigen Eingangs 
thoren, einen Balcon, dessen zierliche Kandelaber- 
Säulen in Höhe des oberen Stocks einen zweiten, 
offenen Balcon trugen. Am reichsten ausgestattet 
erscheint das Dachgeschoss mit seinen abwechselnd 
kleinen und grossen, mehrstöckig gebildeten Gie 
belerkern und der naiven Anordnung halber Giebel 
an den Eckthürmen (Fig. 35). 
Die nur von massig grossen Fenstern mit spät- 
gothischen Vorhangbögen durchbrochenen Wand 
flächen ermangelten jeder weiteren Gliederung, 
waren aber, wie der Stich mit dem Ringelrennen 
vom Jahre 1592 beweist, einst reich bemalt; 
nur das niedrige Erdgeschoss zeigte eine einfache 
Quaderung. Ergänzt man jene Bemalung auf der 
geschmückt mit Statuen der deutschen Kurfürsten, 
von denen 1553 die Figur des Kurfürsten Moritz von 1553 
Sachsen herabgefallen sein soll 1 ); eine zweite, auf 
Consolen ausgekragte Gallerie lief vor der oberen 
Zimmerreihe des Südflügels einher. — Ein einziger, 
wegen seiner Grösse bewunderter, im Verhältniss 
dazu freilich sehr niedriger Saal nahm das ganze 
Hauptgeschoss dieses Flügels ein. Vom Obergeschosse 
aus führte ein hässlicher, mit Brettern verschaalter, 
von Mauerpfeilern getragener Gang zum kurfürst 
lichen Kirchenstuhle im Dom. — An der Wasser 
seite springt der heute viel niedrigere, einst mit 
hohem Giebeldache und Spitze bekrönte Thurmbau 
der Schlosskapelle vor. Auf dem grünen Hut, den 
einst wahrscheinlich nur ein einfaches Kegeldach 
bedeckte, wurde eine Art von Belvedere in zier- 
Fig. 34. 
Ansicht des TT. Schlosshofes nach Stridbeck. 
Ansicht Fig. 35, bei welcher nur die Bogenlauben 
vor der Front wegzudenken sind, so gewinnt man 
ein Gesamtbild von hervorragender malerischer 
Wirkung. Dies gilt noch mehr von dem statt 
lichen Schlosshofe (Fig. 34). Zwar erscheinen hier 
dieselben Fenster und Dacherker wieder, es sprin 
gen aber die Stiegenhäuser in der Mitte beider 
Fronten bedeutsam in den Hofraum vor, zunächst 
am Südflügel, über einem durch eine Freitreppe 
zugänglichen Altane, der prächtige von Säulen 
stellungen durchbrochene runde Treppenthurm, der 
grosse Wendelstein, am Ostflügel ferner ein klei 
nerer achteckiger Treppenthumi und ein grösserer, 
ebenfalls achteckiger, „der Reitschnecken“, der eine 
gewundene, zum Hinaufreiten bestimmte Rampe ent 
hielt. Die Verbindung zwischen den Treppen und den 
anliegenden Räumen stellte, bei dem Mangel innerer 
Verbindungsgänge, eine äussere Bogengallerie her, 
liehen, noch heute in der Vermauerung erhaltenen 
Renaissanceformen angelegt. Vor der Südseite des 
Schlosses lag, anfangs, wie es scheint, noch ohne 
feste Umschliessung, der Platz für das Ringelrennen, 
die sog. Renn- oder Stechbahn (Fig. 33) 2 ). 
Nach Westen begrenzte den Blick die thurmreiche 
Gebäudegruppe des Domstifts. 
') Angelus Ann. S. 393. — L. Thurneissers Pison S. 354. 
2 ) Die Fig. 33 gibt einen nach gewissenhafter Prüfung 
des vorhandenen Materials entworfenen Uebersichtsplan des 
Schlosses und seiner nächsten Umgebung. Für den Dom ist 
u. a. eine im Domarchiv aufbewahrte Situationsskizze von 
Feldmann, kurz vor seinem Abbruch, für die Rennbahn eine 
Handzeichnung in den Nicolaischen Mappen benutzt. — Fig. 34 
ist nach der Stridbeckschen Aquarelle gezeichnet, Fig. 35 
nach der im Hohenzollern-Museum befindlichen Copie eines 
alten Originals im Schlosse Tamsel, welches die Schloss 
platzfront, von der langen Brücke gesehen, darstellt und etwa 
um 1690 gemalt sein mag.
        
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