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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Werdersehe Kirche. 
Werdersclie Kirche. 
Literatur: 1. Küster II. S. 616 ff. — 1. Fr. Aug. Hartung: Kurze Nachricht v. d. Erbauung d. Friedrichs- 
Werderschen Kirche. Berlin 1801. — 3. Mem. histor. pour le jubile de la dedicace du Werder. Berlin 1801 mit Abbil 
dungen. — 4. E. Muret: Geseh. d. franz. Colonie (Berlin 1885). S. 109 ff. mit Abbildungen und Mittheilungen aus 
den Akten. 
Abbildungen: Veduten des grossen Schleuenschen Planes. 
Der Stadttheil Friedrichswerder besass in den 
ersten Jahrzehnten seines Bestehens keine eigene 
Kirche. Die deutsche Einwohnerschaft versammelte 
sich seit dem Herbst 1680 im Obergeschosse des 
Friedrichswerderschen Rathhauses zum Gottes 
dienst, die französische seit 1682 in der Schloss 
kapelle, später theils im Dom, theils in der 
Dorotheenstädtischen Kirche, bis Kurfürst Friedrich 
das alte Reithaus oder den „langen Stall“, der am 
Marktplätze, an der Stelle der heutigen Kirche 
lag, beiden Gemeinden für einen Umhau zu einem 
Gotteshause überwies. Es scheint, dass für diesen 
Zweck anfänglich ziemlich umfangreiche Pläne 
1699 Vorgelegen haben, doch bereits am 20. Mai 1699 
genehmigte der Kurfürst von drei ihm unter 
breiteten Baurissen einen, der von der Erbauung 
zweier Thürme, die beabsichtigt waren, wieder 
1100 Abstand nahm. Am 11. Mai 1700 erging die 
Weisung an den Grafen Dohna und die Hof- 
kammerräthe Weise und Merian, mit dem Haupt- 
mann de Bodt gemeinsam eine Kostenberechnung 
für die von ihm gefertigten „und von Uns 
mündlich approbirten letzten Abrisse“ einzureichen. 
Schliesslich entsprach der Kurfürst den Vor 
schlägen des französischen Consistoriums, das in 
dem Wunsche, bald in den Besitz einer Kirche zu 
gelangen, und aus Rücksicht auf die Kosten sieh 
mit einem blossen Umbau des Reithauses zufrieden 
gab, durch ein Reskript vom 31. Mai, worin er 
befahl, da „das Mauerwerk an dem Stall umb ad 
interim zur Kirche zu dienen dauerhaft genug sei 
und hingegen die Verenderung desselben, erkauffung 
derer dabei gelegenen Häuser noch viel Zeit und 
grosse Kosten erfordern würden .... die zur Kirche 
destinirte Helffte des Stalles (der Gemeinde) anzu 
weisen und einzuräumen, damit sie selbige zum 
Gottesdienst aptiren und mit Stühlen, Galerieen . . . 
bebauen möge“. Die grossen Ausgaben für die 
Krönung Hessen auch dem Könige eine Beschrän 
kung der Gnadengelder und eine möglichst spar 
same Ausführung erwünscht erscheinen. Nicolai 
(S. 160) schreibt die Entwürfe für den Umhau 
Grünberg zu, die Ausführung dem Simonetti. 
Die Einweihung der französischen Hälfte fiel auf 
den 16. Mai 1701, die der deutschen auf den noi 
12. Juli jenes Jahres. 1718 vermehrte man die 
Sitzplätze der deutschen Kirche durch Erhöhung 
des Kirchenraums und Anlage einer zweiten Empore. 
Die französische Gemeinde entschloss sich zu der 
gleichen Maassnahme erst auf directe Veranlassung 
des Königs. — 1824 wurde der alte Bau abgebrochen 1824 
und entstand nach Schinkels Plänen die heutige, 
im Aeussern wenig erfreuliche Backsteinkirche, die 
jedoch im Innern durch günstige Raumwirkung 
ausgezeichnet ist. — Eine Ansicht des alten Reit 
hauses, eines schmalen Gebäudes von mehr als 
80 m Länge und 16—17 m Breite, hohem, mit 
vier Giebelerkern versehenem Dache und einer 
Wendelstiege an der Nordostecke, zeigt die be 
kannte Stadtansicht in M. Zeilers Topographie. 
Eine Handzeichnung zu einem durch eine Repa 
ratur der Böden veranlassten Berichte und Kosten 
anschläge, vom 16. August 1648, bewahrt das 
königliche Hausarchiv hei den Schlosshauakten. 
Das Reithaus wurde in zwei Theile getheilt, von 
denen der nördliche der französischen Gemeinde, 
der südliche der deutschen zufiel. Auf der gemein 
schaftlichen Trennungswand sollte ein Thurm er 
richtet werden, der jedoch erst im Jahre 1801, 
nach Titels Entwürfen, zur Ausführung kam. Die 
beiden Hälften waren übrigens im Aeussern ver 
schieden ausgehildet, indem die südliche breite 
Wandfelder zwischen Lisenen, die nördliche eine 
engere Lisenen- und Axentheilung aufwies. Ge 
meinsam waren beiden die schmucklosen Rund 
bogenöffnungen und die niedrigen Stichbogenfenster 
unterhalb der Emporen. Das Innere hatte, wie 
erwähnt, seit 1718 doppelte Gallerieen und eine 
gewölbförmige verschaalte Holzdecke. Kanzeln 
und Altäre standen vor der gemeinsamen Tren 
nungswand.
        
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