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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Petri-Kirche. 
König trotz allem Missgeschicke nicht. Gerlach 
machte im Winter 1736 einen Entwurf dazu nebst 
Kostenanschlag, allein ein Jahr darauf, am 17. De- 
cember 1737, erhielt der mittlerweile zum Oberland 
baumeister ernannte Holländer Titus Favre die 
Bauleitung. Für die bedeutenden, erst nach 
mehrmaliger Bevision des Anschlags auf etwa 
50 000 Thlr. herabgeminderten Materialienkosten 
suchte der König die Stadt heranzuziehen, so sehr 
auch der Magistrat sein Unvermögen betheuerte. 
Da sich die Beschaffung der Materialien verzögerte, 
ging man erst Mitte Juni 1738 an die Arbeit 1 ). 
Der Thurmbau war bis zur Höhe der Kirche ge 
langt, als mit dem Tode Friedrich Wilhelms die 
treibende Kraft fehlte. Seitdem ist er in unvol 
lendetem Zustande geblieben bis zu der Brand- 
König Friedrich Wilhelm IV. den Plan für 
einen grossartigen Neubau an Stelle des alten 
Doms gefasst hatte, liess sich die Errichtung 
eines Gotteshauses für die Petri-Gemeinde nicht 
länger mehr hinausschieben. Am 8. Oktober 1844 1844 
schrieb der Kirchenvorstand zur Erlangung von 
Entwürfen einen Wettbewerb aus, in welchem 
Joh. Heinrich Strack als Sieger hervorging. Nach 
seinen vom Stadtbaurath Kreyher für die Aus 
führung bearbeiteten Plänen ist sodann der heutige 
gothische Neubau unter Leitung des Baumeisters 
Dieckhoff, vom Oktober 1846 1 ) bis zur Einweihung 
am 16. Oktober 1852, erbaut worden. 
Beschreibung. Die Reconstruction des Grund 
risses (Fig. 30) der gothischen Petrikirche stützt 
sich auf die oben Abbldg. a) 1. und b) 1. und 2. 
10 o 10 20 30 % foM. 
t-M I I I I I I I I 1 1 —I 1 1 
Fig. 30. 
Grundriss der gothischen 1730 zerstörten Petri-Kirche. (Wiederherstellungs-Versuch). 
katastrophe von 1809. Eine in der Nacht vom 
19. zum 20. September jenes Jahres ausgebrochene 
Feuersbrunst zerstörte die Kirche bis auf die 
Mauern. Zum Wiederaufbau, für welchen Schinkel 
und Catel 2 ) Entwürfe machten, fehlte es in der 
Franzosenzeit an Mitteln, und als man gar nach 
dem Freiheits- Kriege das öde Gemäuer auf Ab 
bruch verkauft hatte, wurde die Unglücksstätte 
dem Boden gleich gemacht und mit Linden be 
pflanzt. Die Gemeinde erhielt ein Unterkommen 
in der Klosterkirche und im Dom. Nachdem 
*) „am 16. Juni (1738) ist der Anfang zum Petri Thurm 
bau gemacht worden“. E. Friedländer, Berl. Garnison Chronik 
1727—39, Heft IX der Schriften d. Berl. Gesch.-Ver. Berlin 
1873. 
-) Entwürfe von Catel finden sich im Ministerium für 
öffentliche Arbeiten. 
verzeichneten Aufnahmen sowie die Beschreibungen 
bei Reinbeck und Küster. Hiernach war der Bau 
eine dreischiffige Hallenkirche aus Backsteinen von 
fünf Jochen im Langhause, einschiffigem, niedrigerem 
Chor von drei Gewölbfeldem und polygonem 
5 / I0 Schluss. Die lichte Länge betrug 63—64 m, 
den Thurm mit eingerechnet, die lichte Langhaus 
breite ca. 17 m. Die über dem Chor sichtbare 
Westwand des Langhauses zierte ein Giebel mit 
Blenden und Fialen, ähnlich demjenigen an der 
Marienkirche. An beiden Langseiten des Schiffs 
treten Kapellenbauten in halbem Achteck vor, von 
denen die nördliche die Sakristei und darüber die 
Bibliothek enthielt; an die südliche schliesst sich 
westwärts die niedrige zweijochige Marienkapelle 
‘) Die Grundsteinlegung fand am 3. August 1847 statt.
        
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