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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Nicolai-Kirche. Kötteritzschsche Kapelle. 
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Wunde strömende Blut in einen Kelch auffängt, 
vorne die lebensgrossen Gestalten, links des Kanz 
lers, seines ihm im Amte nachfolgenden Sohnes 
Christian, eines Knaben und zweier frühverstorbenen 
Kinder in weissen Kutten mit schwarzen Kreuzen, 
gegenüber rechts: zwei noch unerwachsene sowie 
zwei erwachsene Töchter, verehel. v. Kötteritzsch 
und v. Pfuhl mit der Mutter, die der andere Engel 
auf den Erlöser hinweist. — 1744 wurde die Ka 
pelle zu einer Gruft für den Kaufmann Justus 
Sprögel und Familie eingerichtet. Aus dieser Zeit 
stammt die Gruftthür und das Gitter aus Schmiede 
eisen. 
Straubesche Kapelle, westlich an die vorige 
anstossend, mit dem Votivbilde der Auferstehung 
Christi; zu Füssen des Auferstandenen die er 
schreckten Kriegsknechte, im Vordergründe die 
lebensgrossen Porträtfiguren, links des Amts 
kammer-Raths Heinrich Straube, f 1593 und 
seines frühverstorbenen Söhnchens, rechts eine jung 
gestorbene Tochter Anna, daneben Magdalena 
verehel. Moritz und die Mutter Magdalene geb. 
Blanckenfeld. ■— Dem Bilde gegenüber befindet 
sich der Grabstein mit lateinischen Distichen 
(Küster I. 241). An der Kapelle hatte, wie er 
wähnt, der Bürgermeister Johann Tieffenbach die 
dem Andenken seiner Ahnen gewidmeten Todten- 
schilder angebracht, die jetzt im Chor an ver 
schiedenen Stellen hängen. — Die Kapelle gelangte 
durch Kauf vom 2. März 1767 in den Besitz des 
Kriegscommissars Friedrich Francke — aus dieser 
Zeit stammt das Rococo-Gitter mit dem Mono 
gramme -— und 1789 an den Kaufmann Wilhelm 
Oehmigke (Akta der Nicolaikirche). 
Die Kötteritzschsche Kapelle, dem Anden 
ken des kurfürstlichen Raths JohannKötteritzsch 
(t 1609) und seiner Frau Caritas, Tochter des 
Kanzlers Lampert Distelmeier, (f 1615), von ihren 
Kindern errichtet, im Erdgeschosse der südlichen 
Doppelkapelle, bildet mit ihren Epitaphien das am 
besten erhaltene Denkmal aus der Zeit der Spät- 
Renaissance in Berlin. Am Aeussern finden sich, 
auf der sorgfältig wiederhergestellten Putzfläche 
über den Stichbogenfenstern und dem Spitzbogen 
portale mit der Jahreszahl 1610, drei Medaillon 
reliefs mit den Wappen der Kötteritzsch und Distel- 
mcier und einer Allegorie. Den inneren Eingangs 
bogen, unter der Orgelempore, umgibt eine Re 
naissance-Architektur, die nach dem Votivbilde in 
der Kapelle mit der Ansicht der Kirche (Taf. XIII) 
einst noch reicher geplant war. Charakteristisch 
ist die Einfassung der tragenden Theile, als Pi 
laster Bögen und Rippen, mit Rollwerk und 
Knöpfen und Diamantquadern, zu denen Frucht 
gehänge und geflügelte Engelsköpfe hinzutreten 1 ). 
Die Kapelle enthält zwei oblonge Kreuzgewölbe 
mit Rippen, die auf Consolen mit Köpfen und Figuren 
von naturalistischer Bildung aufsitzen. Zu beiden 
Seiten der Ausgangsthür stehen allegorische Gestal 
ten. Die acht Gewölbfelder enthalten Stuckreliefs, 
und zwar über der äusseren Thür: Gesetz und Evan 
gelium, jenes durch den Sündenfall und die Ge 
setzestafeln, dieses durch das Opferblut des 
Lammes und die Gestalt des Heilandes bezeichnet, 
im entsprechenden Felde des Nachbargewölbes das 
jüngste Gericht. Die übrigen Felder behandeln, 
in zum Theil schwer zu deutenden Allegorieen, die 
Vergänglichkeit und Nichtigkeit irdischen Glücks 
und menschlichen Treibens. So sieht man u. a. 
über dem Eingänge aus der Kirche eine Kinder 
figur, die Seifenblasen erzeugt, vor ihr ein Gefäss, 
dem Rauchwolken entsteigen, dem Spruche gemäss: 
Wasserblasen, Rauch und Wind unsres Lebens 
Abriss sind; ferner rechts eine weibliche Gestalt 
mit Schlangenstab, die Verachtung der Welt dar 
stellend, vor ihr am Boden die Sinnbilder irdischer 
Macht, als Tiara, Krone, Kurhut, Helm und Schwert, 
gegenüber eine sinnende männliche Figur am 
Studirtische, auf welchem Tintenfass, Messer, Licht, 
Putzscheere, daneben ein Todtenkopf und Stunden 
glas sich finden, sog. Vanitas, endlich Venus auf 
einer Muschel einherfahrend, von Genien mit Sinn 
bildern auf Delphinen geleitet, als Symbol der 
Eitelkeit. 
Die Kapelle enthält hinter zierlichen Renaissance 
gittern drei von den Kindern des Kötteritzschschen 
Ehepaars gestiftete Epitaphien, links vom Ein 
gänge (Taf. XII) ein Monument aus Sandstein mit 
dem buntbemalten, von Hermenfiguren und Roll 
werk umschlossenen Relief des knieenden Eltem- 
paars: Johannes Kötteritzsch, seiner Frau Caritas, 
sowie eines frühverstorbenen Töchterleins Sabina 
vor der Leidensgestalt des Erlösers. Vorne am 
Boden und im Hintergründe Sinnbilder der Passion. 
Ueber dem Gebälk, in ähnlicher Umrahmung wie 
das untere Relief, ein Engel, der ein Todtengerippe 
niedertritt. Unterhalb des Sockels eine Rollwerk- 
') Ein gleichzeitiges, allerdings weit prächtigeres Denk 
mal dieses Stils ist die Bünau-Kapelle in der Kirche zu 
Lauenstein, von dem Pimaer Meister Lorenz Hornung. Der 
mit diesem Meister abgeschlossene Contract bestimmt aus 
drücklich, dass die Capteichen undt anders von Knöpfen undt 
allerlei Zierde daran von weissen Alabaster desgl. alle Simsse 
durchaus mit Engelsköpfen undt andern geziert werden. Dr. 
Steche: Bau- u. Kunstdenkm. d. Königr. Sachsen II. S. 56.
        
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