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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Nicolai-Kirche. Geschichte. 
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(Küster I. S. 452), ist wahrscheinlich die an der 
Nordseite der Kirche belegene Doppelkapelle, we 
nigstens gehört diese sicher derselben Bauperiode 
an wie die Liebfrauenkapelle und der gleich zu 
erwähnende Umbau des Langhauses. Dieses 
muss, trotz wiederholter Reparaturen, im Laufe der 
Zeit so baufällig geworden sein, dass ein Neubau 
nothwendig wurde, für welchen Bischof Diet- 
1460 rieh von Brandenburg am 7. April 1460 einen 
Ablass erliess mit den Worten: — accepimus ip- 
sam ecclesiam in suis edificiis et structuris ruinosam 
et de/ectuosam fore, sic quod Parochiani predictac 
ecciesine aliique Christi ßdeles in eadem ad divina 
congregati ecclesia non fuerint tuti propter ejusdem 
ecclesiae casum, propter quod proconsules et con- 
sules nec non provisores prefati ipsam intendunt 
dest.ruere novamque reedificare ecclesiam . . . 
Welche Eile man mit dem Werke hatte, ergibt 
sich daraus, dass für jede Art von Handreichung, 
z. B. für das Anfahren von Baumaterial, Beseiti 
gung des Schutts, Ablass verheissen wurde. Der 
Neubau erstreckte sich von den beiden Treppen- 
thürmchen am Chore bis zur westlichen Thurmfront 
und hat anscheinend die Erneuerung sämtlicher 
Gewölbe der Kirche mit einbegriffen. 
Dem Umbaue folgen wieder neue Altarstiftun 
gen; so errichtet die Bäckergilde 1461 einen Altar 
der Maria, Barbara und Dorothea, die Schneider 
innung 1467 einen solchen zu Ehren des Apostels 
Jacobus und des h. Georg, sowie der Jungfrauen 
Barbara und Christine „gelegen iegen deme köre up 
die rechte handt des hogen altares“. 
1469 werden die Einkünfte des „gen dem lcore“ 
belegenen Erasmus-Altars dem neugegründeten 
Domstifte im kurfürstlichen Schlosse überwiesen. 
1479 weiht der Bischof von Brandenburg den der 
S. Wolfgangs-Bruderschaft gehörigen Altar (Fidicin, 
Btrg. III. No. 563 u. 564). Von einem Altäre der 
„irsten missen hinterdem hogen altare in S. Nicolai 
parkerken gelegen“ ist die Rede in einer Urkunde der 
Gebrüder Hoppenrade vom 7. Februar 1481. Wich- 
1482 tiger ist die durch Kurfürst Johann 1482 bewirkte 
Stiftung einer St. Wolfgangs-Bruderschaft und 
zweier Commenden auf dem altar unserer lieben 
Frau und der H. Wolfgang und Leonard hinter 
dem Chore der Kirche. 1487 erschien wieder ein 
Ablassbrief, um Mittel für die Unterhaltung und Aus 
schmückung der Kirche zu beschaffen. Die letzte 
Stiftung zur Errichtung eines Altars scheint die 
der Walburgis, Gattin des Martin Huene, im Jahre 
1504 gewesen zu sein. 
In der Folgezeit wird vielfach von Herstellungs- 
arbeiten in der Kirche und am Thurme berichtet; 
| so wurden 1514 durch Meister Peter Ottner Spitze 1514 
j und Knopf des Thunnes neu aufgesetzt, ferner 
findet sich unter den Thurmknopf - Documenten 
noch folgende Angabe über die Renovirung einer 
unter dem Thurme belegenen Reliquienkapelle: 
item in illo anno (1514) renovata est illa capella 
sub turri . . in qua . . . fuerunt reliquiae, quae 
tarnen honorabili processione ibidem reconditae . . 
(Küster I. S. 258). 
Mit der Yerbreitung von Luthers Lehre schwand 
sehr bald der Eifer für fromme Schenkungen und 
Beisteuern der Gemeinde, so dass es schwer war, 
die Mittel für den Kirchendienst zu bestreiten, ja 
nur die Officianten zu unterhalten, wie denn 1529, 
auf Veranlassung des Kurfürsten und mit Genehmi 
gung des Bischofs Matthias v. Jagow, die Einkünfte 
des Altars trium regum eingezogen und zur Be 
soldung des Organisten verwendet wurden. Die 
Einführung der Reformation endlich, im November 
1539, hatte für die Kirche wichtige Veränderungen 1539 
im Gefolge, indem vieles zum katholischen Kult 
Gehörige, vor Allem die zahlreichen Altäre ent 
fernt wurden und nur der Lettner und der Haupt 
altar mit dem Monstranzenhäuschen erhalten blieben 
(Angelus, Annal. III. 331). Statt dessen füllte 
sich die Kirche mit Monumenten anderer Art, 
da, in Folge der Sitte die Todten in der Kirche 
selbst zu bestatten, die Kapellen im Chor und 
in den Seitenschiffen zu Erbbegräbnissen ein 
gerichtet, mit Malereien und Bildwerken reich ge 
schmückt wurden, die, grösstentheils noch heute 
erhalten, die Nicolaikirche mit der Zeit zu einem 
Pantheon Berliner Geschlechter und zu der vor 
nehmsten Erinnerungsstätte für die geschichtliche 
Vergangenheit Berlins gemacht haben. 
1551 beschädigte der Blitz die Westfront, 1551 
worauf der südliche Thurmhelm und der Giebel 
an dem nördlichen unausgebauten Thurme er 
neuert wurden 1 ). 1584 war jedoch schon wieder 1584 
eine Herstellung nothwendig, die der Baumeister 
Jacob Iloltwin aus Delft ausgeführt haben soll 2 ). 
1559 schmückten die Brüder Hieronymus und Jo 
achim Reiche den kleinen Altar am Aufgange 
zum Chor mit einem Marmorbildwerke. 1563 
wurden der noch jetzt vorhandene Taufstein, 1680 
die heutige Kanzel und 1707 eine neue Orgel 
aufgestellt. Nachdem 1613 3 ) und 1677, wie die ioi3 
*) Fidicin, Btrg. IV. CCXXXI. 
2 ) Vrgl. die vom Frohste Colerus in den Tburmknopf 
gelegten Notizen. Küster I. S. 307. 
3 ) Ein Ziegelstein mit den eingeritzten Worten: laterarius
        
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