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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Nicolai-Kirche. Geschichte. 
für die Berliner Kirchen und die darin von ihm [ 
geweihten Altäre, im folgenden Jahre eignet Mark 
graf Ludwig dem vom Bürger Joh. v. Goerzick 
gestifteten Altäre S. Johannis sechs Hufen Landes im 
Dorfe Schwanebeck zu und bestätigt die Schenkung 
der Gebrüder v. Bode und andrer Berliner Bürger j 
für den Altar der Apostel Simon, Judas und der 
h. Dorothea 1337. 
Die Ausschmückung und Ausstattung der Kirche | 
mit Messgewändern, Glasfenstem, Büchern,Kelchen 
und anderem Kultgeräth erforderte weitere Mittel, 
zu deren Beschaffung wiederholt die Mildthätigkeit 
der Gemeinde in Anspruch genommen werden 
1341 musste. 1341 ist in einem Indulgenzbriefe die 
Rede von einer Kapelle neben der Kirche und wird 
allen Ablass bewilligt, qui ad fabricam, luminaria, 
ornamenta dictae ecclesiae et capellae manus porrexe- 
rint a'djutrices, aut qui vestimenta, libros, calices 
aut quaevis alia dictae ecclesiae et capellae necessaria 
donaverint, seu qui dictam ecclesiam et ejus cemeteria 
aut dictam capellam pro animabus corporum ibi 
jacentium exorando circumiverint. 
1344 wird einer Stiftung für den von der Schiffer 
gilde errichteten Altar des heiligen Kreuzes und j 
der Gründung eines Altars corporis Christi, der 
H. Leonard und Jodocus durch den Ritter Wolde- 
mar v. Mansperg gedacht, 1345 in Ablassbriefen zu 
Gaben für die innere Ausstattung und zu Vermächt 
nissen an die Kirche ermahnt. Hieran schliessen 
sich weitere Schenkungen und Stiftungen, so 1352 
eine Schenkung des Bürgers P. Moscow für den 
neugestifteten Altar der H. Peter und Paul, j 
Michael und Thomas, 1355 eine solche von Mark- [ 
graf Ludwig ad altare gloriosae virginis Mariae et 
triam regum de novo locandum, fundandum et de- 
dicandum. 1367 eignet des Markgrafen Bruder 
Otto dem Altar s. crucis vier Hufen Landes in 
Teltow zu. 
Bald darauf aber hat der bauliche Zustand der 
Kirche einen Umbau erfordert, der mit der An- i 
läge eines neuen Chors aus Backstein, des noch 1 
1379 heute bestehenden, begann. 1379 ruft der Erz 
bischof von Magdeburg die Mildthätigkeit der 
Gläubigen zur Vollendung dieses Neubaues auf: j 
quod ecclesia Parochialis S. Nicolai in Berlin \ 
in structuris et diversis ornamentis magnum de- 
fectum patiatur et vitrici ipsius novum chorum 
ibidem fundaverint et erexerint, quem tarnen 
propter nitniam suam inopiam sine ßdelium eleemo- 
synis minime valeant adimplere . . . 
Der furchtbare, die ganze Stadt verheerende | 
1380 Brand vom 10. und 11. August des Jahres 1380 
hat auch die Nicolaikirche hart betroffen, in Folge 
dessen, auf Veranlassung Pabst Urbans VIII., durch 
den Cardinal Mileus zu Prag ein 100 tägiger Ab 
lass zur Beförderung des Wiederaufbaues (ad refor- 
mationem et reedificationem) ausgeschrieben wurde. 
Wie weit die Erneuerung der Kirche sich erstreckte, 
wissen wir nicht. Vielleicht gehört in diese Zeit 
ein nicht datirter Ablassbrief eines Bischofs Johann 
(II.? um 1390) von Lebus, worin es u. a. heisst: 
cupientes igitur ut ecclesia S. Nicolai confessoris et 
Pontiftcis (!) que est parochia in civitate Berlin 
que eciam de lapide constructa est et adhuc de 
die in diem construitur et melioratur congruis fre- 
quentetur honoribus“ etc. 1 ). Wenn hier der Ausdruck 
eciam de lapide mit „noch von Stein“ übersetzt 
werden kann, so ist wahrscheinlich auf den fort 
währender Reparaturen bedürftigen alten Feldstein 
bau, im Gegensätze zu dem in Backsteinen errichteten 
Neubau des Chors hingedeutet. Ein anderer Ablass 
brief eines Bischofs (Johann III.) von Lebus wurde 
1402 erlassen für alle, welche in der Kirche und 
vor dem Bilde des Hochaltars ihre Andacht ver 
richteten (— qui ante tabulam in summo altari lo- 
catam in honorem dei omnipotentis et b. Mariae vir 
ginis gloriosae et apostolorum depictam devote ora- 
verint ■—). 
Im Jahre 1451 gründete die Schuster- und 
Lohgerber-Gilde einen Altar zu Ehren der Jung 
frau Maria, des h. Andreas, Valentin u. A.; am 
25. Aug. 1452 bestätigte Kurfürst Friedrich II. die 
Stiftung einer von dem Küchenmeister Ulrich 
Zeuschel für die Liebfrauen-Bruderschaft errich 
teten Kapelle bei der Kirche — der noch heute 
bestehenden zweigeschossigen Marienkapclle, 
südlich am Thurrne, deren auch in einem Ver 
mächtnisse des bekannten Parteigängers Frie 
drichs II., Balzer Boytin, im Jahre 1484 gedacht 
wird. 
Von weiteren Stiftungen redet ein Schreiben 
des Bischofs Dietrich von Brandenburg (1459) 
an die Kalands-Bruderschaft, worin die Ge 
bühren für die Visitation der ihnen überwiesenen 
Commenden festgesetzt und die Neugründung von 
Altären Johannis des Täufers, der II. Michael, 
Crispin und Crispinian, Antonius, Ottilie, Elisa 
beth, des Altars corporis Christi, sowie der Ka 
pellen s. crucis, Elisabeth und Katharina erwähnt 
wird. Die Kapelle s. crucis, deren auch das 
Schreiben des Bischofs Arnold von Brandenburg an 
die Kalands-Bruderschaft vom Jahre 1473 gedenkt 
') Rathhäusl. Archiv, abgedruckt bei Fidicin, Btrg. IV. 
XXXII. 
1452
        
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