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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Marien-Kirche. 
Epitaph der Katharina Elisabeth Seidel, geh. 
Weise, + 1677, neben dem vorigen. Die Inschrift- 
platte aus Schiefer, innerhalb reich ornamentirter 
Sandsteinumrahmung, enthält die in Bronze einge 
setzten Wappen der Weise und Seidel. 
Doppelepitaphium hinter dem Chor — die In 
schriftplatte aus Marmor in einem Rahmen von in 
Holz geschnitzten vergoldeten Akanthusranken mit 
Kartuschen und Sinnbildern — zum Gedächtniss 
an Margarethe Mieser, f 1687, (vermählt mit , 
dem Rentmeister Chr. v. d. Linde, nachmals mit 
Joh. Tieffenbach) und ihrer in demselben Jahre 
verstorbenen Tochter, Anna Maria v. d. Linde, J 
verehelichte Ludolff. 
Den bekannten, der zweiten Hälfte des XVII. 
Jahrhunderts ungehörigen Typus von Grabsteinen, j 
mit Rahmen aus vergoldetem Lorbeerblattwerk oder [ 
Akanthusranken mit Genien, Wappen und Sinn 
bildern, vertreten: der Grabstein des Landrent- j 
meisters Chr. v. d. Linde, f 1673 (hinter dem 
Hochaltar) -— eine ovale Sandsteinplatte mit der 
Inschrift auf grünlichem Bronzeton, bekrönt von 
dem von Genien gehaltenen Brustbilde, — die ] 
Epitaphien aus Sandstein: der A. Sibylla Krause 
(n. Xbschff. neben dem Roloffschen Mon.), f 1677, 
des Bürgermeisters Andreas Weber, und des 
Joh. Melchior Leonhard, f 1697, beide im 
nördlichen Nebenschiff. 
Dem Beginn des XVIII. Jahrhunderts gehören j 
drei Grabsteine des Stillerschen Gewölbes an, und 
zwar des Christoph Stiller, f 1716, seiner Frau 
Anna Betz, der Stifterin der Orgel, f 1719 und 
seiner Mutter Rosina Stiller, f 1712. Die reich 
vergoldeten Steine zeigen Gesimsverdachungen und 
Sockelgesimse mit bekannten Sinnbildern, wie 
Todtcnkopf, Stundenglas, Urne, Krone und Rauch- ( 
gefäss. In demselben Raume steht auch der spä- 
teste in der Kirche gestiftete Denkstein: des Eisen 
händlers Müller, f 1811 und seiner Frau A. Doroth. 
Kaur, f 1803. 
Zu den Denksteinen mit Reliefbildnissen j 
in ganzer Figur gehören die drei in den i-echten : 
Pfeiler der Thurmhalle eingemauerten Stein- 
brecherschcn Epitaphien, u. zw. zunächst der 
Thür: 
Denkstein des Lehnsecretairs J.Steinbrecher, 
f 1598. (Fig. 19.) Die ehrwürdige Gestalt ist ganz 
von vorne dai’gestellt, im Mantel mit Halskrause, in 
den Händen ein Buch haltend. Am Mantelsaum 
zwei Wappen; die Umschrift lautet: anno 1598 
den 2. May frühe nach ti Uhr ist in dem Herrn 
seeliglich entschlafen Der Erbahre und Ehrenveste \ 
Herr Joachim Steinbrecher der Elter Churf. Brandb. 
Lehn Secretarius Im Jahr seines Alters des 75; 
daneben Grabstein seiner zweiten Frau, Elisa- 
bethKeller, mit Käppchen, Halskrause und langem 
bis über die Füsse reichendem Mantel, am unteren 
Rande die Wappen, ringsum die Inschrift: anno 
1599 den 4. Septemb. frühe nach 1 Uhr Ist im Herren 
entschlafen die Edle und viel Tugendsahme Frau 
Elisabeth Kellers des Ehrbahren und Ehrenvesten 
Herrn Joachim Steinbrechers Churf. Brand. Lehn 
Secretarii nachgelassene Wittbe 
an der Treppe zur Orgel: die Relieffigur des 
Georg Steinbrecher, Sohnes des vorigen, f 1598, 
mit kixrzem Bart, Halski’ause und Mantel, zu den 
Füssen die Wappen. Die Umschrift lautet: anno 1598 
den 12. aprilis umb 4 Uhr nachmittage Entschlief 
im Herren seeliglich der Ehrenveste Achtbare und 
Wohlgelehrte Herr M. George Steinbrecher seines 
Alters im 37. Jahre. 
Epitaphien mit Reliefdarstellungen. 
1. Kleines Sandstein-Epitaphium (n. Nbschff.) 
mit Pilastereinfassung und Giebelgebälk, enthält 
das Reliefbildniss des Joachim Zerer, f 1543. 
Auf dem Pilaster links steht: anno MCCCCCXLIII, 
rechts III. Non. Januarii. Am Giebel ein Todten 
gerippe, an der Predella die Distichen: 
Quam cito difugiunt humanae tempora vitae 
en modo qui vivis annumeratus eras 
hic Joachime jaces Zeraeri morte solutus 
nos quoque sic omnes terra caduca sumus. 
Sandstein-Epitaphium des Advocaten Jacob 
Flaccus, f 1562, und seiner Frau Magdalene 
Engel, f 1560, von ihren Söhnen gesetzt, eine 
gute, leider beschädigte und in zwei Theile zer 
sprungene Arbeit 1 ), urspininglich aixi Pfeiler rechts 
vom kleinen Altar, jetzt in der S.-O.-Ecke des 
südl. Nebenschiffes. Der obere tabemakelförmige 
Theil mit Resten der ursprünglichen Bemalung 
enthält im Giebelfelde Gott Vater, darunter das 
Relief: Chi'istus am Oelberge, vor ihm der Engel 
mit dem Kreuze, der schlafende Petrus, im 
Hintei’grunde die Häscher. Am Friese die er 
klärenden Worte: es erschien im ein eng. der sterclc in. 
Das untere malerisch behandelte Relief — einge- 
l’ahint durch Halbsäuleix mit ihrem Gebälk, auf 
welchem die auf die obei-e Scene hinweisenden 
Worte stehen: Vater wiltu so nim diesen Kelch 
von mir — stellt dar die Abendmahlsfeier in 
einem Saale mit von Zuschauern gefüllten Gallerien. 
') Abgebildet in der L. Müllerschen Sammlung des Kgl. 
Kupferst.-Cab. Bd. IV.
        
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