Path:
Zur Geschichte Berlins 1. Berlin im Mittelalter

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

12 
Einigungsvertrag von 1307. 
Köln. Erinnert man sich, dass die Kaufmannschaft 
treibenden Bürger die oberste Stelle im Gemein 
wesen einnahmen, die Gilde der Kaufleute also 
die Patrizierschaft mit in sich fasste, so folgt 
daraus, dass die Regierung der beiden Städte 
eigentlich schon in der Hand einer und derselben 
Genossenschaft lag. 
Die neue Verfassung gab nun das bisherige, 
auch in anderen Doppelgemeinden übliche Ver 
fahren der getrennten Kollegien, die nur für ge 
meinsame Angelegenheiten zusammentraten, auf 
und bildete einen einzigen Rathskörper für beide 
Städte, der die Verwaltung beider zu führen 
hatte. Dabei blieb indessen ihr Vermögen und 
ihr Haushalt getrennt, nur die Leistungen für den 
Landesherrn sollten durch Schoss gemeinschaftlich 
aufgebracht werden. Nach der alten Verfassung 
bestimmte das die Regierung niederlegende Raths 
kollegium durch eigene Wahl seine Nachfolger im 
Amte. Diese Ordnung wurde nicht aufgehoben, 
aber um das richtige Verhältniss der Vertreter aus 
beiden Städten im neuen Kollegium zu wahren, 
festgesetzt, dass darin zu zwei Dritteln Berliner 
und zu einem Drittel Kölner sitzen sollten. Da 
indessen hiermit die Berliner bei weitem die 
Mehrzahl bildeten und die Stimmenmehrheit ent 
schied, so lag es in ihrer Macht die Vorschrift 
später ausser Acht zu lassen und so viel Berliner 
in den Rath zu bringen, als sie wollten. Desshalb 
sagt auch die Verfassungsurkunde „die Berliner 
sollen sich nicht weigern, den dritten Theil der 
Rathmannen aus Köln auszuwählen“. Das Ver 
fahren trug offenbar den Keim zu Zwistigkeiten 
in sich. Die Vereinbarung, wiewohl feierlich 
verbrieft, war nur von kurzer Lebensdauer. 
Schon 1311 begegnen wir in Berlin wieder 
einem besonderen Rathe, der aus 12 Mitgliedern 
bestand. In der nächsten kölnischen Urkunde, 
die uns überliefert ist, von 1325 findet sich 
auch die Universitas consulum von Köln. Dem 
nach hatte also jede Stadt wieder ihr besonderes 
Rathskollegium und ihre besondere Verwaltung. 
Die gemeinsamen Angelegenheiten, die an Umfang 
und Bedeutung Zunahmen, wurden in der Weise 
erledigt, dass die vollständigen Rathskörperschaften 
beider Städte zu gemeinsamen Beschlüssen zusam 
mentraten. Dieses Kollegium besass auch die Be- 
fugniss, für beide Städte gemeinsames Vermögen 
zu erwerben. Zu den gemeinschaftlichen Ausgaben 
steuerte Köln ein Drittel und erhielt von der Ein 
nahme ein Drittel. Bei diesem Verfahren in gemein 
schaftlichen Geschäften ist man bis 1709 geblieben. 
Nach dem Versuche von 1307, eine einheit 
liche Verwaltung herzustellen, scheint die Ver 
fassung der beiden einzelnen Stadtgemeinden ihren 
Abschluss gefunden zu haben in der Form, wie 
sie sich dann bis zum Jahre 1432 erhielt. Bei 
einer kurzen Betrachtung werden wir die ursprüng 
lichen Einrichtungen, mit Ausnahme des Gerichts 
wesens, ohne wesentliche Veränderung wieder 
finden. Eine Verschiebung in den Rechten der 
ursprünglichen Elemente der Bürgerschaft, wie 
dies so häufig in den Städten des westlichen 
Deutschlands der Fall war, hatte nicht statt 
gefunden, jeder Stand entwickelte sein Recht in den 
ihm von vorn herein [angewiesenen Grenzen. 
Der Rath bestand in Berlin aus 12 Mitgliedern, 
in Köln wahrscheinlich aus sechs 1 ). Er vertrat 
die Stadt und verwaltete sie als Obrigkeit. Es 
scheint, dass der Eid der Rathmänner den Gehor 
sam gegen die Landesherrschaft oder Grundherr 
schaft nicht forderte, sondern sie nur verpflichtete, 
die Wohlfahrt der beiden Städte im Auge zu 
haben. Man nahm also an, dass der Huldigungs 
eid den Gehorsam der Stadtgemeinde gegen die 
Herrschaft genügend ausdrücke. Die Befugniss 
des Schultheissen zur Eidesabnahme muss schon 
im 13. Jahrhundert ausser Gebrauch gekommen 
sein. Unter den zwölf berliner Rathspersonen 
(Rathmannen, consules) hatten zwei die Führung 
unter dem Namen Olderlude, seniores electi, Bür 
germeister (so zum ersten Male 1349), von den 
Rathmannen selbst aus ihrer Mitte hierzu erwählt * 2 ). 
Die zwölf Rathsmitglieder traten am Jahresschlüsse 
zurück und bestimmten zwölf Nachfolger für sich, 
wurden aber bei wichtigen Geschäften zur Be 
schlussfassung zugezogen. Die Körperschaft nannte 
sich dann alter und neuer Rath oder auch immer 
währender Rath. Zu diesen wichtigen Geschäften 
gehörte der Erlass allgemeiner, bestehende Ein 
richtungen abändernder Verordnungen, der Ab 
schluss bedeutenderer Kauf- und anderer Vertrüge 
für die Stadtgemeinde. Soz.B.liessTile Brücke 1391 
das Gericht „dem immerwährenden Rathe“ auf. 
Es muss der heutigen Vorstellung als eine 
sehr unzweckmässige Art der Verwaltung er 
scheinen, wenn die damit betrauten Personen von 
Jahr zu Jahr wechselten. Aber in Wirklichkeit 
trat ein Wechsel der Behörde nicht ein. Die 
zurücktretenden zwölf Rathmannen nämlich be 
stellten sich jedesmal das alte Kollegium, das sie 
’) Ueber das kölnische Gemeinwesen geben uns auch 
in dieser Zeit die Urkunden wenig Aufschluss. 
2 ) Der kölnische Rath hatte nur einen Bürgermeister.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.