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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Marien-Kirche. 
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gliederte, durch einen hässlichen Entlastungsbogen 
entstellte Abschlussgiebel des Langhauses, ober 
halb des Chors. An der Nordseite des Chors, in 
Gesimshöhe, sitzen drei vielleicht für einen Lauf 
gang eingefügte Sandsteinconsolen. Das Mauer 
werk der Kirche ist späterhin mit einem rauhen, 
wenig haltbaren Putzbewurf versehen; an den 
Strebepfeilern des Chors bemerkt man glatten 
Putz mit vertieften Feldern, die Fensterlaibungen 
zeigen gleichfalls glatten Putz mit quaderförmiger 
Fig. 15. 
Thurmspitze der Marion-Kirche. 
Einfassung. — Der Verband ist der gothische, d. h. 
abwechselnd zwei Läufer und ein Binder. Die 
Ziegel sind 28 cm lang, 13—13,5 cm breit und 
9 cm stark. 
Der Thurm besteht aus ganz unregelmässigem, 
auf Verputz berechnetem Feldstein-Mauerwerk, 
Portal und Sockel aus Magdeburger Sandstein, 
die Gewände und Pfosten der Maasswerkfenster 
aus Backstein, die beiden obersten Stockwerke 
endlich, ein naiver gothischer Versuch von origi 
nellem Umriss (Fig. 15), aus Holz mit Kupfer 
verkleidung und Vergoldung der decorativen 
Theile. 
In das Innere führten, ausser dem Thurmportale, 
an der Nordseite das jetzt vermauerte Granitportal, 
an der Südseite ein ebenfalls vermauerter Eingang, 
westlich von dem grossen Anbau, endlich noch heute 
ein Spitzbogenportal mit gegliederten Laibungen 
innerhalb der Vorhalle neben der Sakristei. — Die 
achteckigen Pfeiler mit vorgelegten, halbrunden 
Diensten, sowie die Basen (aus Sandstein) gleichen 
denen in St. Nicolai; im Chor finden sich halb 
runde Dienste und rechteckige Gurtbogenvorlagen 
mit Rundstäben an den Kanten. 
Die jetzt durch eine Glaswand abgeschlossene 
Thurmhalle, in der Mitte mit einer Holzdecke be 
deckt, an den Seiten mit Netzgewölben zwischen 
ungefügen Pfeilermassen, stand einst durch drei 
Bogenöffnungen in Verbindung mit dem Lang 
hause, dessen anstossende Joche in den Neben 
schiffen auch die gleichen Netzgewölbfonnen auf 
weisen. 
Denkmäler. Wandmalereien: Das 1860 
unter der Tünche wiederentdeckte, von dem Maler 
Fischbach geschickt wiederhergestellte Todten- 
tanzbild, welches sich in einer Länge von 
r. 22,60 m und einer Höhe von nahezu 2 m, 
am Eingänge beginnend, friesartig an der linken 
Innenwand der Thurmhalle herumzieht bis zum 
Eingänge ins Langhaus, ist ein durch Inhalt wie 
Darstellung bedeutsames Denkmal mittelalterlicher 
Malerei 1 ). -—- Das Bild zerfällt in zwei durch 
die Kreuzigungsgruppe geschiedene Hälften von 
je 14 Figuren (ohne die Figuren des Todes), die 
durch die beigefügten Verse in niederdeutscher 
Mundart gekennzeichnet sind. 
Die erste Hälfte (Fig. 16) enthält die Personen 
geistlichen Standes, die andere die Laien; eine 
jede besteht wieder aus Gruppen von — die Tode, 
mit eingerechnet — je sechs oder zwölf Figuren. 
Den Anfang macht der Franziskaner-Mönch auf 
der Kanzel, zu seinen Füssen hocken zwei höllische 
Thiergestalten, von denen die eine auf der Sack 
pfeife dem Todtenreigcn aufspielt. Diesen beginnt 
die jugendliche Gestalt des Küsters; die darauf 
folgenden Figuren des Todes, eines Geistlichen, 
') Akta, betr. Gemälde in der Nieolaik. u. Marienk. — 
W. Lübke, Der Todtentanz in der Marienk. Berlin 1861, mit 
Abbildungen und Angabe der Ergänzungen. — Th. Prüfer, 
Der Todtentanz in der Marienk. Berlin 1883, mit 4 farbigen 
Lithogr. nach Durchzeichnungen über dem Original. Der 
Text der Reimzeilen vollständiger als bei Lübke.
        
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