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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Marien-Kirche. Beschreibung. 
verrauthlicli der Gründungszeit, dem letzten Viertel 
des XIII. Jahrhunderts, zuzuschreiben ist, samt der 
Sakristei der Bauthätigkeit um 1340 angehören 
wird. Nach dem Brande von 1380 hat sodann 
eine Wiederherstellung beider Bautheile stattge 
funden. Ins XV. Jahrhundert fällt der Massivbau 
des Thurmes, der jetzt die Eckstrebepfeiler des 
Schiffs zum Theil überdeckt. Mit dem Thurme 
hing auch die Verlängerung und neue Einwölbung 
der anstossenden Traveen des Langhauses, welche [ 
die gleichen Gewölbbildungen zeigen wie die j 
Thurmhalle, zusammen. Das Sandstein-Portal am 
Thurme gehört vielleicht erst der Wiederherstellung 
vom Jahre 1514 an. 
Die Marienkirche (Fig. 14) besteht aus dem 
Westthurme von 24,10 m äusserer Breite, dem j 
dachter Raum, die Simonsche Begräbnissstätte, 
mit kunstvollem schmiedeeisernem Gitterthor und 
vergitterten Fensteröffnungen. Westlich grenzt an 
die Sakristei das Stillersche Erbbegräbniss und 
ein Vorraum mit einer Emporen treppe, dann folgt 
der grosse Anbau vom Jahre 1729. Dieser dient 
jetzt als besonderer, durch Glaswände abschliess- 
barer Betsaal. Anderweitige Anbauten, darunter 
eine Todtengräberwohnung an der Südseite des 
Thurmes, die jetzt beseitigt sind, klebten an den 
Kirchenmauern und verunzierten das Aeussere, wie 
sie dem Innern Licht entzogen. 
Chor und Langhaus sind Backsteinbauten auf 
Feldsteinsoekel mit einfachem Plinthengesims aus 
Sandstein, das aber an beiden Bautheilen verschie 
den ist. Beim Chor folgen auf die Plinthe drei 
Fig. 14. 
Grundriss der Marien-Kirche. 
dreischiftigen Langhause, in Form einer Hallen 
kirche von sechs Jochen und dem einschiffigen, 
ca. 10'/ 2 m breiten Chor mit einfacher Chorvor 
lage und Schluss in fünf Seiten des Zehnecks. 
Die gesamte lichte Länge der Kirche, die Thurmhalle 
mit eingerechnet, beträgt r. 77 m, die Breite des 
Langhauses 21,20 m. An der Nordseite, im Winkel 
zwischen Chor und Langhaus, befindet sich das 
Sparrs-che Erbbegräbniss, dessen oberer Raum 
jetzt theilweise zur Bibliothek eingerichtet ist, weiter 
westlich, in der Nähe des Thurms, lag das jetzt 
nicht mehr vorhandene v. Platensche Erbbegräb 
niss. An die Südseite des Chors lehnt sich ein 
von dem Präsidenten des Stadtgerichts, Joach. Chr. 
Lüdke (fl 736), errichtetes Erbbegräbniss; zwischen 
diesem und der Sakristei ein dreieckiger, einst be- 
Granitquaderlagen von 0,85 m Höhe in sorgfältiger 
Technik, während am Langhause der Feldstein 
unterbau bis durchschnittlich 2 3 / 4 Meter hinauf 
reicht und, untermischt mit Ziegelbrocken, da 
runter Dachsteinen, von geringerer Ausführung 
ist. Die Strebepfeiler des Chors zeigen ein ein 
faches Kaffgesims mit Eckstücken aus Sandstein, 
kleine Giebel mit Kreuzblumen (Sandstein) in 
mittlerer Höhe, und ursprünglich eine dachförmige 
Abdeckung. Die Strebepfeiler am Langhause sind 
zweimal abgetreppt mit schräger Abdeckung. 
Sämtliche Fenster enthalten einfaches Stabwerk 
und, mit Ausnahme des vierten Fensters im Süden, 
nur glatte, abgeschrägte Laibungen. Reicher be 
handelt sind nur die Giebel der Sakristei, mit 
Blenden zwischen Fialen, und der ähnlich ge
        
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