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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Marien-Kirche. Geschichte. 
1417 (am 10. April) überlässt Jacob Litzen zu 
Falkenberg dem ßathe von Berlin das Patronat 
über den von seinen Voreltern gestifteten Altar 
Johannis Evang., des b. Bartholomäus und der h. 
Agathe. — Um diese Zeit muss der Bau des 
Westthurm es der Kirche, der, wie der Augen 
schein lehrt, nachträglich an das Langhaus ange 
fügt ist, in Angriff genommen worden sein, denn 
1418 am 20. Aug. 1418 verpflichteten sich die Vor 
steher der Kirche zur jährlichen Zinszahlung von 
4 Schock Groschen von einem Kapital von 50 
Schock Groschen, das sie zum Thurmbaue ver 
wendet hätten. 
In das XV. Jahrhundert fällt wieder eine grös 
sere Anzahl von Stiftungen für die Kirche. — 
1420 entscheidet Kurfürst Friedrich I. einen Streit 
zwischen Heinrich v. Schlieben und den Herrn 
v. Belitz über die Einkünfte des Altars des h. 
Sigismund 1 ). 1422 (22. Oct.) erfolgt die Stiftung 
eines Altars der h. Barbara, Adelgunde, Brigitte 
und des Apostels Jacobus durch Wilke Makeprank 
1437 und seine Ehefrau Barbara. 1437 erhält die Kirche 
den noch heute wohlerhaltenen Taufkessel. 
Wie an St. Nicolai, so hatte auch in der Marien 
kirche die Liebfrauen-Bruderschaft eine Altar 
stiftung, und am 6. December 1442 verheisst der 
Bischof von Brandenburg allen denen Ablass, 
welche den Messen dieser Bruderschaft in der 
Kirche beiwohnten. 
In einem Schreiben des Bischofs Theodorich 
von Brandenburg an den Kaland vom 20. Sept. 
1459 geschieht der neu geweihten Altäre der 
Apostel Jacobus und Andreas Erwähnung, und 
1466 wird von demselben Bischöfe eine Schenkung 
des Berliner Bürgers Joh. Schulte für einen Altar 
der h. Dreieinigkeit, der Jungfrau Maria und ver 
schiedener Heiligen bestätigt. — Im Jahre 1469 
überweist Kurfürst Friedrich II. dem von ihm in 
der Erasmus-Kapelle des Schlosses neugegründeten 
Domstifte die Einkünfte des „under dem forme“ 
belegenen Altars des h. Sigismund, samt denen 
des Erasmus-Altars in der Nicolaikirche. 
1480 1480 (7. Jan.) leihen die Vorsteher der Kirche 
zur Beschaffung einer neuen Glocke von der Ka- 
landsbruderschaft gegen 5 °/ 0 Zinsen: 100 rinisclie 
gülden die wy in des obgenanten gadeszliuss beste 
’) Da dieser Altar als under dem lorme gelegen be 
zeichnet wird, muss dazumal die Thurmhalle bereits ausge 
baut gewesen sein. 
Derselbe Kurfürst nahm im Jahre 1420 der Kirche ihre 
alten Glocken, um Geschütze daraus giessen zu lassen. (Oel- 
richs Btrg. z. brandenb, Gesch. S. 128.) 
J unde nutt gekeret unde gewandt nemlich spyse thur 
nyen klocke dorumme gehofft hebben .... — 1481 
| erhält der Kaland vom Bischöfe Arnold von Bran 
denburg die Einkünfte des Erasmus-Altars über 
wiesen und 1489 durch den Kurfürsten Johann 
das Patronat über den Marien-Altar. 
Der Bau des Thurmes muss selbst um jene 
Zeit noch nicht vollendet gewesen sein und die 
Beschaffung der Glocken auch längere Zeit er 
fordert haben, denn noch am 29. April 1490 for 
dert Bischof Joachim von Brandenburg in einem 
Ablassbriefe zu Beisteuern für den Thurm und 
den Guss der Glocken auf, mit den Worten: 
.... sicut accepimus vitrici et provisor es ecclesie 
gloriosissime Marie virginis Anne matris eius et 
Mauricii martiris in Berlin novam turrim in parte 
edificatam constituere atque perficere novamque cam- 
panam aplicam (?) comparare proponunt .... 
1508 am 24. Juni überlässt die Marienbruder 
schaft ein ihr gehöriges Haus dem Altar der Maria 
und der H. Fabian und Sebastian. 
Ungefähr ein Jahrhundert war seit dem Neu 
baue des Thurmes verflossen, als derselbe, am 
7. Oktober 1514 1 ), in Folge eines durch Fahr 
lässigkeit entstandenen Feuers inwendig ausbrannte, 
so dass die Glocken zerschmolzen und das ganze 
Kirchendach mit zerstört wurde. 
Mit der Einführung der Reformation in der 
Mark, im Jahre 1539, wurden die Kirche dem pro 
testantischen Kult übergeben, die Messaltäre be 
seitigt und deren Einkünfte, wie schon 1538 mit 
dem Maria Magdalena-Altar geschehen war, zur 
Besoldung der Schulbedionten, Geistlichen und 
Organisten eingozogen. 
Aus den 1657 in dem Thurmknopfe gefun 
denen Nachrichten ergibt sich für die Geschichte 
der Kirche, dass im Jahre 1536 eine neue Thurm 
spitze mit vergoldetem Knaufe errichtet wurde, 
u. zw. nach der Chronik des Posthius, der aber 
das Jahr 1538 angibt, mit Benutzung des IIolz- 
werks vom alten runden Thurme neben der langen 
Brücke. 1568 setzte man einen neuen Knopf auf. 
1613 bedurften der Westthurm und der Dach 
reiter abermals einer Reparatur und Eindeckung 
und gleichzeitig erfolgten im Innern der Kirche 
mannigfache Veränderungen durch Verlegung des 
Taufkessels 2 ), Beschaffung neuer Kirchenstühle, 
’) Haftiz, Microchron. gibt den 7. Oktob. 1518 als Datum 
an. Riedel cod. dipl. IV. Band I. 
2 ) Das Taufbecken stand wahrscheinlich, wie in St. Nico 
lai, ursprünglich nicht im Chor, sondern nahe dem west 
lichen Eingänge. 
1490 
1514 
1536 
1613
        
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