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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Jerusalemer Kirche. 
stein-Statuen der Apostel von Ebenhecht, mit 
ihren Attributen, in stark bewegten Stellungen mit ; 
auffallend grossen Händen, was sich daraus er 
klärt, dass diese Figuren für die Laterne der 
Kuppel gearbeitet und bestimmt waren, über den 
12 Säulen derselben aufgestellt zu werden, somit 
hauptsächlich als Silhouetten zu wirken 1 ). 
In der Herz-Jesu-Kapelle, am linken Säulen- 
Paare: Marmor-Relief-Platte für die 1782 verstor 
bene Gräfin v. Harscamp verw. Gräfin von 
Blumenthal, 1789 von Tassaert gearbeitet 
(Nicolai). Ueber der Inschrift das Reliefbrustbild , 
der Verstorbenen, welche Oberhofmeisterin der 
Prinzessin Heinrich v. Preussen gewesen war. 
Im Bodenraum über der Vorhalle sind mehrere 
alte und neuere Gemälde, zumeist beschädigt und 
in verwahrlostem Zustande, untergebracht. Erwäh- 
nenswerth und einer besseren Behandlung würdig 
ist darunter ein ehemaliges Altarbild der Geburt 
Christi von A. Pesne. Die Mitte nimmt Maria und 
das Kind, das von Licht umflossen in der Krippe 
liegt, ein, links davon der Nährvater, rechts eine 
anmuthige weibliche Gestalt aufKnieen, einen Korb 
mit Tauben haltend, im Hintergrande die Engel- 
schaaren. — Von Gagliari soll eine in grauen 
Tönen gemalte lebensgrosse heilige Hedwig (in 
Nonnentracht auf Knieen vor dem Crueifix) her 
rühren. 
Jerusalemer Kirclie. 
Literatur: 1. Küster II. S. 632. — 2. Chronik der Jerusalemer Kirche: Msc. der Rathhaus-Bibliothek. — 
3. Ueber den letzten Umbau: Deutsche Bauzeitung XIV. Jhg. 1880. No. 39. 
Abbildungen: 1. Aufriss, Grundriss und Querschnitt. 3 Blatt gest. von Job. Georg Ringler (Haered. Jerem. Wolff). — 
2. Veduten der Schleuenschen Pläne. 
Geschichte. Die Jerusalemer Kirche liegt 
am östlichen Ende der Kochstrasse, in dem durch 
den Zusammenstoss der Jerusalemer- und Linden 
strasse gebildeten Winkel. Die Sage führt die 
Gründung der Kirche auf einen Berliner Bürger i 
Müller zurück, der, auf der Wallfahrt zum heiligen 
Grabe in Jerusalem von Krankheit befallen, für 
seine Genesung die Stiftung einer Kapelle gelobte. 
Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in 
1484 einem Ablassbriefe vom 18. Oktober 1484, den 
auf Veranlassung des Grafen Eitelfritz von Zollern 
fünf Bischöfe zu Gunsten der von Grund aus neu er 
bauten Kapelle erlassen hatten. Darin heisst es u. a. | 
.... cum itaque pro parte generosi et nobilis viri 
IdelfridericP), Domini et Comitis de Zollern, \ 
provisoris principatus Crossnensis, Zulinemis et 
‘) Unter den Rechnungs-Nachweisen der Bau-Commission, | 
welche der Oberrechenkammer vorgelegt wurden, findet sich 
ein dem Bildhauer Ebenhecht ausgezahlter Betrag für Anferti- | 
gung der für die Laterne bestimmten Apostelstatuen. 
s ) Der Graf Eitelfritz von Zollern, ein Vetter des Kur 
fürsten Albrecht Achilles, verwaltete die Herrschaften Crossen 
und Züllichau, welche, nach langen Streitigkeiten zwischen 
Brandenburg, dem Könige Matthias Corvinus von Ungarn und 
dem Herzoge Hans von Sagan, der Kurfürst im Frieden von 
Kamenz (1482), vom Ungarnkönige als Lehen und zum Unter 
pfand für eine seiner Tochter Barbara, Wittwe des letzten 
Herzogs von Glogau-Crossen (f 1476), zugesprochene Ent- j 
schädigungssumme erhielt. 
j provincie Caputsensis informati didicimus, capellam 
quandam prope et eoctra civitatem Coloniensem apud 
Sprevam Brandenb. Diocesis in honorem Dei omni- 
potentis sueque genetncis Marie semper virginis, 
sancte crucis atque beatorum Fabiani et Sebastiani 
a fundamentis noviter erectam et Deo dicatam . . . 
Diesen letzten Worten nach muss die Kapelle kurz 
zuvor errichtet worden sein. 
Im Jahre 1671 eignete der grosse Kurfürst die 1671 
Kapelle nebst einem Häuschen, wozu, einem Be 
richte 1 ) vom Mai 1691 zu Folge, einige Stücke 
Ackers, vor dem Leipziger Thore gelegen, gekauft 
wurden, dem Rath des Friedrichswerder zu, nach 
dem dieser seine Absicht kundgegeben hatte, 
dort ein Spital anzulegen. Da aber die Ausfüh 
rung dieses Planes auf sich warten liess, nahm 
sich 1680 der kurfürstliche Rath Johann Martiz igso 
der Sache an, liess die zuletzt unbenutzt gebliebene 
Kapelle erneuern, den Kirchhof um dieselbe ein 
friedigen und errichtete endlich auf dem am 
24. August 1679 von der Wittwe Reichenau ge 
kauften Grundstücke ein Wittwen- und Waisen 
haus für acht Insassen, das er auskömmlich aus 
stattete * 2 ). 
') G. St. A. Rep. 21, 191 c. Friedrichswerder. 
2 ) Ueber die Auseinandersetzung des Raths vom Friedrichs 
werder mit den Martizschen Erben vgl. Küster II, S. 636.
        
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