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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Gertrauden-Kirche. 
Gertrauden-Kirche auch Spittel-Kirche genannt. 
Literatur: 1. Küster II. S. 696ff. — 2. L. Frege: Kurze Geschichte der St. Gertrauden-Kirche. Berlin 1834. 
Abbildungen: 1. Der alten und der 1739 umgebauten Kirche auf den Veduten der Schleuenschen Stadtpläne. — 
2. Photographische Aufnahme des Zustandes vor dem Abbruch (1881) in den Sammlungen der Rathhaus-Bibliothek. — 3. Eine 
Ansicht des alten gothischen Bauwerks gibt Stridbecks Aquarelle. 
Die ehemalige Gertraudenkapelle vor dem 
gleichnamigen Thore des alten Köln, auf dem 
heutigen Spittelmarkt, daher im Volksmunde auch | 
Spittelkirche geheissen, war nach einer von Küster 
1405 mitgetheilten Bauinschrift im Jahre 1405 gegrün- I 
1411 det und am Trinitatistage 1411, zu Ehren der 
Heiligen Matthäus, Bartholomäus, Elisabeth und 
Gertrudis, eingeweiht. Mit der Kapelle war ein j 
Stift verbunden, das, angeblich zunächst für ade- j 
lige Jungfrauen bestimmt, nachmals zu einem 
1474 Hospital umgewandelt wurde. 1474 stiftete der [ 
Rath von Köln in der Gertrudenkirche, wie sie in 
der Urkunde heisst, eine Commende und stellte 
1573 hierfür einen eignen Messpriester an. — 1573 
wurde einer Inschrift an der Kirchhofsmauer zu | 
Folge (Küster a. a. 0.) der Kirchhof vergrössert, 
mit einer Mauer umgeben, auch der „neue Wendel- 
stein“ an der Kirche gebaut, vermuthlich der kleine, 
an die Nordseite angelehnte Treppenthurm. Beim ; 
Niederbrennen der Kölner Vorstadt im Jahre 1641 
fiel auch das Spital der Zerstörung anheim, ist 
jedoch bald darauf (1646) durch die Wittwe des ( 
kurfürstlichen Oberförsters und Amtsraths A. Frei- i 
tag wieder aufgehaut worden. 1648 bitten die 
Vorsteher des Spitals und der Kapelle den Kur- | 
fürsten Friedrich Wilhelm, ihnen das heim Umhau 
der Gemächer im Schlosse zu Köln übrig bleibende 
Baumaterial zur Erbauung einer Mauer um den 
1670 Kirchhof zu überlassen. 1676 erhielt die Kapelle 
einen eignen Prediger, während bis dahin der 
Gottesdienst von den Geistlichen der Petrikirche 
17J1 mit besorgt worden war. 1711 fand eine Wieder 
herstellung statt. 
Die alte gothische Kapelle bildete ein Rechteck 
von 3 Gewölbjoclien mit polygonem Chorschluss 
in drei Seiten des Sechsecks. Ihre Länge betrug 
etwa 50 Fuss (15 3 / 4 m), die Breite 30 Fuss 
(9,40 m). An der Westseite lag, vor dem mit 
Fialen geschmückten Ziergiebel, ein schmaler 
Thurm ohne Kunstformen mit einfachem Portal. 
Ein zweites, von einem Giebel umrahmtes Portal 
befand sich an der nördlichen Aussenseite. Da 
mit der Zeit Kirche und Spital baufällig, überdies 
räumlich unzulänglich geworden waren, ordnete 
Friedrich Wilhelm I. 1739 einen Neubau beider 1739 
an und bewilligte dazu 6000 Thlr. Die Arbeiten 
begannen sogleich unter Favres Leitung nach 
Dieterichs 1 ) Zeichnungen und wurden noch in 
demselben Jahre vollendet * 2 3 ), wenigstens gilt dies von 
dem neuen Frontthurme, bei dessen Abbruch 1833 
sich in den Knopfeinlagen die Nachricht befand, 
dass Thurm und Kirche auf Seiner Königlichen 
Majestät Kosten reparirt und fast von Grund auf 
neu erbauet worden nebst vielen in der Nähe be 
findlichen Häusern. Auch die Wetterfahne zeigte 
die Jahreszahl 1739. Zu gleicher Zeit fand ein 
Umbau des Spitals Statt, das bereits am 9. Oktbr. 
1739 durch Probst Reinbeck neu eingeweiht wer 
den konnte. 
Der Umbau der Kirche geschah in der nüch 
ternen, an den Kirchenbauten jener Zeit herkömm 
lichen Barockformen, bewirkte aber gleichzeitig 
eine Vergrösserung des Bauwerks. Zunächst wurde 
der Frontthurm erheblich erhöht, sodann an den 
Langseiten kurze Querschiffflügel und auch an 
den Chor ein rechteckiger Anbau angefügt, die 
alten Strebepfeiler erhielten die Gestalt gequa- 
derter Mauervorsprünge, an Stelle der Spitz 
bogenfenster trat, der Emporenanlage im Innern 
entsprechend, eine obere und untere Reihe von 
Stichbogenfenstern. In diesem Zustande blieb die 
Kirche, von geringfügigen Reparaturen 1777 und 
1790 abgesehen, bis 1833 3 ), in welchem Jahre durch 
Schinkel ein Umbau in bescheidenen Grenzen zu 1833 
Stande kam. Der Thurm wurde beseitigt und 
') Nicolai S. 139. 
2 ) Nicolai (S. 139) gibt hierfür und für den Umbau 
des Hospitals irrthümlich das Jahr 1734 an, Küster das Jahr 
1744, in welchem Friedrich II., zur Erledigung der Abrech 
nung, der Kirche 1000 Thlr. und dem Spital ein Legat von 
2000 Thlr. Gold zuwies. 
3 ) 1819 und 1820 hatte Schinkel Entwürfe zur Errich 
tung eines gothischen Doms auf dem Spittelmarkt machen 
müssen, hielt aber schon damals den Platz für ungeeignet 
für ein derartiges Bauwerk, das er vielmehr auf den Pots 
damer Platz zu setzen vorschlug. Die Entwürfe befinden 
sich in Mappe XXIV b. 4 des Schinkel-Museums.
        
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