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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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G-eorgen-Kirche. 
Georgen-Kirche. 
Literatur: 1. G. Küster II. S. 685. — 2. Beckmann: Msc. der Rathhaus-Bibliothek. — 3. Langbockei' 
Geschichte der St. Georgen-Kirche in Berlin 1827. — 4. Klein: Die Hospitäler zum h. Geist und St. Georg zu Berlin 1835. — 
5. W. Wegner: Geschichte der St. Georgen-Kirche und -Gemeinde. Festschrift 1889 mit Abbildungen. 
Abbildungen: 1. Ansicht nach den Umbauten von 1704 und 1713 unter den Veduten des Schleuensehen und 
Waltherscken Planes 1766. — 2. Kleine Ansicht v. J. 1797. Stich im Verlage von Simon Schrop. 
Die Georgenkirche vor dem ehemaligen Georgen- 
thore. zwischen der Neuen Königsstrasse (der 
einstigen Bernauer Landstrasse) und der Lands 
berger Strasse belegen, ist aus der alten, mit dem 
Spital für Aussätzige verbundenen Georgskapelle 
entstanden. Derartige Spitäler, welche auch 
fremden und heimathlosen Kranken Aufnahme ge 
währten, lagen mit ihren dem h. Georg geweihten 
Kapellen stets in einiger Entfernung vor den Thoren 
der Städte 1 ). — Die erste Erwähnung des Ber 
liner Georgsspitals findet sich in dem Gildebriefe 
1272 des Raths an die Bäcker vom 18. Juni 1272, worin 
bestimmt wird, dass die beiden Armenhöfe St. Georg 
und St. Spiritus (S. 177) stets mit gutem Brode ver 
sorgt werden sollten. 
In einem Ablassbriefe vom 14. August 1278 
bewilligt Bischof Ludolpli von Halberstadt allen 
denen, qui clomo inßrmorum Beati Georgii in Berlin 
ad refectionem inßrmorum manum porrexerint ad- 
jutricem etc. einen 60 tägigen Sündenerlass. In 
beiden Urkunden wird das Georgsspital ganz all 
gemein ein Armen- bezw. Krankenhaus genannt, 
dass es aber thatsächlich auch für die Aussätzigen 
gedient habe, beweist eine Rathsverordnung an die 
1288 Schneider vom 10. April 1288, welche die in das 
Gewerk Eintretenden u. a. zu einer Lieferung 
von Wachs an das heilige Geistspital und die 
domus leprosorum verpflichtete 2 ). — Ob eine 
Kapelle gleich Anfangs mit dem Siechenhause zu 
sammen oder erst später errichtet worden sei, ist 
nicht mehr festzustellen; wahrscheinlich aber 
bestand sie schon geraume Zeit vor ihrer frühesten 
Erwähnung in einem Ablassbriefe des Pabstes 
1331 Johann XXII vom 12. Mai 1331 (Küster II, 685.) 
Von dieser Zeit an bis zum Ende des XVII. Jahr 
hunderts fehlt es an Nachrichten über das Stift. 
Der Gottesdienst wurde, wenigstens seit Einführung 
') St. Georgs Kapellen und Spitäler sind unter den be 
deutenderen Ortschaften der Mark erhalten oder wenigstens 
nachweisbar in Bernau, Eberswalde, Frankfurt, Königsberg, 
Perleberg, Prenzlau, Neu-Ruppin, Spandau. 
2 ) . . . quicunque ipsorum (nämlich der Schneider) opus 
acquisierit pro ipso acquirendo dabit IIII or sol. denariorum et 
II talenta cere de quo percipit civitas nostra II sol. denariorum 
et domus sancti spiritus dimidium talentum cere et domus 
leprosorum dimidium talentum. Berl. Urkundenb. XXV. S. 17. | 
der Reformation, von den Geistlichen der Nicolai 
kirche besorgt. Dies änderte sich, als mit dem 
Anwachsen der Vorstädte jenseits der Berliner 
Befestigungslinie die Stiftung einer eignen Pfarre 
für dieselben nothwendig wurde. Durch kurfürst 
liches Reskript vom 18. März 1689 erhielt die i GS9 
Georgskapelle einen eignen Geistlichen und wurde 
somit zur Pfarrkirche der drei Berlinischen Vor 
städte vor dem Spandauer-, Georgen- und Stralauer 
Thore. Die kleine Kapelle, welche nach Küster 
kaum 200 Menschen fassen konnte, wurde bereits 
1693 durch einen Anbau, der 1755 Thlr. kostete, 1093 
und zwar wahrscheinlich in der Breite vergrössert. 
Küster erzählt, dass im Sommer öfters Gottesdienst 
im Freien unter den Linden des Kirchhofs abge 
halten wurde. 1704—5 erfolgte eine abermalige 1705 
Vergrösserung der Kirche, nach Osten zu, um fast 
die* Hälfte ihrer bisherigen Länge. Die Maasse 
stellten sich damit auf 17 — 18 m in der Breite 1 ) 
und r. 40 3 / 4 m in der Länge. 1712 —1713 trat 1713 
an Stelle des bisherigen kleinen Dachreiters, der 
beispielsweise auf dem Schultzschen Stadtplane 
sichtbar ist, vor die nördliche Hälfte der West 
front der heutige massive, mehrstöckige Thurmbau. 
1727 erhielt die Kirche die erste Orgel. — Ein 
Bild von ihrem damaligen Aussehen geben die 
Veduten zu den Schleuensehen Stadtplänen, auf 
welchen sich deutlich die einzelnen Bestandtheile, 
in der Mitte der durch seine Strebepfeiler und 
Spitzbogenfenster kenntliche mittelalterliche Ka 
pellenbau, die östliche Erweiterung und der 
Thurm an der Westfront absondern. — Das Innere 
mit den doppelten, einst mit „biblischen Historien“ 
an den Brüstungen bemalten Emporen beschreibt 
Beckmann. 
Im Jahre 1720 musste das alte Spitalgebäude 
vor der Westfront der Kirche wegen Baufällig 
keit abgebrochen werden; an seine Stelle trat ein 
sehr bescheidener, einstöckiger Neubau von circa 
39 l h m : 12 m. Aus dem gleichen Grunde war 
sechzig Jahre später auch für die Kirche, mit Aus- 
*) Dieses Breitenmaass ist viel zu bedeutend für die 
mittelalterliche Kapelle, es hat deshalb schon bei dom Anbau 
von 1693, über den sonst nichts Näheres bekannt ist, eine 
Verbreiterung stattgefunden, vennuthlich auf der Nordseito.
        
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