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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Kapelle und Hospital zum heiligen Geist. 
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dem Jahre 1646 und erwecken, obwohl von beschei 
denem Kunstwerth, doch als Zeugnisse des Kunst 
sinnes aus der Zeit des dreissigjährigen Krieges 
unsere Theilnahme. Sie enthalten, in jetzt sehr will 
kürlicher Reihenfolge, Darstellungen 1 ) der heiligen 
Geschichte und der Werke der Barmherzigkeit, oft 
mit den Hausmarken und Wappen der Stifter, deren 
Namen und Stand die zum Theil schon unleser 
lich gewordenen, von Schmidt in seinen Memora 
bilien angeführten Inschriften angeben. — An der 
nördlichen Empore, von der Fensterwand aus ge 
rechnet, folgen sich: 1. Salomo auf dem Richter 
stuhle, gestiftet von dem Landschaftssekretair Joh. 
Berchelmann; 2. Christus, auf den ein Engel einen 
Jüngling hin weist, im Kreise der Auferstandenen 
mit Palmzweigen und weissen Gewändern, vom 
Landschaftssekretair Christian v. d. Linde; 3. Be 
kehrung des Kämmerers aus Mohrenland (der 
Name des Stifters, gleichfalls eines Landschafts 
sekretairs, nach Schmidt: Joh. Falckenberg); 4. die 
Sünderin Christi Füsse salbend, von Joach. Ziele- 
feldt 1646; 5. die apokalyptischen Reiter (der 
Schwertträger in voller Rüstung, der Pfeilschütze 
in Tartarentracht, der Schnitter, wie üblich, als 
Gerippe), vom Stadtverordneten Zacharias Schultze, 
6. Gang nach Emmaus, vom Rathsverordneten Joh. 
Monicke; 7. Durchzug durchs rothe Meer, cha 
rakteristisch durch die Gesichtsbildung und Ge 
berdensprache der Israeliten, eine Stiftung des 
Joachim Libbrecht 1646; 8. Jacob mit dem Engel 
ringend, von Bartholomäus Willicke 1646; 9. Abra 
ham und die drei Männer, vom Rathskämmerer 
und Spitalvorsteher David Rhetz 1646; 10. Traum 
des Herodes, dessen Lager sich ein Engel in ge 
fälliger Bewegung nähert, vom Hospitalvorsteher 
Georg Richter 1640; 11. Verkündigung an die 
Hirten, vom Rathsverwandten und Vorsteher Hein 
rich Pulmann 1646; 12. Johannes des Täufers 
Enthauptung, von Joh. Libbrecht dem Aelteren 
1646; 13. Joseph (in rothem Mantel und Feder 
barett) seine Brüder begrüssend, von Daniel 
Krantz; 14. Lotlis Auszug aus Sodom, von Sigmund 
Neumeister. 
Es folgen an der Orgelempore: 15. Labung 
Dürstender, aus den Werken der Barmherzigkeit. 
Ein Mann reicht zwei Fremdlingen Wein aus 
einem von den Dienern angezapften Fasse, links 
unten Wappen (ein Fisch, von einem Pfeile durch 
bohrt) und Namen H. Lorentz- Schmitt, Kirchen- 
') Gie ursprüngliche Reihenfolge bei Schmidt, Mem. Berol. 
II, S. 37 ff. 
Vorsteher im Jahre 1585; 16. Christus am Kreuze, 
Johannes und die Frauen (stark beschädigt); 
17. Jüngstes Gericht, zu Seiten Christi Maria und 
Johannes Fürbitte einlegend, unten der gähnende 
Höllenrachen; 18. Jacobs Traum von der Himmels 
leiter. 
An der südlichen Empore, vom Fenster ge 
rechnet, befinden sich: 19. Taufe Christi; 20. An 
betung der Könige; 21. Opferung Isaaks; 22. Er 
höhung der Schlange 1 ); 23. Verkündigung an 
Manoah, im Hintergründe Manoahs und seines 
Weibes Opfer. (Richter, Cap. 13), gestiftet vom Raths 
verwandten und Hospitalvorsteher Ewald Rauppe 
1646; 24, 25 und 26 sind Werke der Barmherzig 
keit und zwar: Gastfreundlichkeit mit Wappen 
und Namen Peter Sommerfeldts, Hospitalvorstehers 
1588. — Speisung der Armen, mit Hausmarke 
und Namen des Marcus Goltze, Kirchenvorstehers 
1577. Kleidung Entblösster, mit Hausmarke und 
Namen Lorenz Müller; 27. der Sündenfall; 28. Ver 
kündigung Mariä; 29. Erschaffung der Eva; 30. 
Sintfluth; 31. Himmelfahrt Eliä; 32. Bund Gottes 
mit Noah unter dem Zeichen des Regenbogens. 
Hieran schliessen sich vier jetzt vereinzelte, 
ehedem aber offenbar zugehörige Darstellungen: 
Daniel in der Löwengrube, der barmherzige Sa 
mariter, Simson den Löwen würgend, Tröstung 
Gefangener, mit Hausmarke und dem Namen 
Georg Schüler. 
Glocken. Kleine Glocke von 55 cm Durch 
messer, mit Blattwerk und zwei Engelsfiguren 
verziert und der Aufschrift: Soli deo gloria\ ferner 
der Widmung: Die Herren Be/erderer dieser Gloc/ce 
sind gewesen Baiser Scharnow und David, Krüger 
(Klein a. a. 0.). 
Epitaphien: eine Bodenplatte aus Sandstein mit 
abgetretener Inschrift befindet sich vor dem Altar. 
Denkstein für den 1699 verstorbenen Garnison 
prediger Christoph Nagel: Inschriftplatte von 
Sandstein, darüber von zwei Putten gehalten das 
Brustbild in Oel auf Kupfer. Am Fusse zwei 
trauernde Genien, sowie die Bildnisse dreier 
Kinder. 
Hölzerne Gedenktafeln für drei Mitglieder der 
Familie Hai kan mit dem Wappen (drei Kannen) 
und der Aufschrift: o bit vor Peter (bezw. Hans 
und Jacob) Ilalkans im Mark. Mus. IV, 646—48. 
') Von Matthäus Harn von Saltzwedel, Churfürstl. Meintzi- 
scher gewesener Einspänniger, \ 30. Oktob. 1589 (Schmidt 
a. a. 0.)
        
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