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Zur Geschichte Berlins 1. Berlin im Mittelalter

Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Grundherr und Landesherr. 
im Besitze von Dorfgemeinden vorkamen. Das 
Marktrecht z. B. finden wir in Kirchhain in der Lau 
sitz schon, als der Ort noch nicht zur Stadt er 
hoben war. Das Befestigungsrecht kennen wir 
zwar nicht im Besitz der Dorfgemeinde selbst, 
aber Vasallen erhielten es zum Schutze ihres 
Dorfes. Die Ausübung jeglichen Handwerks war 
auf dem Lande freigegeben. Die Dorfanlagen 
östlich der Oder sorgten sogar fast immer für 
Fleisch- und Brotbänke und die nothwendigsten 
Handwerksbetriebe. Ausserdem bestand das Recht, 
die Hufen zu vererben und persönliche Freiheit 
für alle Eingesessenen in vielen Dörfern. Vielleicht 
lag ein grundsätzlicher Unterschied zwischen Stadt- 
und Dorfgemeinde, wenn wir dem Himveise einer 
Urkunde (Stadt Teltow) folgen wollen, in der Be- 
fugniss der Gemeinde, Innungen d. h. selbständige 
genossenschaftliche Verbindungen der Hand 
werker bilden zu dürfen. Aber dieser einzelne 
Anhaltspunkt reicht nicht hin, um in ausschliessen- 
der Weise Dorfrecht und Stadtrecht auseinander 
halten zu können. 
Ferner, wer verlieh das Stadtrecht in der 
Mark? Das Recht der Verleihung ruhte an 
scheinend nicht allein in der Hand des Mark 
grafen, denn es wurde auch von Vasallen ausge 
übt. Die von Parwenitz erhoben 1248 Lychen 
zur Stadt. Es geschah unter ausdrücklicher Ge 
nehmigung des Markgrafen; aber ganz selbständig, 
ohne seine Erlaubniss einzuholen, statteten 1237 
die von Plote Kyritz, die Grafen Arnstein 1256 
Neuruppin, der Bischof von Havelbcrg 1248 Witt 
stock mit Stadtrecht aus. Hier stellte sich also 
zwischen den Landesherrn und die Stadtgemeinde 
die Grundherrschaft. Wenn die Grundherren eigne 
Stadtgemeinden errichten durften, so standen ihnen 
in diesen auch eigne Rechte zu. Um nutzbarer 
Rechte willen hatte die Errichtung vor allen 
Dingen stattgefunden. Für Berlin käme die Frage, 
welcher Art diese Rechte waren, insofern weniger 
in Betracht, als hier grundherrliche und landes 
herrliche Rechte in eine Hand zusammenfielen; es 
ist nur einmal in der Geschichte der Stadt vor 
gekommen, dass sie eine besondere Grundherr 
schaft hatte, 1319 bis 1323, worüber weiter unten 
das nähere. Dennoch müssen wir die Scheidung 
beiderleier Rechte, wenigstens der wichtigsten, 
versuchen, um die späteren Verhältnisse besser 
beurtlieilen zu können. Denn die grundherrlichen 
Rechte durfte ein Landesherr veräussern, die 
landesherrlichen waren unveräusserlich. Im spä 
teren Mittelalter pflegte man aber in der Mark 
beide auf eine Linie zu stellen und in gleicher 
Weise zu zerstückeln, zu verpfänden und zu ver 
kaufen, was dazu beigetragen hat, auch in Berlin 
die Rechtsverhältnisse zwischen Gemeinde und 
Landesherrschaft zu verdunkeln. 
Dem Grundherrn gebührte der Zins von dem 
Lande, das er für die Anlage der Stadt herge 
geben hatte, von dem eingehegten (den Hofstellen) 
und von den Ackerhufen. Allmend und Wiesen 
liess man als nothwendiges Zubehör zu dem Wirth- 
schaftslande frei. Der Zins war das eigentliche 
Zeichen des grundherrschaftlichen Rechtes über 
die Gemeinde-Eingesessenen. Zweitens empfing 
der Grundherr seinen Zins von dem Marktverkehr 
und von den öffentlichen, zu Verkaufsstellen be 
stimmten Gebäuden, die nur mit seiner Erlaubniss 
errichtet werden durften, da auch die Plätze und 
Strassen, so weit sie nicht landesherrliche Land 
strassen waren, sein Eigenthum blieben. Drittens 
erhob er Abgaben von den angesetzten Hand 
werkern. Dies waren die am meisten üblichen 
grundherrlichen Nutzungen in den märkischen 
Städten. Sie sind in Berlin alle drei, der Wort 
zins und Hufenzins, das Stättegeld und der Ge 
werkszins durch den Landesherrn erhoben worden, 
aber schon sehr früh als grundherrliche, veräusser- 
liche Rechte in das Eigenthum der Stadt überge 
gangen. 
Einen Theil seiner Nutzungen pflegte der 
Grundherr zugleich mit Liegenschaften im Weich 
bilde an die Personen zu vergeben, denen als 
Unternehmern die Anlegung der Stadt überlassen 
war. Beispiele für dieses Verfahren in der Mark 
findet man in den Urkunden von Berlinchen, 
Frankfurt, Friedland, Landsberg a. W. und Müll 
rose. Es handelte sich darum, die Unternehmer 
zu entschädigen für die Abfindung bereits vor 
handener Ansiedler, für die Planlage der Stadt 
und der Feldmark, für das Heranziehen geeigneter, 
freier und bemittelter Leute als Bürger in die 
Hofstellen und Hufen, für die Herstellung der 
Marktgebäude und die Ansetzung von Hand 
werkern. Man muss annehmen, dass in Berlin 
das gleiche Verfahren stattfand, und es lässt sich 
ungefähr noch feststellen, was die Unternehmer 
erhielten, nämlich eine Landabfindung von 14 Hufen 
auf dem linken Spreeufer, den Hofstellenzins und 
den Hufenzins auf derselben Seite des Flusses, 
endlich einen Theil des Handwerkszinses. Die 
14 Hufen scheinen, weil es an Ackerland für die 
später gegründete Stadt Köln mangelte, wieder 
herausgegeben zu sein, wofür die Einkünfte von
        
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