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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

Dorotheenstädtische Kirche. 
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Monats zum Dankfest, Gott zu Ehren, vor dem ver- 
lien Frieden (zu St. Gennain) zum ersten Male ge 
läutet. Martinus Schultze, Pred. Dorten-Slat.“ 
Die mittlere Glocke, 1723 gegossen von Pierre 
und Charles Galliet Vater und Sohn, trägt die 
Verse: 
DaFriedrich Wilhelm sass auf Preussens Königs- Thron 
Ein rechter Salomon des Grossen Friedrichs Sohn 
Da ward mein Guss gemacht zu spielen und zu Idingen 
Wenn unser Zion will dem Höchsten Opfer bringen. 
Die dritte Glocke ist vom Jahre 1862. 
Grabdenkmäler. Das älteste, in der Ecke des 
nördlichen Kreuzarmes, ist das Sandsteinmonument 
des bekannten Hotbaumeisters des grossen Kur 
fürsten Michel Matthias Smids (geb. 11. Juli 1626 
zu Rotterdam, getraut zu Breda 24. März 1658 
mit Adriana v. Haussen, f zu Berlin 24. Juli 1692) 
und seines am 20. Juli 1692 verstorbenen Sohnes 
Adrian (geb. zu Berlin 22. März 1661). Auf einem 
Sockel, der in der Mitte die Inschrift enthält, er 
hebt sich ein Aufsatz mit dem Wappen in der 
Mitte und zwei weiblichen Gestalten an den Seiten, 
darüber, mit dem Ausdruck von Kraft und Energie 
in den breiten derben Zügen, die tüchtige Portrait- 
büste des Baumeisters. Zirkel und Winkelmaass, 
Elle und Kreisbogen in den Füllungen am Sockel 
bezeichnen sein Gewerbe. 
In die Wand des südlichen Kreuzflügels ein 
gelassen ist die Sandsteingedenktafel für den 1695 
verstorbenen Architekten, Maler und Mathematikus 
Rütgor von Langerfeld. Die Inschrift lautet: 
D. M. S. hic situs est Rutgerus a Langerfeld 
Sereniss. ac Potentiss. Electoris Brandeb. Fride- 
rici TII principis opt. max. quondam architectus et 
mathematicus idemque pictor excellentissimus, quum 
antea dito Friderico Gulielmo magno quum in svb- 
structionibus aliisq. operibus perficiendis tum in eru- 
diendis et ad mathemat. artes instituendis filiis 
March. Brand. Principibus juventutis per aliquot 
annos utilem et fidel, operam navasset vir dum vixit 
bonus si quisquam, mathematicarum autem discipli- 
narum, quas et scriptis illustravit in primis archi- 
tecturae civilis et militaris tanta scicntia praeditus, 
ut in hoc genere pares sua aetate paucos superiore. 
liabucr. nemine . natus Neomagi a . ehr. CbbCXXX V. 
a. d. XV. Febr. dient obiit Berolini a . CbbCXCV. 
d. X V. Marti aetatis LIX . mens . un. memoriae 
conjugis cariss. desideratissimi hoc pietatis et con- 
jugal. amor. monumentum posüit Nalletta de Mann 
moestiss. vidua. 
Als dritter unter den bekannten Architekten 
jener Zeit ist, auf kurfürstlichen Befehl vom I 
21. Oktober 1695, der Oberbaudirektor Joh. Arnold 
Nering in der Kirche beigesetzt worden 1 ). 
An der Westwand des Kordkreuzflügels be 
findet sich das Grabmal des englischen Gesandten 
und getreuen Begleiters Friedrichs II. im sieben 
jährigen Kriege, Andr. Mitchell (geb. 1708 zu 
Aberdeen, f zu Berlin 1771), eine Urne aus weissem 
Marmor, an welcher Kette und Stern des Bath- 
Ordens ausgearbeitet sind. Der Sockel von schwar 
zem Marmor trägt die Inschrift. 
An der südlichen Aussenwand der Kirche sind 
von bemerkenswerthen älteren Denkmälern aus 
Sandstein eingemauert: das des Dr. med. Joh. 
Friedrich Meckel, f 1774, mit der von einer 
trauernden weiblichen Figur gehaltenen Inschrift 
tafel und daneben das Epitaphium der Frau 
Magdalene Hancko f 1788. Ueber der In 
schrift, auf der von Consolen getragenen Ver 
dachung eine Urne, links ein Jüngling, rechts eine 
sitzende weibliche Gestalt von edler Haltung. — 
Grabmal * 2 ) der zu ihrer Zeit gefeierten Malerin 
Anna DorotheaTheerbusch, geb. v. Liczewska, 
geb. 49. Juli 1722, f 9. November 1782. Neben 
dem Denkstein, vor welchem ein Lorbeerkranz 
und die Maler-Palette liegen, steht der Genius 
mit der umgekehrten Fackel, obenauf befindet sich 
eine Vase mit dem Reliefportrait der Verstorbenen. 
An die Ostwand des südlichen Kreuzflügels lehnt 
sich Schadows schönes Marmordenkmal des 
1787, im Alter von 8% Jahren verstorbenen Grafen 
v. d. Mark, natürlichen Sohnes Friedrich Wil 
helms II. mit der Rietz, nachmaligen Gräfin 
v. Lichtenau (Taf. V). Den ersten Auftrag, zu wel 
chem der Maler Puhlmann, Gallerieinspector in Sans 
souci, die Idee angab, hatte noch Tassaert er 
halten 3 ). Sein Modell stellte einen Felsen mit den 
Figuren der Parzen dar und eine Höhle in der 
Mitte, in welche der Tod den Knaben hineinzog. 
Tassaert starb während der Ausführung, die seine 
Kräfte überstiegen zu haben scheint, 21. Jan. 1788 
und Schadow erhielt auf Verwenden des Ministers 
v. Heinitz den Auftrag. Seine Arbeit ist das erste 
Werk der modernen deutschen Kunst in Berlin. 
Ganz in den Formen und Vorstellungen der 
Antike entworfen, zeigt es trotzdem merklich jenen 
') Akta betr. d. Kurf. Brandb. Oberbaudirektor Job. 
Arn. Nering. Hofbaupersonal. Rep. XIII. der Kgl. H. A. 
2 ) Nicolai S. 923 schreibt dem Bildhauer W. Chr. Meyer 
dieses Denkmal zu, in seinem Anhang S. 41, nur das Meckel 
sehe. — Das Monument ist veröffentlicht durch eine Radi 
rung v. B. Rode. 
3 ) Kunstw. u. Kunstans. v. Schadow. S. 4. 
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