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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Domkirche. Hohenzollern-Gruft. 
düngen eine Pilasterarchitektur mit Gebälk und j 
in den Feldern Wappentafeln aufweisen. 
Den letzten noch reicheren, bis zum Ausgang 
des XVII. Jahrhunderts herrschenden Typus, bei 
welchem die grade kastenartige Grundform ver 
lassen wird, die mannigfach profilirten Wandungen 
von Sarg und Deckel geschweifte oder kehlen 
förmige Gestalt annehmen, leitet ein: Xo. 45, der 
Sarkophag der Kurfürstin ElisabethHenriette 1 ), 
t 1683, ersten Gemahlin des Kurprinzen Friedrich. 
Auf dem Deckel sitzen Wappen und Krone, an 
den Seiten desselben gebuckelte Inschriftplatten 
von Akanthusornament umgeben. Der Sarg 
ruht auf Löwen und ist am unteren Rande von 
Akanthusblattwerk umsäumt, die Flächen zeigen 
zwischen den Griffen aus Gusseisen vergoldete 
Akanthusranken und Genien mit Sinnbildern. 
Xo. 48, Friedrich August, f 1686, (Sohn des 
Kurprinzen Friedrich); der Sarg ruht auf vier Ad 
lern und enthält ähnlichen Zierrath wie der vorige, 
ebenso Xo. 30, Markgraf Ludwig * 2 ), f 1687, Sohn 
des grossen Kurfürsten aus erster Ehe. 
Die als Kunstwerke hervorragendsten Denk 
mäler dieses Typus sind die Prachtsärge des gros 
sen Kurfürsten und seiner zweiten Gemahlin, welche 
beide neuerdings wiederhergestellt und neu ver 
goldet sind. 
Die inneren Holzsärge mit den Leichen sind, 
auf Veranlassung des Kronprinzen Friedrich Wil 
helm (Kaisers Friedrich), in einfachen Sarkophagen 
aus schlesischem Marmor, in der Gruft unter der 
Kirche, aufbewahrt. Die Metallsärge befinden sich 
innerhalb von Gitterverschlägen rechts und links 
unter der Orgelempore. 
Der Prachtsarg des grossen Kurfürsten 3 ) 
(Taf. II) zeigt noch die grade Kastenform und ruht 
an den vier Ecken auf vier liegenden gefesselten 
Sklavenfiguren von übereinstimmender Haltung, die 
mittlere Unterstützung bilden vier ruhende Löwen. 
An den Seitenwandungen sitzen, in etwas lockerer 
Anordnung und Verbindung, in der Mitte ein von 
Waffen und Fahnen umgebener Schild mit dem 
Sceptcr und der Devise des Hosenbandordens, zu 
beiden Seiten Medaillons mit den Reliefbildern er 
oberter Städte und einem Schiffe, welche z. Th. 
erneuert sind, zwischenein die verzierten Tragringe 
•) Gestochen in zwei Blättern v. Bartsch. 
-) Veröffentlicht durch 3 Kupferstiche in: Trauergedücht- 
niss Markgraf Ludwigs 1687. 
3 ) Veröffentlicht in: Leiehenbegängniss des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm in 2 Stichen. — Ein kleiner Stich von 
Schleuen gibt auch die Inschriften. 
' und Akanthusblattwerk von befangener Bildung; 
am Deckelrande gebuckelte, von Waffenschmuck 
und Akanthusblattwerk umgebene Inschrifttafeln, 
an den Ecken hockende Adler. Die Oberfläche 
des Deckels trägt ein Kissen mit der Krone, In 
schrift und Wappen. Die vergoldeten ornamentalen 
Theile heben sich wirksam von dem matten Zinn- 
hintergrunde ab. 
In der Form ganz ähnlich und nicht minder 
reich verziert ist der Prachtsarg der zweiten 
Gemahlin des grossen Kurfürsten, Dorothea, 
f 6. Aug. 1689. Die Seitenflächen des auf Löwen 
und Schwänen ruhenden Sarges enthalten in der 
Mitte von Lorbeer- und Palmblättern eingefasste 
Wappentafeln, zu beiden Seiten Kinderfiguren mit 
Blumenranken und Lorbeerblattwerk, am Deckel 
rande Inschriftkartuschen von trauernden Genien 
umgeben, an den Ecken Schwäne. 
Hieran schliesst sich, Xo. 34, der Sarg des 1695 
in Casale verstorbenen Sohnes des grossen Kur 
fürsten aus zweiter Ehe, Carl Philipp; der 
Deckel trägt Krone, Schwert und Wappen, und 
am Fussende das Johanniterkreuz, am Deckelrande 
befinden sich Putten und Inschriftkartuschen mit 
Trophäen, an den Sargwandungen das Johanniter 
kreuz und Sinnbilder zwischen Akanthus und Lor 
beerblattwerk. 
Der schwungvollen Plastik Schlüters 1 ) und da 
mit einem neuen, reichsten Typus gehört an: der 
Prachtsarg der Königin Sophie Charlotte, f 
1 .Febr. 1705 (Taf.III). Die stark gebauchten Seiten 
wandungen enthalten allegorische, durch Beischriften 
gekennzeichnete Reliefdarstellungen der Tugenden 
der Fürstin. An den Ecken hockende Adler mit 
ausgebreiteten Flügeln, in der Mitte eine von 
knieenden Rossen — den hannoverschen Wappen 
tieren — getragene Inschriftkartuschc mit der 
Königskrone, am Fussende eine prächtige, eben 
falls mit der Krone geschmückte Wappenkartusche. 
Den Deckel umhüllt ein an den Seiten herabwal 
lender Krönungsmantel; von freiester malerischer 
Bewegung, wenngleich etwas gesuchter Anrauth ist 
die Gruppe der weiblichen Gewandfiguren am 
Kopfende, welche das von Mantel und Krone 
wirkungsvoll drapirte Reliefbrustbild der Königin 
') Dass Schlüter das Modell gemacht habe, ist schon an 
und für sich und wegen der Uebereinstimmung mit dem 
Sarkophage König Friedrichs I., der erwicsenermaassen von 
ihm herrührt, anzunehmen. — Gestochen ist der Sarg 1. in 
3 Ansichten von .1. G. Wolfgang aus: Porta Mausolei a Fri- 
derico Rege Borussiae etc., 2. von Schleuen, 3. sehr flüchtig 
und ungenau radirt von B. Rode, 4. Abbildung auf einer 
von Boskam geschnittenen Münze.
        
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