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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Domkirche. 
seiner Meinung kostbaren Särge seiner Ahnen ein- 
schmelzen lassen wollte und den Minister v. Mar 
schall beauftragte, zu ermitteln, wieviel sich daraus 
für den Neubau des Doms gewinnen liesse. Die 
Särge blieben erhalten, weil kein kostbares Material 
an ihnen vorhanden war. Heute birgt die Gruft 
87 Sarkophage von Mitgliedern unseres Herrscher 
hauses und deren' Anverwandten, darunter mehrere 
von hervorragendem Kunstwerth neben solchen, 
deren einzigen Schmuck der Name dessen bildet, 
dessen Reste sie bergen. Die bedeutendsten Denk 
mäler, denen durch die Pietät des Kronprinzen 
Friedrich Wilhelm (Kaisers Friedrich) neuerdings 
eine würdige Wiederherstellung zu Theil geworden 
ist, die Prunksärge des grossen Kurfürsten und 
seiner zweiten Gemahlin, haben jetzt unter der nörd 
lichen Empore, diejenigen des ersten Königspaars, 
einst zu beiden Seiten des Altars aufgestellt, in 
der westlichen Vorhalle Platz gefunden. 
An der Spitze der Hohenzollern-Denkmäler 
steht das Bronze-Monument des Kurfürsten 
\ 
Johann 1 ), ein vortreffliches Werk der Erzguss 
werkstätte Peter Vischers in Nürnberg, gegen 
wärtig frei im Mittelraume der Kirche, nahe dem 
nördlichen Ausgange, aufgestellt. — Dass das 
Monument wirklich von Peter Vischer entworfen 
und wenn auch nach der Inschrift {Johannes Vischer 
Noric. facieb. 1530) von seinem Sohne Johann 
gearbeitet, unter seiner Leitung ausgeführt worden 
ist, geht aus einem Briefe des Meisters an den 
Kurfürsten Joachim I. v. J. 1524 hervor. (Rabe 
a. a. 0. S. 7.) 
Das Monument (Taf. I), ca. 1,17 m hoch, ca. 
3 m lang und 1,78 m breit, ist aus einzeln gegos 
senen, durch Schrauben, Bolzen und Anker verbun 
denen Theilen zusammengesetzt. Der obere Theil, 
in Form eines Sarkophags, wird von 6 niedrigen 
Pfeilern, vor denen Löwen hocken, getragen und 
zeigt die lebensgrosse liegende Gestalt des Kur 
fürsten in Rüstung, langem reichgemustertem 
Mantel mit Hermclinkragen, das mit dem Kurhut 
bedeckte Haupt auf einem Kissen ruhend, am 
oberen Rande der Deckplatte die Inschrift in 
gothischen Lettern: 
anno domini MCCCCLXXXXIX Am Mitwoch 
nach der heiligen drei Königtag Ist gestorben der 
Durchleuchtigste Hochgebornne Fürst und herr herr 
Johans Marggraff Zu Brandenburg des Heiligen 
Römischen Reichs Ertzcammerer unnd Churfürst 
‘) Das Grabmal des Kurf. Johannes Cicero im Dom zu 
Berlin ein Kunstwerk von Peter Vischer dem älteren in Nürn 
berg etc. von M. P. Rabe, Berlin 1843. 
Zu Stettin Pommern der Cassuben unnd Wenden 
Hertzog Burggraf zu Nürnberg unnd Fürst Zu 
Rügenn Ein vater Herrn Albrechts Cardinais u. 
Ertzbischoffs Zu Meynntz unnd Magdeburg x. unnd 
lierrn Joachims des Namens des Ersten gebrueder 
Marggraven Zu Brandemburg heg der Churfürsten. 
Dem Gott gennedig sey. Amen. — 
An die Deckplatte lehnen sich 8 Tafeln mit 
Wappen und dem Kurscepter. Die sechs tragen 
den Pfeiler zeigen an ihren Kapitellen und Fül 
lungen zierliche Renaissanceornamente. Die Bo 
denplatte zwischen ihnen enthält im Felde in 
flachem Relief ebenfalls eine liegende Gestalt mit 
Kurhut und langem, bis auf die Füsse reichendem 
Mantel, mit Scepter' und Schwert und von unver 
kennbarer Aehnlichkeit mit der oberen. Die 
Meinung, dass die untere Figur eine andere Person 
als ebenfalls den Kurfürsten Johann darstelle, etwa 
seinen Vater Joachim I. (Küster I. S. 52, Nicolai 
Berlin II. S. 865), hat Rabe meines Erachtens mit 
guten Gründen zurückgewiesen und den Antheil, 
den einer Ueberlieferung zu Folge der Stückgiesser 
Dietrich von Burgund 1 ) an dem Werke gehabt 
haben soll, darauf beschränkt, dass derselbe den 
Transport des Monuments von Lehnin und seine 
Zusammensetzung und Wiederaufstellung im Ber 
liner Dome bewerkstelligt habe. 
Das älteste Verzeichniss der Särge in der 
Gruft des alten Doms auf dem Schlossplätze 
(Domakten No. XV. vol. 2. fol. 45) datirt vom 
Jahre 1747 und erwähnt 24 Särge der sog. könig 
lichen, vom grossen Kurfürsten angelegten Gruft 
und 28 Särge aus dem älteren Grabgewölbe, zu 
sammen 52 Stück. Als 1828 in Folge hohen 
Wasserstandes die Gruft überschwemmt war und 
einige Holzsärge sich aufgelöst hatten, wurden Vor 
kehrungen zur Sicherung der übrigen gegen Grund 
wasser getroffen. 1843 sind die Sarkophage mit 
Nummern und Namen versehen, die Gebeine ein 
zelner zerfallener Särge in Holzkasten gesammelt, 
manches für die Verbesserung des Raumes ge 
schehen, ohne dass jedoch dem unwürdigen Zu 
stande der Gruft Abhülfe geschaffen werden konnte. 
Die Sarkophage bestehen bis zum XVIII. Jahr 
hundert fast ausschliesslich aus Zinn mit Bleizusatz, 
mit anfangs nur eingeritzten, später gegossenen und 
aufgenieteten Verzierungen. Die Zinnsärge um 
schlossen noch einfache Holzkästen, in denen die 
Gebeine ruhen. Mit der Regierung Friedrich 
Wilhelms I. verschwinden, der veränderten Zeit- 
*) Vgl. Küster, A. u. N. Borl. Zusätze u. Verbesserungen 
S. 1002 zu I. S. 52.
        
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