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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Domkirche. 
am 8. Oktober 1747, die Einweihung am 6. Septbr. 
1750 1750 Statt. Wie der alte so sollte auch der neue 
Dom als Begräbnissstätte für die Königliche Fa 
milie dienen, doch ist der letzte dort beigesetzte 
Regent König Friedrich Wilhelm II. geblieben. 
1817 Im Jahre 1817 fand unter Schinkels Leitung 
ein durchgreifender Umbau, zunächst des Innern 
1822 und 1820—1822 auch des Aeussern Statt. Der 
grossartige Plan Friedrich Wilhelm IV., mit einem 
Neubau des Domes in Form einer altchristlichen 
Basilica, für welche bereits die Fundamente ange 
legt sind, die Anlage einer würdigen Begräbniss 
und Gedächtnissstättedes IlohenzollernschenKönigs 
hauses, nach Art eines Campo Santo, zu verbinden, 
sieht jetzt in dem Kaiserlichen Berlin seiner Ver 
wirklichung, wenngleich in anderem Sinne und 
mit anderen Mitteln entgegen. 
Beschreibung. Die alte Domkirche auf dem 
Schlossplätze muss mit ihrer dreitheiligen West 
front, ihren 4 Thürmen und seitlichen Ziergiebeln, 
trotz massigen Abmessungen, im Aeusseren das statt 
lichste aller mittelalterlichen Kirchengebäude Berlins 
gewesen sein. Dies gilt wenigstens von der Zeit 
nach ihrer Erhebung zum Domstifte, denn ob die 
westlichen Thurmhelme in ihrer aus der Ab 
bildung in M. Zeilcrs Topographie bekannten Ge 
stalt, ob namentlich der Urthurm über dem Chore 
schon vordem bestanden habe, erscheint fraglich. 
Der Dom war eine dreischiffige Hallenkirche 
aus Backstein von ca. 59 m äusserer Länge mit 
5 Jochen im Langhause, einem einschiffigen Chor, 
bestehend aus Chorvorlage und polygonem Schluss 
in drei Seiten des Achtecks. Ein besonderer 
Thurm vor bau fehlte, die Westthürme sassen über 
den westlichen Seitenschiff-Gewölben, der Urthurm 
über der Chorvorlage. Den beiden östlichen Seiten 
schiffsfeldern, welche jedoch nicht querschiffartig 
vor die äussere Mauerflucht vortraten, entsprachen 
im Dache mehrfach abgetreppte Staffelgiebel mit 
Blenden, im Schnittpunkte der Dächer sass ein 
Dachreiter. Die Westfront mit schmalem Giebel 
zwischen den Thürmen enthielt, der Dreizahl der 
Schiffe entsprechend, drei grosse Fenster und unter 
dem mittleren den Haupteingang. Je ein Neben 
eingang führte von dem nördlichen und südlichen 
Kirchhofe ins Innere, an der Südseite befand sich 
ausserdem eine Wendelstiege und ein kleiner 
niedriger Anbau (Sakristei?). — Im Innern er 
streckte sich der um 6 Stufen über das Langschiff 
erhobene Chor bis über das letzte Mittelschiffs 
und die beiden anstossenden Seitenschiffsjoche. 
Hierunter nun befanden sich nach Beckmann 
drei Gewölbe, von denen das nördliche die im 
XVI. Jahrhundert angelegte Fürstengruft bildete. — 
In diesem vorderen Chorraumc standen der kleine 
Altar und das Bronzedenkmal des Kurfürsten 
Johann, inmitten eines geräumigen freien Platzes 1 ). 
Dahinter stieg man auf zwei seitlichen Treppen 
von je 12 Stufen * 2 ) auf den eigentlichen hohen Chor, 
der den Hochaltar enthielt, während eine mittlere 
Treppe zum Eingänge in die darunter befindliche, 
vom grossen Kurfürsten angelegte zweite Gruft 
führte. Dem Chor gegenüber, oberhalb des west 
lichen Einganges, befanden sich die kurfürstliche 
und markgräfliche Loge, zu welchen man, wie er 
wähnt, von den Altanen des Schlosses"' her durch 
das Gebäude an der Westseite des nördlichen Kirch 
hofes gelangte. Später, i. J. 1699, wurde die Fürsten- 
loge der Kanzel gegenüber auf einer der Emporen, 
bei dem Umbau von 1718 endlich zu ebener Erde 
angebracht. Der erwähnte viereckige Glocken 
thurm neben dem Chor enthielt im obersten, durch 
grosse Rundbogenöffnungen durchbrochenen Ge 
schosse das Geläute und diente im Uebrigen als 
Polizeigewahrsam für das kurfürstliche Hofgericht, 
die Hausvoigtei, welche in dem an der Ostseite 
des Kirchhofes belogenen Gebäude untergebracht 
war. 
Die neue Domkirche (vgl.die Medaille vonBar- 
bier, Taf. XXVIII 5) bildet im Innern einen oblongen 
Saalbau von 69’/ 4 m Länge und 20,40 m Breite, mit 
ringsumlaufenden Emporen zwischen korinthischen 
Säulen. Das mittlere Intercolumnium war, mit 
Rücksicht auf die Königsloge, welche an die Vor 
halle anlehnte, und die ihr gegenüberliegende Kanzel, 
breiter angelegt und enthielt gekuppelte Säulen. 
Der Altar stand an der Nordseite, vor ihm das 
Monument des Kurfürsten Johann. —■ Nach dem 
Lustgarten zu tritt ein Vorbau mit einer innen 
kreisrunden Vorhalle, welche die Kuppel trägt, 
und zwei Treppenräumen hervor, während das 
schmale Risalit nach der Spree die Sakristei und 
einen Nebenraum enthält. Der Nüchternheit 
der Grundrissanlago entsprach die geistlose Aus 
bildung des Aeussern mit seinen langen, von 
den Emporen durchschnittenen Rundbogenfenstern 
zwischen Pilastern mit Voluten-Kapitellcn. Das 
westliche Risalit mit seinen 3 Eingängen zeigte 
jonische Wandsäulen, der Kuppeltambour Bogen 
fenster zwischen korinthischen Säulen. Auf der 
*) Domakten D. XV. vol. III. fol. 78 und nach Angabe 
des Domküsters vom 22. Febr. 1749 sub N. 5, 10. 
2 ) Vgl. die Ansicht vom Innern mit dem castrum doloris 
im Theatr. Europ. ßnd. XVII. S. 133.
        
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