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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Holländischer Einfluss. Maler. 
Kunst und Lebensauffassung bis zu seinem 
Ende treu geblieben. In ihr fand er etwas dem 
Wesen seiner märkischen Heimath Verwandtes und 
Zusagendes. Noch mitten in den Wirren seiner 
ersten Regierungsjahre suchte er holländische 
Architekten und Ingenieure zu gewinnen, um durch 
diese, da es an einheimischen Baukundigen gebrach, i 
nur erst die unaufschieblichen Bauarbeiten zur 
Unterhaltung des verfallenen Residenzschlosses in 
Berlin, der Schleusen und Uferschälungen vor 
nehmen zu lassen. Seine nächste Sorge war 
sodann die grossartige Befestigung von Berlin 
nach den Grundsätzen der neueren holländischen 
Befestigungskunst. Memhardt, Smids, de ! 
Chiese waren die leitenden Ingenieure; er selbst 
hatte die Grundzüge der neuen Anlagen entworfen. 
Sobald diese zur Unterhaltung und Sicherung des 
Bestehenden nothwendigen Arbeiten beendet waren, 
ist Friedrich Wilhelm in wahrhaft umfassender 
Weise nach allen Richtungen hin für die Kunst | 
thätig gewesen. Eine ganze Colonie holländischer 
Künstler siedelte nach Berlin über und mit den 
Centren der niederländischen Kunst stand der 
Kurfürst durch seine Agenten, durch Ankäufe und | 
Bestellungen von Bildern und Skulpturen in be 
ständiger Verbindung. Ihm dankt Berlin die 
ersten Anfänge seiner heute so bedeutenden öffent 
lichen Sammlungen 1 ). Durch Vermittelung der | 
Holländisch-ostindischen Compagnie wusste er sich 
werthvolle Erzeugnisse der Handfertigkeit auch 
aus den neu entdeckten Welttheilen zu verschaffen. 
Durch Erbschaft erwarb er eine vom Kurfürsten 
Karl von der Pfalz (f 1685) ihm testamentarisch 
vermachte Antiken - Sammlung, die L. Beger in 
dem Prachtwerke seines Thesaurus Brandenburgicus 
beschreibt. Durch den Maler Romandon Hess 
er in Italien Bilder berühmter Meister für seine 
Sammlung kopiren. 
Von den Arbeiten holländischer Maler für den 
Berliner Hof und der Richtung, in der sich die 
selben bewegten, hat vorzugsweise die im Jahre 1890 i 
bewirkte Ausstellung von Werken Niederländischer 
Kunst aus Königlichem und Privat-Besitz eine An 
schauung gewährt * 2 3 ). Deutlich unterschieden sich 
dabei unter jenen die Bilder, bei welchen Neigung 
und Geschmack des Käufers und Auftraggebers die 
Auswahl traf von einer so zu sagen officiellen 
') J. Priedländer: Die Kgl. Kunst- und Alterthums-Sarain- ! 
lungen. Zur Gesch. d. kgl. Museen. Festschrift Berlin 1880. 
2 ) P. Seidel: Die Beziehungen des Grossen Kurfürsten 
zur Niederländischen Kunst. Jahrb. d. Preuss. Kunstsamml. 
1890. Heft 3. 
Gattung von Gemälden. Zu dieser sind jene dem 
XVII. Jahrhundert so geläufigen Darstellungen von 
bedeutsamen Staats-, Hof- und Familienereignissen 
zu rechnen, die sich zumeist in das Gewand von 
Allegorieen mit weit hergeliolten mythologischen 
Beziehungen kleiden, so 2 grosse Allegorien auf 
die Hochzeit des grossen Kurfürsten, auf den Tod 
des ältesten Sohnes. Der gleichen für unsere mo 
dernen Begriffe von Geschichts-Malerei schwer 
verständlichen Gattung gehören auch die 4 Riesen- 
Wandbilder Tuldens, Vaillants undLey- 
g e b e s im grossen Saale des Potsdamer Stadt 
schlosses an. Nach den Allegorieen kommen die 
zahlreichen Portraits des Herrscherhauses und 
seiner Anverwandten. Der thätigste Bildnissmaler 
war Willem van Honthorst, der schon 1647 und 
bis 1664 in kurfürstlichen Diensten war; ihm 
folgten u. a. de Clerk und Vaillant, beide eben 
falls brandenburgische Hofmaler. Die besten 
Portraits jedoch rühren von Künstlern her, die 
nicht in brandenburgischen Diensten standen, so 
von Govaert Flinck, Daniel Mytens, Pieter Nason. 
Die Wand- und Deeken-Malerei war neben ein 
heimischen Künstlern wie Michael Hirte durch 
Vaillant und Langerfeld vertreten. Der grosse 
Kurfürst scheint eine besondere Vorliebe für Still 
leben gehabt zu haben, wenigstens finden sich 
unter den ausländischen Hofmalern mehrere wie 
der Schwede Eiliger, die Holländer Fromantiou 
und Roye, welche fast ausschliesslich auf diesem 
Gebiete thätig waren. Gleich den Malern war 
auch unter den Bildhauern eine namhafte Anzahl 
Ausländer. Neben Künstlern wie Döbler und 
Günther, von welchem die im Charlottenburger 
Park befindlichen marmornen Kaiser-Büsten her 
rühren sollen (Nicolai), arbeiteten in Berlin die 
Holländer Artus Sitte und Johann von der 
Ley, der am 29. Januar 1658 zum Vorsteher der 
kurfürstlichen Steinhauer-Werkstatt ernannt wird, 
für den Lustgarten Bonnani, Peter Streng und 
der Engländer Larson. Gleichfalls für den Lust 
garten fertigte Franz Dusart die jetzt im Char 
lottenburger Park aufgestellte Statue des grossen 
Kurfürsten. Wie Seidel erwiesen hat, rühren von 
ihm auch die Oranier-Statuen im Potsdamer Stadt 
schlosse her. Viel beschäftigt für Berlin war 
ferner Bartholomäus Eggers 1 ). Seine Werke 
sind die 12 Kurfürsten-Statuen und 4 Kaiser-Figuren 
des weissen Saales und des anstossenden Treppen 
hauses im Königlichen Schlosse. Von einem nieder- 
') Galland, llepertor. f. Kunstwissensch. XIV. (1891) 2.Heft.
        
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