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Full text: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin / Borrmann, Richard

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Mittelalterliche Kunst. 
Nicolai bisweilen nicht genügend unterrichtet; was 
endlich noch weiter zur Vorsicht bei Benutzung 
seines Buches auffordert, ist der Umstand, dass er 
zumeist unterlässt, die Quellen für seine Dar 
legungen anzugeben und so deren Nachprüfung 
erschwert. 
Gleichfalls auf langjähriger Beschäftigung mit 
den Akten beruht das in seinen einzelnen Angaben 
viel zuverlässigere, in annalistischer Form gehaltene 
Werk von A. B. König mit dem umständlichen 
Titel: Versuch einer historischen Schilderung der 
Hauptveränderungen der Religion, Sitten, Gewohn 
heiten, Künste und Wissenschaften der Stadt 
Berlin (1792—1799), 5 Bände. Als bisher unver 
öffentlichte Ergänzung hierzu und zu den ent 
sprechenden Theilen des Nicolaischen Werkes sind 
desselben Verfassers handschriftliche Collectaneen 
mit Nachrichten über Künstler in alphabetischer 
Ordnung (Ms. Borus. der Kgl. Bibliothek, Fol. 714 
und 734) zu betrachten. Für die Zeit Friedrich 
Wilhelms II. und dessen Bauthätigkeit enthält das 
als Handbuch für Fremde herausgegebene Werk 
von Rumpf: „Berlin und Potsdam“, in verschie 
denen Auflagen — die älteste 1804 erschienen —, 
schätzenswerthe Angaben, besonders eine ausführ 
liche Beschreibung der neuen Wohnungs-Einrich 
tungen im Königlichen Schlosse. 
Von den Archiven kommen zunächst das Stadt- 
Archiv, dessen Inhalt vornehmlich durch die 
Arbeiten E. Fidicins 1 ) für die Stadtgeschichte ver- 
werthet ist, das Geheime Staats-Archiv und das 
davon abgetrennte Kgl. Haus-Archiv in Betracht. 
Aus dem Staats-Archiv sei hier noch besonders 
auf die Akten des Ober-Hof-Bauamts, welche vor 
nehmlich über die Bauthätigkeit unter Friedrich 
Wilhelm II. und während der ersten Jahre Fried 
rich Wilhelms III. Aufschluss geben, sowie auf 
die neuerdings mit dem Archive vereinigten, für 
eine Durcharbeitung aber noch nicht zugänglichen 
älteren Kammergerichtsakten hingewiesen. Im 
Kgl. Haus -Archive findet sich das Material über 
die Baugeschichte des Kgl. Schlosses von den 
Zeiten des Kurfürsten Johann Georg an bis gegen 
Ende der Regierung des grossen Kurfürsten in 
ziemlicher Ausführlichkeit; leider fehlen über die 
wichtigste Kunstepoche, die Zeit Schlüters um 
die Wende des XVII. Jahrhunderts, mit Ausnahme 
der sehr vollständigen Urkunden über die Münz 
thurm-Katastrophe, die Akten fast gänzlich. 
Die sehr umfängliche und weitzerstreute Lite 
ratur neuerer Zeit über die Kunst in Berlin ist 
hoffentlich ohne Uebergehung des Wichtigen be 
nutzt und in jedem einzelnen Falle nachgewiesen. 
An einer zusammenfassenden Darstellung der Kunst 
geschichte Berlins fehlt es bis jetzt, und auch 
der nachfolgende Versuch, welcher den Rahmen 
einer kunstgeschichtlichen Einleitung für die spe- 
ciellen Zwecke dieses Buches nicht überschreiten 
darf, kann keinen Anspruch darauf erheben, eine 
derartige Arbeit zu ersetzen. 
Geschichtliche Entwickelung 1 . 
Eine Geschichte der Kunst in Berlin in den 
Zeiten des Mittelalters und der Renaissance bietet 
dem Forscher keine so dankbare Aufgabe wie die 
jenige mancher mittleren und kleinen Stadt unseres 
engeren Vaterlandes. Der unaufhaltsame Ver- 
jiingungs-Process, den die Hauptstadt des deutschen 
Reiches seit den letzten beiden Jahrzehnten durch 
gemacht hat, verwischt in der Sucht Neues zu 
schaffen allmählich immer mehr die Züge selbst 
ihrer nächsten Vergangenheit und nichts vermissen 
wir in dem glanzvollen Bilde der heutigen Metro 
*) Besonders: Historisch-diplomatische Beiträge zur Ge 
schichte der Stadt Berlin, herausg. v. E. Fidicin, 5 Bände. 
Berlin 1837—42. 
pole mehr als ein mächtiges überragendes Monu 
ment, das durch die Weihe des Alters und bedeut 
same Erinnerungen dem Wechsel der Zeiten, dem 
Tages-Bedürfnisse enthoben, zum Wahrzeichen ihrer 
Herkunft und Geschichte geworden wäre. Berlin 
besitzt keinen Stefansthurm, an dem der Ankömm 
ling schon aus der Ferne die alte Kaiserstadt er 
kennt, keine Westminster-Abtei, nicht wie in 
Paris erscheint bei uns die Kunst als das Erbe 
einer alter Geschichte; sie kam zu uns aus der 
Fremde. Berlin ist eine moderne Stadt. Das 
XVII. Jahrhundert, für viele Städte der Endpunkt 
einer langen künstlerischen Entwickelung, bedeutet 
für uns den Anfang zu einer solchen. Von einer
        
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