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Band Nr. 18, 16. November 1989

Volltext : Plenarprotokoll (Public Domain) Ausgabe 1989/90, 11. Wahlperiode, 17.-34. Sitzung (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  11.  Wahlperiode

18.  Sitzung  vom  16.  November  1989

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Häusler
(A)  blähten  Verwaltungsapparats  im  öffentlichen  Dienst  wird  von  uns
mit  Entschiedenheit  und  Nachdruck  abgelehnt.
[Teige  (AL):  Davon  verstehen  Sie  ja  nun  wirklich
nichts!  -  Buwitt  (CDU):  Muß  er  ja  auch  nicht!]
Dieses  gilt  um  so  mehr,  weil  auf  der  anderen  Seite  kulturelle  und
sportliche  Belange  nicht  mehr  in  dem  Maß  gefördert  werden
können,  wie  es  bisher  möglich  war.  Offensichtlich  will  der  Senat
nicht  nur  im  kulturellen  Bereich  die  Weltstadt  Berlin  zu  einer  Provinzstadt ­
  machen,  sondern  auch  auf  dem  sportlichen  Gebiet.
[Zuruf  des  Abg.  Teige  (AL)]
Gerade  Berlin  ist  darauf  angewiesen,  in  möglichst  vielen  Sportarten ­
  Leistung  zu  fördern.
Kurzum,  wir  Republikaner  meinen,  daß  es  bei  der  bisherigen
Finanzierung  der  Stiftung  durch  die  Deutsche  Klassenlotterie
bleiben  sollte.  Die  Notwendigkeit  einer  Änderung  ist  für  uns  nicht
ersichtlich.  Deshalb  werden  wir  dieser  Beschlußvorlage  unsere
Zustimmung  nicht  geben.  -  Danke!
[Beifall  bei  den  REP  -
Teige  (AL);  Das  ist  auch  nicht  nötig!]

Stellv.  Präsidentin  Dr.  Schramm:  Für  die  Alternative  Liste
spricht  Frau  Sabine  Weißler!
Frau  Weißler  (AL);  Frau  Präsidentin!  Meine  Damen  und  Herren! ­
  Daß  ich  mich  mit  dem  vorliegenden  Gesetz  nur  sehr  mühsam ­
  anfreunden  konnte,  können  sich  viele  von  Ihnen  denken.  Als
Kulturpolitikerin  ist  mir  der  Lottotopf  bekanntlicherweise  sehr
lieb.
[Buwitt  (CDU):  Sie  sind  ja  auch  Nutznießer  davon!]
Dem  Finanzsenator  war  diese  Vorliebe  zu  teuer.  Wir  haben  harte
Diskussionen  miteinander  gehabt,  und  was  vorliegt,  ist  ein  Kom-(B)
  promiS  -  aber  ein  Kompromiß,  bei  dem  verhindert  werden
konnte,  daß  die  Kulturinstitutionen  Federn  lassen  müssen.
Es  ist  weiterhin  genug  Geld  für  die  Finanzierung  aktueller,
freier  und  frischer  Projekte  da.  Es  wird  weiter  dafür  gesorgt  werden, ­
  daß  die  Finanzierung  wichtiger  Ankäufe  für  Berliner  Museen
gesichert  ist.  In  der  Debatte  entstand  etwas  der  Eindruck,  als  sei
jetzt  der  gesamte  Lottoetat  weg.  Das  stimmt  überhaupt  nicht.  In
diesem  Gesetz  ist  vorgesehen,  daß  nur  ein  Teil  -  20  Prozent  -  in
den  Landeshaushalt  abgeführt  wird.
[Buwitt  (CDU);  25  Prozent!]
-  25  Prozent!  -  Das  heißt,  die  Finanzierung  all  der  Sachen,  die
bisher  gelaufen  sind,  wird  auch  in  Zukunft  möglich  sein.
Lotto  übernimmt  in  vielen  Fällen  eine  Funktion,  die  es  eigentlich ­
  nicht  haben  sollte.  Die  tatsächliche  Unterfinanzierung  z.  B.
der  Etats  der  Berliner  Museen  und  Sammlungen  wird  durch
Lotto  kaschiert.  Es  wird  kaschiert,  indem  man  sie  auf  die
Antragsmöglichkeiten  bei  der  Stiftung  Deutsche  Klassenlotterie
verweist.  Dieses  Problem  ist  vorerst  auch  nicht  anders  zu  lösen.
Auf  der  anderen  Seite  können  so  auch  kleinere  Museen,  die
nichtsdestotrotz  anspruchsvolle  Sammlungen  haben,  aber  nie
eine  Chance  hätten,  dauerhaft  einen  entsprechend  hohen  Etat
zu  bekommen,  wertvolle  Gegenstände  erwerben.  Das  ist  wiederum ­
  ein  Argument  für  eine  solche  Einrichtung  wie  Lotto  und  die
Abwicklung  über  Lotto.  Aber  wie  gesagt:  An  dieser  Regelung
wird  sich  vorerst  überhaupt  nichts  ändern.
Ändern  allerdings  wird  sich,  daß  Lotto  ein  Selbstbedienungsladen ­
  der  verschiedenen  Senatsverwaltungen  bleibt.
Es  ist  eine  Tatsache,  daß  die  Jubelfeiern  und  zuletzt  E  88  durch
Lotto  kräftig  finanziert  wurden  -  wohlgemerkt:  nicht  durch  die
Genehmigung  von  Anträgen  freier  Träger,  die  irgendwelche
Angebote  zu  E  88  machen  wollten,  sondern  durch  direkten
Antrag  der  Senatsverwaltung.
In  dem  veröffentlichten  Nachweis  über  die  Verwendung  der
Lottomittel  für  1988  lesen  wir  erstaunt,  daß  als  Zuschuß  für  die
Durchführung  populärer  Konzerte  des  Programms  „Berlin  -  Kulturstadt ­
  Europas  1988“,  wie  es  im  Amtsdeutsch  so  schön  heißt,

z.  B.  1  Million  DM  bewilligt  wurden.  Noch  einmal  und  kräftiger  (C)
wurde  zugegriffen,  um  das  -  dann  trotzdem  ein  Pleiteprojekt
werdende  -  Stück  „The  Forest“  zu  finanzieren.  Wieder  war  Sen-Kult
  Antragsteller  mit  immerhin  beeindruckenden  3,2  Millionen ­
  DM.  1,2  Millionen  DM  zwackte  der  alte  Senat  für  den  Europäischen ­
  Filmpreis  ab,  und  der  war  nun  alles  andere  als  ein
spontanes  Projekt.
Diese  Zahlen  widerlegen  gründlich  die  Anwürfe  gegen  diesen
neuen  Gesetzentwurf  und  die  Behauptung,  daß  dem  freien  Kulturbetrieb ­
  Mittel  durch  die  neue  Regelung  abgingen.  Es  werden
nun  Mittel  in  den  Landeshaushalt  abgeführt,  die  den  Kulturinitiativen ­
  und  Institutionen  nie  verfügbar  waren,  sondern  die  die
Senatsverwaltung  unter  Ausschluß  der  Öffentlichkeit  und  jeder
parlamentarischen  Kontrolle  für  ihre  eigenen  Lieblingsprojekte
wegnahm.  Das  soll  es  in  Zukunft  nicht  mehr  geben.  Öffentliche
Ausgaben  müssen  öffentlich  kontrolliert  werden.  Das  vorliegende ­
  Gesetz  ist  ein  Gesetz  für  mehr  Ehrlichkeit.  Es  schwächt
nicht  Kultur  und  Sport,  aber  es  stärkt  die  parlamentarischen
Kontrollmöglichkeiten.  Bei  allen  Bedenken  hat  das  Gesetz
unsere  Zustimmung  verdient.  -  Vielen  Dank!
[Beifall  bei  der  AL  und  der  SPD]
Stellv.  Präsidentin  Dr.  Schramm:  Die  CDU  hat  noch  5
Minuten  Redezeit.  Herr  Buwitt  möchte  sie  ausnutzen!
Buwitt  (CDU):  Frau  Präsidentin!  Meine  Damen  und  Herren!
Frau  Weißler,  Sie  haben  einige  gute  Argumente  vorgebracht.
Nur  leider  sind  sie  gegen  den  Antrag  gerichtet  und  nicht  dafür.
[Beifall  bei  der  CDU]
Es  gehen  25  Prozent  des  Geldes  verloren.  Bei  gleichbleibender ­
  Sportquote  heißt  das,  daß  ein  Drittel  des  Geldes  verlorengeht, ­
  das  für  die  anderen  Maßnahmen  zur  Verfügung  gestellt
wird.  Das  würde  bedeuten:  Bei  den  vielen  Stammkunden  -  zu
denen  Sie  auch  zählen  -  bleibt  für  neue  Dinge  nur  Geld,  wenn
neue  Prioritäten  gesetzt  werden,  d.  h.  neue  Schwerpunkte  gebil-  (D)
det  und  andere  nicht  mehr  berücksichtigt  werden.
[Eckert  (AL):  Haben  Sie  zugehört,  was  Herr  Hassemer
damit  finanziert  hat?!]
-  Ich  komme  gleich  dazu.  -  Sie  sprachen  von  der  Unterfinanzierung ­
  der  Museen,  die  über  Lotto  abgedeckt  wird.  Nun  müßte
man  glauben,  wenn  das  Geld  an  den  Haushalt  abgeführt  wird,
daß  1990  mehr  Mittel  für  Ankäufe  bei  den  Museen  in  den
Landeshaushalt  eingesetzt  werden.
[Vereinzelter  Beifall  bei  der  CDU]
-  Keine  müde  Mark:  Gekürzt  worden  ist  dort  für  das  Jahr  1990.
[Frau  Künast  (AL);  Welches  Museum  denn?
„Puff“  hat's  gemacht,  und  weg  ist  der  Gedenkstein!]
Das  heißt:  Obwohl  das  Geld  an  den  Haushalt  abgeführt  wird,
wird  nicht  dafür  Sorge  getragen,  daß  die  Maßnahmen,  von
denen  Sie  meinen,  daß  sie  in  den  Haushalt  gehören,  durch  den
Haushalt  abgedeckt  werden.
Nun  haben  Sie  vom  Selbstbedienungsladen  zur  750-Jahr-Feier
  und  bei  E  88  gesprochen.  Da  wäre  ein  Konzert  des  Senats
finanziert  worden.  Wie  schrecklich!
[Günther  (SPD);  Zuhören!]
Ich  will  Ihnen  einmal  erzählen,  was  mir  während  der  Plenarsitzung ­
  am  letzten  Freitag  passiert  ist;  Da  kam  Frau  Martiny  mit
einem  Aktendeckel  und  sagte:  „Links  müssen  Sie  unterschreiben, ­
  rechts  können  Sie  sich  die  Vorlage  herrausnehmen.“  Dabei
ging  es  um  100  000  DM  für  ein  Pop-Konzert  des  Senats  am
Sonntag.  Nicht  ordnungsgemäß  beantragt  beim  Lotto,
[Kern  (SPD):  War  doch  prima,  das  Konzert!  -
Zurufe  von  der  SPD  und  der  AL]
nicht  begutachtet,  rechtlich  überhaupt  nicht  einwandfrei,  so  —
[Kern  (SPD):  Wenn  eine  Atombombe  fällt,
dann  machen  Sie  erst  eine  Verfügung!  -
Zurufe  von  der  SPD  und  der  AL]
            
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