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Volume Anhang II. Statistik und Sehenswürdigkeiten von Berlin

Full text: Berliner Adreßbuch (Public Domain) Issue1883 (Public Domain)

IV. T. 
164 - 
Sehenswürdigkeiten. 
Eingang zur Saal-Galerie, Neue Friedrichstraße I. Thür, 
1 Treppe. von 12—2 Uhr außer an Sonn« und Festtage», unent¬ 
geltlich. 
Brandenburger Thür, 1789—1793 von Lang!,an« erbaut nach 
dem Vorbilde der Propyläen zu Athen. Auf demselben Victoria 
in der Quadriga stehend, von Schadow inodellirt, von Juri) in Kurier 
getrieben. Seit 181-8 durch zwei Seiteichallen verschönert, iede der¬ 
selben hat 18 Säulen, von denen 16 in 4 Reihen frei stehen, während 
2 derselben nebst zwei Pseilerpaarcn den unmittelbaren Anschluß an 
die Stirnmauern des Thores und an die, imdi der Stadt zu gelege¬ 
nen steinen Gebäude in Form gnechischer Tempel bilden, nämlich aus 
der einen Seite das WachlhauS, auf der anderen das frühere Steuer- 
gebäude, jetzt Telegraphenstation Die ganze Breite des Thores 
beträgt 152,5 m., die Säulen sind 14 m. hoch. die Spitze der Victoria 
reicht bis zu 26 m. 
Brücken. 
Die Alsenbrücke, 8sl m lang und 15,<19 m. breit, führt in 
gerader Verlängerung der Alseustraße und in der Axe des Humboldt- 
hafens über die Spree. 
Die Bellealliance-Briicke, 33,6 m. breit, nach Strack'S 
Entwürfen erbaut, ist jetzt die breiteste Brücke Berlins. Baukosten 
500,(100 Mark. Auf tenclbeii befinde» sich 4 Gnipven, darstellend: 
Schifffarth von Geper, Industrie von Lürsen, gifthraiiß von Moier 
und Gartenbau von Nenlch. 
Die Kurfürsten« oder Lange Brücke am Schloßplatz nnd 
Eingang zur Königstraße 45,82 m. lang und 13,33 m. breit, wurde 
1692—1696 erbaut; auf derselben das Reiter-Standbild des Großen 
Kurfürsten, von ©d'Iiiter, aufgestellt 1703. 
Die Michaelsbrücke, wurde vou 1877—79 erbaut. Bau¬ 
kosten 700,000 Mark Länge 95 m. Breite 20,70 m. 
Die SLillrnaS brücke, welche das Köpnicker - Viertel mit 
dem Stralauer-Biertel verbindet, erbaut 1870 bis 1873, bemerkens¬ 
wert!) durch ihre solide Ausführung in Sandstein. Sie hat eine 
Länge von 80,3U m. und eine Breite von 15,70 m. 
Die Scbloßbrücke, erbaut 1822—24, 48,90 m. lang und 
32,65 m. breit, mit 8 Svnß hohen Marmorgruppcn von vortrefflicher 
Arbeit. Dieselben stehen auf hohen Diarmor-Piedesialen und diese 
wieder auf volirten Granitblöcken. Sie bilden ideale Darstellungen 
aus dem Leben des Kriegers. 
Das chemische Laboratorium. Gecrgenstr. 34—36, erbaut 
1866—67 von Crcmer, schöner Bactstein-Rohbau. Baukosten 9110,000 Mk 
Feuerwehr, Hauptfeuerwache, Liildeuilraße 41. Sie ist Ceutral- 
trnnkt von 6 »enerwehr-DepotS und 20 Feuerwachen, welche unter sich 
durch Telegraphen in Verbindung stehen. Die Feuerwehr rückt durch¬ 
schnittlich 3 Mal täglick aus. Zahl der Mannschaft 750 unter 8 
Brandmeistern, einem Brandinspektor und einem Branddirektor. 
Flora, PalmenhauS und Blumengarten in Charlotteuburg, 
Berlinerstr. 87. Die großartige Anlage iit im Jahre 1871 begonnen 
und 1874 vollendet worden Die ersten Skizzen des Entwurfs v. 
Professor Oben, die Ausführung v. Baurath H. Stier. Das Pulmen- 
hauS ist das größte überhaupt existireude, mit 19158 Kubikmeter 
Inhalt. Im Sowmer täglich Concert. Entree 1 Mk. Kinder die 
Hälfte, AbonneinentSbilletS 12 Stck. 6 Mk. 5 Stck. 3 Mk. Jahres¬ 
abonnement Person 15 Mk., zweite Pmon 9 Mk, dritte u folgende 
6 Mk. Stadtbahnbillets lll. Kl. zur Hin- und Rückfahrt und zum 
Besuch des Etablissements berechtigend 1 Mk. Pfcrtebahubillets desgl. 
1, der Ringbahn 2, Soittelmarkt-Moabit 3, Monbijouvlatz—Char- 
lottenburg L1M. Fremdenführer (Katalog) au der Billetkassc ii 2b Pf. 
Die Gemälde-Galerie des Grafen Raczynski am KonigL- 
platz, täglich geöffnet von 11—3 Uhr. Anzahl der meist bedeutenden 
Stucke 145. s. Nachtrag. 
Gemälde-Galcrio deS Grafen Nevern. Unter den Linden 1. 
180 Stück. Geöffnet nur nach besonderer Erlaubniß. In der Regel 
Vormittags von 11-2 Uhr. 
Die Gemälde-Galerie des K oinmerzieuraths Ravene, 
Wallstraße 93. Geöffnet Dienstags u. Freitag« von 10—2. Anzahl 
der Stücke ltiO, meist vorzüglicher Art. 
Das ilönifll. General- StabS - Gebäude nach den Ent¬ 
würfen von Fleiichinger, Boigtel und Gödeking am KönigSplatz, 
drei Flügel von 90 m. 112,14 m. und 54,61 m. Frontlänge in schönem 
Material und mit mächtigen Palastsronten. 
Die Gebäude der Geologischen LaudeSaustalt. der Berg¬ 
akademie und der Landwirt!,sciraftlichen Hochschule, Jnva- 
lidenstr. 42- 47. Die .-förngl. Geologische Landes-AnUalt hat den 
Zweck, die geologische Untersuchung des Preußischen Staatsgebiets 
auszuführen und die Ergebnisse derselben m solcher Welse zu bear¬ 
beiten. daß sie ebenso für die Wissenschaft wie für die wirthichaftliircu 
Sittereffen des Landes allgemein Hilfebringend und zugänglich werden. 
Das St. Gertraudt-HoSPital für 100 Stelle», tu der Sorten- 
bnrgstraße, Ecke der Großbeerenstr., mit vorspringenden Klügeln in 
reichem Backstein-Bau mit Sandstein, erbaut 1871—1873. Baukosten 
480,000 Mark. 
flönigl. Institut für Glas-Malerei, Charlotteuburg, Ber- 
linerstr. 9, geöffnet täglich von 9 bis 3 Uhr außer Sonntags. 
Herrenhaus, Leipzigerstr. 3. Eintrittskarten im Büieau daselbst. 
Hotels, 
DasEentral-Hotel, Friedrichstraße,zwischenDorotheen-und 
Georgcnstraße. erbaut 1878 -80 von den Architekten v. d. Hudc und 
I. Hennicke für Rechnung einer Aktiengesellschaft. Das Hotel enthält 
in 3 Stockwerken 400 Fremdenzimmer mit 500 Betten, außerdem 
zahlreiche SalonS, Post- und Teiegraphen-Bürean, Verkauf v. Eisen- 
bahnbillets. Die im Erdgeschoß befindlichen Speise- und Festsiile 
öffnen sich nach der Terrasse des Wintergartens. In diesem mit! 
Glasdach überdecken Raum von 75 m. Länge, 23 m. Tiefe u. 17 m! 
Höhe, welcher mit Palmen und Pflanzenaruppen geschmückt ist und1 
etwa 2000 Personen bequem aufnehmen kaun, finden täglich Conzerte 
statt. Der Hotelbetrieb wird z. Zeit von Herrn E. Strub aus Luzern 
geleitet. 
Das Grand Hotel de Rome, Charlottcnstr 4445, wurde 
1865 -76 unter Aufrechterhaltung des HütelbetriebeS von Ende n 
Bölkmann erbaut, hat 78 m. Hanptfront. 
Der Kaiserhof, Mohrenstr. 1-5, großartige Gasthof - Anlage 
Berlins 84,0 m lang, 70,7 m. tief wurde 1873—75 von v. d. Hudc 
und Hennicke erbaut, brannte am 10. Oktober 1875 theilweise ab uud 
wurde 1876'wieder im Bau vollendet. Die Logirräume bestehen in 232 
Zimmern, mit 300 Betten, der 22 in. lange u. 14 in. breite Speise- 
saal faßt 350 Personen. Kosten 6 Millionen Mark. 
Jngenieur-Dienstgebäude, Kurfürstmstr. 63—69, 72 m. lang 
in französischem illetuinanceftns 1874—75 von Gödeking erbaut, 
enthalt die Dienstwobnung des Ekfs des Jngenieur-CorpS und der 
Pioniere, sowie die BüreauS der General-Znwektiou deS Jngenieur- 
Eoros und der Rettungen uud die des Jugenieur-EomitöS. Bau¬ 
kosten 750,i 100 Mark. 
DaS Joachimsthal'sche Ghinuasium und Alumnat, gestiftet 
1507, an der Kaiierftr. nach Wilmersdon, nimmt mit den Neben¬ 
gebäuden eilte Fläche von 31,951 üm. ein. Das Hauptgebäude ist 
150 m. lang und hat 4 Geschosse. Die übriaen Gebäude si d: daS 
Wirthsckaftsaebäude mit der Alumnatskiiche im Erdgeschoß und einem 
Sveii'efaal für 2(J0 Personen, die Turiilialle, die Badeanstalt mit 
Zellen für Wannenbäder und einem Schwimmbassin von ca. flO 0 m. 
Fläche und zur Benutzung für Winter n d Scnimer eingerichtet. 
5 villenartige Gebäude enthalten Wohnungen für Lehrer. Die gro߬ 
artigen Bauten erforderten einen Kostenaufwand von ea. 3 Milli¬ 
onen Mark 
Kaiser-Galerie (Passaae) ist eine mit Glas überdeckte Ver¬ 
bindung zwischen den Linden und der Behrenstraße, 128.74 m. lang, 
7,85 m. breit und 13,50 m. hock, und wurde nach dem Entwurf 
von Kvllmann und Hei,den vom Actien-Bauverein „Passage" 1871, 
bis 1873 erbaut. Die Gebäude, unter den Linden und Behren¬ 
straße, wie die Galerie massiv im Sttjl reicher Renaissance gehalten, 
bilden eine Zierde Berlins. Die eigentliche Glasstraße „Kaiser¬ 
galerie" mit etwa 50 eleganten Magazinen ist ganz in Terra cotta 
aus der Marchschen Fabrik in Charlotteuburg ausgeführt mit Bild¬ 
werken der ersten Bildhauer, vergoldeten, schmiedeeisernen Gittern jc. 
Königl. Aammergericht, Lindenstraße 14, erbaut 1734 von, 
Gerlach. aus dem Hofe die M.irmorstatne Coeceji'S, vollständig reno- 
virt 1880. | 
Kirchen, Synagogen, Vegrübnißplähe. 
Die vorzüglichere», dureti Alter oder Bauart ausgezeichneten 
evangelischen Gotteshäuser Berlins sind: 
Die St. Bartholomäi-Kirche, m der Renen Königstraße, 
ein geschmackvoller gothischer Backsteinbau, nach Stiiler'S Entwurf 
1854—1858 durch Adler aufgeführt. Der viereckige 215' hohe Thurm'! 
endet oben in eine durchbrochene Puramide. Die Chorfenster sind mit 
Glasmalereien geschmückt. Maße: 41,42 m. zu 21,60 m., Thurmhöhej, 
63,57 m. 8! 
Der Dom oder die Hof- und Domkirche am Lustgarten. 
Friedrich II. ließ sie 1747—1750 durch Baumami (Pater) erbauen, 
1817 wurde sie nach Schinkel's Plan von Außen und im Innern 
umgestaltet. Das Aeuße, e. mit einem großen und zwei tleineren daneben 
stehenden Knppelthiirnien imponirt wenig. Im Innern das Erz- Monu- 
ment des Kurfürsten Johann Cicero (t 1499) und Joachim I.; die gehen | 
inschteGestall des Ersteren mit dem Kurhute ist oben liegend dargestellt vox' 
burgundiscden Er-gießer Dietrich. Unter diesem von sechs kleinen Säu-,i 
len getragenen Monumente, dem Fußboden gleich, die Gestalt deS 
Kurfürsten Joachim I. (f 1535) in Hochrelief, welches er bereits bet 
feiner Lebzeit (1530) vou Johann Bischer anfertigen ließ. An den Sei¬ 
ten stehen die zinnernen und vergoldeten Särge, westlich des großen 
Kurfiirite» und seines Sohnes König Friedet > I.; östlich die Särge 
der zweiten Gemahlin des großen Kurfürsten Dorothea und der zwei¬ 
ten Gemahlin Friedrich I„ Sophie Charlotte. Unter dem Dome ist 
die Mrstengruft mit einige» 80 Sargen Hohenzollernicher Fürsten 
und Fürstinnen, welche ipater in einem besonderen Mausoleum 
Platz finden werde». 
Die Dorotheenstädtische Kirche, zwischen der Mittel- uud 
Dorotheeustraße, vou der Kitrfürstm Dorothea 1673 gegründet. Im 
Innern das sehenSwerthe l'mnnortcntmal des Grasen von der Mark, 
des in seinem 9. Lebensjahre (1787) verstorbenen ©ebnes Friedrich 
Wilhelm II., von Schadow. Sarkophag, aur welch-in der Knabe iit 
ruhender Stellung abgebildet ist, von besonderer Schönheit ist die 
Gruvve der drei Parzen in Hautrelief. In den Jahren 1860-1862 
wurde die Kirche von Habelt gänzlich umgebaut. . 
Die Dreifaltigkeits-Kirche an der Mauerstraße ist 1737 
bis 1739 „ach Favrö's Nissen von Nauniann (Vater) in runder Form 
mit einer Kuppel erbaut. Als Schauplatz der Wirksamkeit Schleier-
	        
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