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Volume V. Berliner Jahrbuch enthaltend das Wissens= und Sehenswürdigste der Stadt, die neuesten Gesetze etc. 5. Oeffentliche Gebäude und Anstalten für Zwecke des Unterrichts und der Wissenschaften

Full text: Berliner Adreßbuch (Public Domain) Issue1873 (Public Domain)

V.T. 
— 16 — 
Sehenswürdigkeiten. 
Die St. ThomaS-Kirche, am Mariannen-Plab, 1864- 
1868 erbaut, Backsteiubau von Pros. Adler im romanischen Re> 
naifiaitccftt)! mit Sinket und »h?ci abgeflachten Thürmen. 
Katholische Kirchen. Die St. He dwigS-Kirche, am 
Opernhaus-Platze, nach dein Borbilde der Maria« Rowuda in 
Rom, 1748 im Bau begonnen und erst 1773 von Boumaim, dem 
Vater, vollendet, von dem auch der Bau der mächtigen Kuppel 
herrührt. Das prächtige Portal ließ der Cardinal Guerrini. wie 
die lateinische Inschrift am Giebel zeigt, au! seine Kosten erbauen. 
Derselbe liefe auch die Gruppe am Hochaltar auS carrarisckem 
Marmor anfertigen. An den Fenstern stehen die Bildsäulen der 
zwölf Apostel aus Sandstein. 
Die St. Michael'S-Kirche, auf dem Michael-Kirch-Plahe 
frei gelegen, nach Soller'S Entwürfen 185ti—1860 im Rund- 
bcgenftdl erbaut. Aus der Spitze der Giebels übet dem Haupt« 
portal steht die vergoldete Statue des heil. Michael von Kiß. 
Der schone 150' hohe Kuppelthurm steht über der Attarseite. 
Das Altarbild: die ,,.ftrcmc6abnahmc" tft ion BegaS. Diese 
Kirche ist katholische Garnii'onkirckic. 
Die Neue Synagoge in der Oramenburgerstraße, im 
maurischen Style 1859—1863 nach dem Plane des Bauraths 
Knoblauch begonnen und von Stiller vollendet. Dar prächtige 
Bauwerk hat eine hohe und zwei kleine Kuppeln. Drei Bronee- 
thümt führen in da« reich geschmückte Innere. Durch eine Ro¬ 
tunde und eine Verhalle gelangt man in die kleine Synagoge, 
für den Wocherigottesdienst bestimmt. Die folgende Hauptsynagoge 
in Farbenpracht strahlend, enthält 3000 Sitzplätze. Den höchsten 
Glanz und Lichteffect bildet schließlich die Stelle der heil. Bundes- 
Lade, 6« welker Marmorstufen führen. 
Kirchhöfe. Die gri>6tm, die Ruhestätten berühmter Männer 
bergenden und sich durch monumentalen Schmuck auszeichnenden, 
sind: 
1) der Dorotheenstädtische Kirchhof in der Chausseestraße am 
Oranieubnrger Thore; 
2) der Jnvaliden-Kirchho! in der Scharnhvrstsrraße am Ham¬ 
burger Bahnhos; 
3) der Zerusalemer und der Neue Kirchhof vor dem Halleschen 
Thore in der Delle-Allianeestraße, mit einem Leicheuhause 
zur Errettung Dem Scheintodc. 
Die Grabmoiinmente berühmter Männer siebe unter „Denk¬ 
mäler und Standbilder." 
5. Ocffcntliche Gebäude und Anstalten für Zwecke 
des Unterrichts und der Wissenschaften. 
Universikätö-Gebäude, dem Opernhaus«: gegenüber, ehe¬ 
mals Palais des Prinzen Heinrich von Preußen, Bruders 
ftriedrich« des Großen, 1754—1764 von Boumann, dem Vater, 
in einem schönen Style erbaut, mit zwei vorspringenden Flügeln, 
welche einen großen, mit Gartenanlagen geschmückten Verhol 
bilden, der nach der Straße zu durck ein Giscngitter geschlossen 
ist. Der 18U9 gestifteten Friedrich-Wilhelmö-Universität wurde 
das Gebäude übergeben und dieselbe am 15. October 1810 darin 
eröffnet. 1844 und 1815 wurde eS gänzlich renovirt; auch wurden 
die Sammlungen der Universität darin ausgenommen, als: ana¬ 
tomisches Museum (BesilchSzeitMittwo-ti undSonnabendL—4Uhr), 
zoologisches Museum (Dienstag und Freitag 12—2 Ubr), minera¬ 
logisches Muienm (Mittwoch und Sonnabend 12—2Uhr), christliches 
Mnieum (Mittwoch 12—1 Ubr), (liturgische, physiologische und 
physikalische Sammlungen. Kleiner botanischer Garten. 
Bibliothek der Universität, einstweilen noch Stauben* 
strafe 29, zählt mit Einschluß der vorn Geh. Rath Pros. B'ockh 
vermachten 12,000 an 90,000 Bände. Täglich, Sonnabend und 
Sonntag ausgenommen, von 12—2 Uhr geöffnet. 
Königliche Bibliothek, am Opemplahe, ließ Friedrich II. 
1775—1781) nach Unger's Entwürfen den Sboumaitn erbauen. 
5,11t unteren Stock befinden sich rechts die Säle zur Aufstellung 
der Kartenwerke, links der Lesesaal und das Journalzimmer. 
Die Bibliothek im oberen,Stvck zählt ungefähr700,000 Bde. 
und 15,000 Mannscripte, außerdem für die ältere Musik wichtige 
musikalische Werke. Die erste Luftpumpe Otto's von Guencke. 
Das Lesezimmer ist an den Wochentagen von 9—4 Uhr geöffnet. 
Die Akademie der Wissenschaften, auf Veranlassung der 
Kurfiirstin Sophie Charlotte nach MlmtVi; Plan am 11. Juli 
1700 gegründet, 1743 von Friedrich II. zu einer Königlichen 
Akademie erhoben. — Sitzungen der Mitglieder Donnerstag«, 
öffentliche nur an den Geburtstagen des regierenden Königs, 
Friedrich II. (24. Januar) und Leibnib's (5. Juli). 
Königl. Bau - Akademie, am Schinkcl - Platz, nahe der 
Schleuienbrücke; Backsteinbau, 1835 nach Schinkel's Entwürfen 
aufgeführt. Im Treppenflur die Kolossalbüste des 1860 verstor¬ 
benen Gmeral-Bau-Directvrs Mellin. Im dritten Stock befindet 
sich dos Beuth-Schinkel-Museuw mit den Sammlungen Beider; 
ftfetre enthalten Bouzeichnungen, landschaftliche und andere Skizzen. 
Äönigl. ?6erg-Akademie, Lustgärten 6, im ehemaligen 
DSrseugebäude, besitzt eine ansehnliche Mineraliensammlung. 
Gewerbe-Akademie, Klosterstraße 35 il 36. 1820 als Ge¬ 
werbe-Institut gestiftet, in neuerer Zeit sehr erweitert und zur 
Akademie erbeben; mit Bibliothek von 22,000 Bänden; Ma 
schineu-Modell-Sammlunz; technologische Sammlungen; (Sefa&< 
Sammlung; GypS-Abgüsse von Ornamenten, Figuren und An¬ 
tike«. Besichtigung nach Anfrage beim Streckt. 
KriegS > Akademie, Burgstraße 19, 1810 born General 
v. Scharnhorst errichtet. Offiziere, welche bereits drei Jahre in 
der Armee gedient haben, werden zur weitem Ausbildung in 
dieselbe aufgenommen. 
Artillerie- und Ingenieur-Schule. Unter den Linden 74, 
1822 erbaut, zur Ausbildung von Artillerie- und Ingenieur- 
Officieren bestimmt. 
Cadrttenhans, Neue Friedrichstraße 13, ließ Friedrich 
der Große nach llnger's Plänen erbauen, mit der Inschrift: 
Martis3tItinervaealunmis. SchenSwerthist derFeldmarschallS- 
faaf mit den Bildnisse» der preußischen Regenten seit dem großen 
Kurfürsten und aller preußischen Feldmarschälle. Blücher schenkte 
hierher den nach der Schlachtxvcn Belle-AMance 1815 erbeuteten 
Degen Napoleons. — Die Marmorstandbilder der Helden bei 
7 jährigen Krieges sind voin Wilhelmsplade hierher gebracht. 
flönifll. Zeugliariö. dem Kronprinzlichen Palais gegrn« 
übet, ein architektonisch schönes Gebäude, 1695 nach Nering'S 
Plan im Bau begonnen und 1708 von Joh. de Bodt vollendet 
Ueber dem Hauptportal in einer Vertiefung das in Er; gegossene 
und vergoldete Brustbild des KönigS Fri cd ri ch SI. — Außen über 
den Fenstern verschieden geformte antike Helme und im Hofe Mc 
berühmten „Larven sterbender Krieg er" nach ©* littet’8 plaftifd en 
Darstellungen. — Im Innern Waffen und Trophäen, gesä'Mick 
voll geordnet — Eingang an der Siiiduite, Mittwoch und @wm> 
abeitbS—4-Uljr gegen Kntrittskarten geöffnet, welche Tag« zuvor 
im Portale am föießhaufe zwischen 2 und 3 zu entnehmen sind 
Festungsnrodell-Haus, Kövnickerstraße 11, enthält 18 Mo¬ 
delle franU'fiid'cr Festungen, welche 1815 aus SemHßtel des 
Invalides zu PariS entnommen wurden. Besuchszeit 9—2 Ubr 
Montags und Donnerstags. Die preußischen Modelle nur aus 
kriegSministerielle Erlaubniß gezeigt. 
Gymnasien sind nach der Zeit ihrer Entstehung folgende: 
1) Berlinisches Gymnasium zum grauen Kloster, Klostersir. 74, 
im ehemaligen FranziSkaner-Klester, 1574 gestiftet. 
2) Joachimsthaliches Gymnasium, Burgstr. 21 u. 22, auf dem 
Jagdschlösse Joachimsthal 1607 gegründet, 1650 nach Berlin 
nnd 1717 in die jetzigen Gebäude verlegt. 
3) Friedrich-Werdersches Gvmnasium, Wcrderfcher Markt 7. 
1683 gegründet. 
4) FranzLshcheS Gymnasium, einstweilen noch Niederlagstraße 1 
imi 2,16o9 als College royal fran?ais gestiftet. 
5) Friedrich-WilhelmS-Ättmnasiurn, Friedrichstr. 41 lt. 42, 1797 
gestiftet, seit 1805 im jetzigen Gebäude. 
8) Kollnisches Real - Gymnasium. jetzt Jnirfftr. 2—5, neues, 
schönes Gebäude, seit 1824 als Gymnasium bestehend. 
7) FriedrichS-Gynmasium, Friedrichstraße 126. 
8) WilhelmS-Gyninasium, Bellevueftraße 15. 
9) Scuifenftattifd'cS Gymnasium. Brandenburgstr. 37. 
10) Sophien-Gymnasium, Weinmeistersn:. 15. 
Laboratorium» chemisches, zur Universität gehörig, Geer- 
aenstraße 34—38. bis zur DorotheenstraßelO durchgehend, teo die 
Wohnung des Direetor«. Baiksteinban im Rundbogenstvh eme 
der schönsten Neubauten der Stadt. Ueber den Fenstern des Erd- 
gefchosses 14 Relief-Bildnisse berühmter Chemiker. Große efrene 
Lorhalle. deren Kreuzgewölbe von zwei Sandsteinsäulen getragen 
wird. Die Granittreppe des Treppenhauses führt zu drei Labo¬ 
ratorien im I. Stock. Das Auditorium daneben hat 40' im ©e 
viert und 37' Hohe. Die Baukosten betrugen 320,000 Thlr. 
Friedrich-Wilhelms-Jnsti tut. Kimigl. Medizin.-chirurg 
(früher P6pini6re genannt), Friedrichstr. 139—141, von Fricdria' 
Wilhelm II. 1795 gegründet, 182l> in daS jetzige große Gebandc 
verlegt. Befähigte Zöglinge werden hier vier Jahre auf Mmgl 
Kosten wissenschaftlich ausgebildet, und haben dann die Ver¬ 
pflichtung 8 Jahre in der Armee als Aerzte zu dienen. 
Anatomisches Museum, im linken Sliigvl der Universitäts« 
Gebäudes, Mittwochs und Sonnabends von 2—4 Uhr auf An¬ 
frage zu besichtigen; enthalt 25,000 Nummern in 6 Räumen. 
Anatomisches Theater, im ©arten der Thicrarzneischnle, 
1863 und 1864 von natursarbeneu Bausteinen geschmackvoll erbaut 
Königl. Thierorzneikchule. Louisenstraße 58 und Thicr- 
arzneischul-Plad 5, Da» Gebäude, mit der Faxadc nach der 
Louiienstratze, wurde 1840 vorn Hofbaurath Hesse neu auvgciul)ti. 
Die Anstalt, 1798 von Rncdtich Wilhelm III. gestiftet,.hat Ute 
Bestimmung, Roßärzte für die Armee und Schmälzte Tür das
	        
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