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Full text: Berliner Adreßbuch (Public Domain) Issue1936 (Public Domain)

versieht; die Bordeaux- und Burgunder¬ 
weine dieses Hauses sind weit gerühmt. 
In der Nähe hat sich aus dem „Ersten 
Bouillonkeller'' eine Weinstube ent¬ 
wickelt, die die Pflege des Moselweins 
übernommen hat. So manches Lokal ist 
mit der Erinnerung an Berliner Per¬ 
sönlichkeiten verknüpft, ob es sich 
nun um E. Th. A. Hoffmann, Ludwig 
Devrient, Theodor Fontäne, Stinde oder 
Zille handelt. — In der Gegend des 
Schlosses gibt es ein paar Kellerlokale, 
die auf ein ehrwürdiges Alter zurück¬ 
blicken und die mit Vorliebe von 
Künstlern, Bankiers und Offizieren zur 
Frühstückszeit aufgesucht werden. 
Die Feinschmecker brauchen nicht 
weit zu gehen oder zu fahren. Jeder 
Stadtteil bietet ihnen den Aufenthalt 
und die Genüsse, die sie suchen. Die 
Bouillabaisse der Südfranzosen, ein 
Fischgericht, das sich zunehmender 
Beliebtheit erfreut, bekommt man zur 
Zeit in einem Dutzend Berliner Gast¬ 
stätten. 
Und wer die heimatlichen Gerichte 
nicht missen will, wer Maultaschen, 
Schützenwurst, Rundstück, Labskaus, 
Himmel und Erde, Bodenseefelchen, 
Gselchtes, Mohnpielen, Stremellachs 
oder Gdnsefettbemmchen haben will, 
erhält alles ohne Schwierigkeiten. 
Und nicht nur, daß man in Berlin die 
Küche der ganzen deutschen Heimat 
pflegt, auch die Ausländer kommen auf 
ihre Rechnung. Der Schwede, der das 
kalte Büfett liebt; der Italiener, der 
nach der Lista delle vivande wählen 
will und sich nach Ravioli, Saltimbocca 
oder Amaretti sehnt; der Engländer, 
der nach Beefsteak oder Pfefferminz¬ 
tunke ruft; der Amerikaner, der einen 
High-Ball trinken will; der Ungar, der 
ohne Paprika, Szegediner Gulasch oder 
Tafelspitz nicht auskommen kann; der 
Japaner, der auf Sashimi (Zanderfleisch) 
und Watanabe (Pfannengericht) be¬ 
gierig ist; der Chinese, den nach Choa- 
Lo-Lye-Zi (Ragout) hungert; der Per¬ 
ser, der von _ gefüllten Weinblättern 
träumt; der Ägypter, der sich Lüla 
Kebab erhofft; der Inder, der eine Reis¬ 
tafel bestellt; der Türke, der Baklawa 
(Eierspeise) oder Pilaw haben muß; 
der russisch sprechende Fremde, dem 
Bittki Skobeleff und Kotelette Pojarsky 
lebensnotwendig sind — jeder wird in 
einer Umgebung, die den Original¬ 
gerichten auch in der Raumgestaltung 
entspricht, finden, was er sucht. 
KREUZ UND QUER 
Jemand, der Berlin in seinen Elementen 
erforschen will, darf nicht vorübergehen 
an den Unterhaltungen, die abseits 
der internationalen, weitbürgerlichen 
Straßen zu finden sind. 
Dem Berliner des Nordens und der 
Vorstädte ist der gewohnheitsmäßige 
Zauberwelt des 
Berliner Westens 
Ein Stadtviertel mit eige¬ 
nem Reiz, bevorzugtes 
Ziel aller Fremden, de¬ 
nen Namen wie Kur¬ 
fürstendamm, Gedächt¬ 
niskirche usw. schon seit 
langem ein Begriff sind 
Aufnahme Schert 
Rechts: Eine Stätte der 
beschwingten Abend¬ 
unterhaltung 
Jeder wird für seinen 
Geschmack das rechte 
finden: kleine intime Lo¬ 
kale, große pomphafte 
Vergnügungsstätten und 
überall gute Musik 
Aufnahme Scherl-Btlderiunsl 
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