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Full text: Berliner Adreßbuch (Public Domain) Issue1936 (Public Domain)

HANS HÖMBERG 
BERLIN AM ABEND 
VIERTEL DER TAUSEND LICHTER 
Wenn man sich mit dem Flugzeug der Metropole zur Abend¬ 
stunde nähert, dann verraten die schnurgeraden und winkligen 
Lampenlinien, wo sich die Straßen der Arbeit, der Autos, der 
Zerstreuungen und der Mode befinden. Trifft man mit den 
Zügen auf den Bahnhöfen ein, dann muß man sich manch¬ 
mal — wie es auf der ganzen Welt üblich ist — zunächst den 
Weg bahnen, bis man auf das eigentliche Gesicht der Großstadt 
stößt. 
Vorn Flughafen bis weit hinauf in den Norden, vorüber am 
Bahnhof Friedrichstraße, spannt sir'i der Broadway der Berliner 
City: die Friedrichstraße. Sie ist die klassische Bummelstraße 
der Innenstadt, sie wahrt die Vergnügungstradition; ihre 
Schönheit ist die Abendschönheit. Ihren Ruf bezieht sie vorn 
Ende des vorigen Jahrhunderts, der auch heute noch in un- 
gemindertem Glänze strahlt, wenn auch andere Viertel, vor 
allem der Westen, seit jüngster Zeit im Aufgebot abendlicher 
Unterhaltungen wetteifern. 
Kaum hat man die Entdeckung c .eser Flanierstraße hinter sich 
gebracht, muß man andere Feststellungen machen. In engster 
Nachbarschaft mit dem Viertel ohne Langeweile, ja sogar mit 
ihm verwoben, stößt man auf steinerne Prachtstraßen, auf 
Boulevards und Parkanlagen, auf die Stimmung verträumter 
Ruhe und schöner Landschaftlichkeit. 
Man lernt die „Linden" kennen, den Landwehrkanal und seine 
Kastanienbäume, das Geheimratsviertel rund um den Lützow- 
platz: den alten Westen. Nun ist’s nur noch ein Katzensprung 
zum neuen Westen, diesem Viertel, das den Fremden am ehesten 
an seine Heimat erinnert: an Paris, an London oder New York. 
So vielfältig, wie sich Berlin in seinen Stadtbezirken zeigt, so 
vielfältig sind die Möglichkeiten, die sich den Gästen auf den 
Gebieten der Zerstreuung, Unterhaltung, Belehrung, Sport, 
Mode und Gaumenfreude zeigen. 
Ob man im Zentrum der Stadt weilt, in der Bahnhofsgegend 
oder im Westen, nirgends braucht man den Fünfuhrtee zu 
vermissen. Die größten und glänzendsten Hotelhallen stehen 
bereit; Dachgärten mit spiegelklaren Tanzflächen inmitten 
eines wahren Botanischen Gartens ziehen die Besucher an; 
und manche Hoteldiele übt einen besonderen Reiz aus, weil 
man weiß, daß hier die bekanntesten Schauspieler, die belieb¬ 
testen Sänger und andere gefeierte Künstler sich ein Stelldichein 
zu geben pflegen. 
Friedrichstraße bei Nacht Es ist nicht nur die Nähe der Fernbahnhöfe, die den Fremden gewöhnlich zunächst in die Friedrich- 
i stadt wandern läßt, es ist auch der Ruf, daß sich hier dos klassische Viertel der Vergnügungs- und Unterhaltungsstätten befindet. Dieser Ruf 
j stammt aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts und hat auch heute noch seinen Glanz, wenn auch andere Viertel, vor allem der Westen, 
seif neuerer Zeit in dem Aufgebot abendlicher Unterhaltungsmöglichkeiten wetteifern Aulnahme Sehen 
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