fullscreen: Adolf Stoecker / Braun, Max (Public Domain)

Babel oder Jerusalem? 41 
IV. 
Babel oder Jerusalem? 
„Brennpunkte der Zivilisation 
hat man die Großstädte genannt. 
Sie sind auch Brennpunkte; es 
ist nur die Frage, wovon sie 
brennen“. 
Berlin! — Ein Meer — mit herrlichem Spiegel, mit 
grauenvollen Gründen ... ein Ozean — unter Sternen 
und Stürmen ... Unzählige im deutschen Volk sind auf 
seine lichte Höhe gefahren zu erfolgreicher Arbeit, zu Glück 
und Glanz; zahllose andere sind in seinen wilden, dunklen 
Fluten gesunken, ertrunken ... 
Mit ungeschwächter, ja, mit immer sich erneuernder 
Kraft ladet, lockt, zwingt es ... nach Berlin! ... Adolf 
Stoecker vernahm den Ruf mit frohem Mute und 
zog in die Reichshauptstadt ein. Wenn ein Pastor auf dem 
Lande, im kleinen Orte, seinen Einzug hält, so ist ihm 
ein feierlicher Willkomm der Gemeinde sicher. Das be— 
kränzte Pfarrhaus, die gefüllte Speisekammer, Sang und 
Klang begrüßen ihn, und man gibt ein Festmahl zu seinen 
Ehren. Und in Berlin? O, da fragt zunächst niemand 
nach ihm, auch wenn er, ein gesegneter und geliebter Hirte, 
in der alten Gemeinde soeben weggefeiert war mit vielen 
Tränen. Emil Frommel erzählt humorvoll über seinen 
Einzug in der Weltstadt, daß seine alte Gemeinde geglaubt 
habe, der König selbst würde ihn in Empfang nehmen; 
es wäre aber nur die Droschke Nr. 2894 gewesen, die 
sich seiner angenommen. Aehnlich erging es Adolf Stoecker. 
Doch fand er mit seiner Frau in der Hindersinstraße, wo 
das Dompfarrhaus liegt, bei der befreundeten Witwe eines 
in der Schlacht von St. Privat gefallenen Obersten einen 
sehr freundlichen Willkomm. Auch seine drei Amtsbrüder
	        
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