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Unterschied nicht, er liegt vielmehr in dem verschiedenen
Anschauungskreise, den uns die Stücke von damals und
heute vor Augen führen. Auch in dem Schlechten, was
uns die jetzt lebende Stunde bringt, ist etwas von wohl—
tuend freier Bewegung erkennbar, während selbst das ver—
hältnismäßig Gute jener Tage den Eindruck einer peinlichen
Kleinheit und Enge auf uns macht. Es gab nur drei
Gesprächsstoffe: Hof, Armee und Theater; und das Fehlen
aller großen, einer Teilnahme würdigen Interessen schuf
eine Sterilität des Daseins, von der die Lustspiele jener
Zeit und unter ihnen auch der „Ball zu Ellerbrunn“ ein
nur zu getreues Abbild geben.
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Paimund.
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Der Verschwender.
13. Dezember 1874.
Zum Besten der Genossenschaft Deutscher Bühnen—
angehöriger war letzten Sonntag eine Matinee im könig—
lichen Opernhause veranstaltet und Raimunds „Ver—
schwender“ für die Darstellung gewählt worden. Eine
vorzügliche Wahl auch rein äußerlich schon dadurch,
daß die dem Stücke zugehörigen Gesangspiecen unserm
Opernhauspersonal oder doch einigen seiner hervorragen—
den Mitglieder Gelegenheit gaben, sich an der Auf—
führung zu beteiligen. Herr Direktor Jauner vom
Carltheater in Wien hatte die Rolle des Valentin
übernommen. Zudem waren selbst die kleinsten Partien