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Da Donna IsabeUa, der Gattin von Franz, ein Junge versagt
geblieben, tat sie alles, um Mutter eines Knaben zu werden.
Sie nahm unter anderem täglich ein Pulver, das ein spanischer
Arzt ihr für den Zweck verschrieben. Aber das Pulver nutzte
nichts, denn Franz ignorierte die Gattin in jeder Beziehung.
In ihrer Verzweiflung, wandte sich Isabella, etwas Liebe
flehend, an Franzens Bruder, an den Kardinal Ferdinand. Dieser
liebte im Stillen längst die Schwägerin und er haßte den
Bruder, weil er ihm nicht mehr die
Schulden bezahlen wollte.
Kurzum, Don Philipp kam zur
gleichen Zeit zur Welt wie Don
Antonio, und Franz bildete sich
ein, auch hier der Vater zu sein,
indem ihm Isabella mitteilte, er,
der Gatte, habe sich ihr eines
Nachts im Rausche vom Falerner
genähert.
Eines Tages gerieten die Damen
heftig in Streit und da die beiden
Jungen das gleiche Tragkissen
muster besaßen, so spielte der Zu
fall eine unangenehme Rohe. Die
Mütter erkannten ihre Kinder, die
sich wie alle Babys sehr ähnlich
sahen, nicht mehr von einander,
denn die Ammen hatten sich
wegen des Streites zurückgezogen.
Isabella schrie, daß Antonio ihr
Knabe sei, während Bianca das
selbe behauptete. Fast hätten die
Damen zum Dolch gegriffen, da
erschien Franz. Er befahl, daß die
Kinder gemeinsam von einer Gou
vernante inskünftig zu erziehen
seien und trennte die Streitenden, indfem er Philipp von An
tonio ebenfaEs nicht zu unterscheiden vermochte.
„Ich bin der Vater“, sagte er selbstherrlich, „das ist ein
mal nun sicher.“
Da schwiegen die Frauen, denn sie waren sich ihrer Schuld
bewußt; jede nach ihrer Art. Franz aber lächelte, als er in
der Nacht im Bette lag und darüber nachdachte, daß beide
Söhne ihr Leben ihm verdankten und keinem Anderen . • .
Der spanische Qe.sand.te.
Noch im Jahre 1799 war es Sitte, den Busen ganz offen zu
tragen. Eine Dame der GeseUschaft war sehr dekolletiert und
trotz der sonst zur Schau getragenen Prüderei nahm kein
Mensch Anstoß an ihrer „Offenherzigkeit“.
Die Herren besaßen nicht die Lüsternheit der Jetztzeit, und
kein Staatsanwalt opponierte, wenn ein Mode- oder Zcit-
schriftenbild mit einer halben Eva in Frankreich oder Deutsch
land erschienen war. Es war eben Mode und so Mode.
Nun kam aus Spanien, das immer den Ruf der Sittenstrenge,
wenn auch der verlogensten, besaß, der Gesandte an den Hof
eines deutschen Duodezstaates.
Es war große Fete, denn der Fürst woüte ein Bündnis feiern,
das er mit seinem Nachbarstaate abgeschlossen hatte. Die
Damen tanzten Menuett und Gavotte. Ihre schneeweißen
Glieder leuchteten unter dem
KristaE-Leuchter, und der Spanier
zitterte vor Erregung in einer
stillen Ecke. Im Geiste huschten
Liebesgötter um ihn herum und
er schloß selig die Augen.
Nachdem der Zauber vorüber
war und er mit dem Fürsten bei
einem Glas Champagner saß, nahm
sein Gesicht die Steifheit einer
Herzog-Alba-Visage an.
„Durchlaucht“, sagte er, „es ist
eine Schmach, wie die deutschen
Damen an Hoffesten herumlaufen.“
„Wieso?“, fragte erstaunt der
Fürst, „Sie tun ja nichts Böses,
diese Frauen.“
Der Spanier sah ihn starr an:
„Aber sie erregen Lüsternheiten
und solche erzeugen böse Taten.“
Und plötzlich fuhr ihm das Wort
’fj i,, heraus: „Ich bin ein Südländer,
— i c h habe Temperament; bestimmen
Sie eine Frau, mit der ich zärtlich
sein kann.“
Der Fürst besann sich und
lächelte . . .
„Morgen früh!“, erklärte er und am anderen Tage besteEte
er den Spanier an die Weser in eine Frauen-Badeanstalt,
Bei einem Astloch soEte er entscheiden, welche der Schönen
ihm am besten gefiele. Die Damen waren nicht zurecfatgemacht,
nicht gepudert, nicht geschminkt. Sie stiegen in die Weser.
„Das sind die Frauen von gestern?“, entsetzte sich der Ge
sandte. Er hielt sich die Augen zu. „Jammer! Jammer!“
„Ich fahre sofort nach Spanien, zu den zugeknöpften Anda-
lusierinnen“, entschied er. „Wie konnte ich nur eine so er
regte Nacht nach dem BaE Euer Durchlaucht erleben?“,
fragte er,
Durchlaucht war ein Philosoph:
„Das machen die zugeknöpften Damen am Ebro. . . Durch
sie erscheinen unsere halboffenen Hoffräulein als Venusse . . .
und als was entpuppten sie sich nun, ExzeEenz?“, fragte
Durchlaucht.
Jener erwiderte hart und fast ungezogen: „Als ungewaschene,
badende, zweibeinige, deutsche Säugetiere.“
HIMMEL ODER HÖLLE?
Ein Mann, der ungLückLich verheiratet war, Lammt in den
HimmeL. Er soff drohen auch etnmaL etwas Schönes erLehen.
Per aspera ad astra.
*
Ein Mann, der gLückLich an der Seite seiner Trau dahin *
Lebte, soff den TeufeL in der Höffe kennen Lernen. Gerechtigkeit
muß sein.
Ein Mann, der nie verheiratet war, kommt in die Höffe
Er hat zuvieL HimmeL auf Erden genossen.
*
Ein Mann, der zum zweiten oder dritten MaL sich verheiratete
darf nach dieser EntgLeisung ein paar kLeine EngeL im HimmeL
wohL kennen Lernen, er muß aßer für seine Trauen • Sehnsucht
den Kopf mindestens einmaL in das Höffenfeuer stechen. E.H.5