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Band H. 1

Volltext: Berliner Wespen / Wehl, Feodor (Public Domain) Ausgabe 1843 (Public Domain)

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Reflation. Große Componi'sten haben Musik, die zu 
Gedanken wird, Berlioz hat Gedanken, die zu Musik 
werden. Alles, was in ihm reif und fertig wird, macht 
er zu Musik; Musik fängt erst da bei ihm an, wo 
sie bei Andern aufhört. Andere nämlich machen Musik 
aus dem, was unreif und unfertig, was ohne Gestalt, 
erst in Musik sich zu gestalten sucht; Berlioz hat 
Gestalten, Formen, Figuren, die sich umgekehrt erst in 
der Musik wieder aufzulösen suchen. Ich möchte 
sagen: Andere bauen in der Musik, Berlioz zer 
trümmert in der Musik. 
Jedenfalls ist Berlioz eine eigenthümliche Er 
scheinung unserer Zeit. Er will Dichter und Maler 
zugleich mit dem Musiker sein. Er malt Dekorationen: 
Berge, Wälder, Seeen, Thäler, Hütten, Paläste; er 
malt sie bei allen Beleuchtungen: Sonn'- und Mondcn- 
schein, Morgen- und Abendlichl; er dichtet Tragödien, 
Dramen und Lustspiele, die unter diesen musikalischen 
Dekorationen in musikalischer Sprache, in Versen und 
Prosa, dargestellt werden sollen; aber er malt und 
dichter leider nur so lange, so lange er eben nicht mu- 
sicirt, so lange Dichter und Maler nicht Musiker 
werden. Dichter und Maler bauen eine unsichtbare 
Welt in ihm, in der Musik hören wir nur wie sie 
auseinander fällt. 
Dennoch aber, oder eben deswegen vielmehr, liegt 
etwas Großes, etwas Gewaltiges in seinen Compost- 
tionen, das wunderbar anzieht und sesielt, wenn es 
auch nicht wohlthut, erhebt und begeistert. Man 
schwindelt manchmal bei seiner Musik und steht wie 
in ein Chaos, in dem Harmonie und Disharmonie,
	        
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