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Full text: Adressbuch für Berlin und seine Vororte Issue 1902

Jeder, der in die traurige Lage versetzt 
wird, für einen seiner Angehörigen eine 
Beerdigung vornehmen zu müssen, 
wende sich direct wegen Ankaufs eines 
Sarges oder wegen'Besorgung sämmtl. 
Beerdigungs-Angelegenheiten persönlich 
an ein altes bekanntes Beerdigungs¬ 
institut oder Sarg-Magazin und lasse 
sich von keiner ihm unbekannten Person 
Empfehlungen oder Rathschläge ertheilen, 
da alle derartigen Manipulationen auf Extra- 
GeWinn und Uebertheuerungen berechnet 
sind. 
I. Geschäft; 
S.W., Schützenstfasse 12. 
Amt 1,1996. ' 
II. Geschäft: 
W., Schilistrasse 12. 
Amt VI, 4546. 
Stirbt ein Familienfflitglied, so werden 
die Hinterbliebenen, welche die Be¬ 
stattung der Leiche - vorzunehmen 
haben, in vielen Fällen von unbekannten, 
aufdringlichen Menschen-belästigt, um 
ihnen einen Sarg oder sonstige Gegen¬ 
stände auszuschwätzen; was sich hinterher 
bei ruhiger Ueberlegung als ein Verstoss 
gegen Anstand und Sitte von Seiten der 
Verkäufer, herausstellt, und, sicher nicht 
viel hinter dem unlauteren Wettbewerb 
zurückbleibt. 
n/Feine nebenstehenden Ausführungen sollen den Zweck haben, das geehrte Publikum und Alle, welche in 
y VI .die traurige Lage gerathen, einen Sarg etc beschaffen zu müssen, auf die heutigen ungesunden Verhält- 
' nisse in verschiedenen Zweigen der Sarg- und Beerdigungs-Branchen aufzuklären. Bei Anschaffung 
dieses selbst Niemandem angenehmen Gegenstandes ist die grösste Vorsicht geboten. Gerade bei der letzten 
Anschaffung für den Verblichenen erfordert es die Pietät, die Beerdigungs-Angelegenheiten in reeller und 
zuverlässiger Weise ausführen zu lassen. 
Gegründet 
1830. 
Gegründet 
1830. 
On parle frangais. 
Grösster Transport nach ausserhalb. 
1 ßrieieisen. 
Sarg-Magazin. - Beerdigungs-lnstiluL 
Vie die Hinterbliebenen zuweilen in 
dem Moment eines Todesfalles aus¬ 
genutzt werden, beweist oft die un¬ 
verschämte Art und Weise gewisser Sarg¬ 
händler, welche ohne jede Rücksicht der 
Lage eines Trauernden sich in die Trauer¬ 
häuser schleichen, um im Moment des Hin¬ 
scheiden des Kranken schon das Geschäft¬ 
liche auszunutzen. Auf solche Weise gelingt 
es meistens, die Hinterbliebenen zu etwas 
zu bestimmen, was dieselben in einem 
ruhigen Augenblick gewiss nicht gethan 
hätten, da erst später bei reiflicher Ueber¬ 
legung und Ruhe die Nachtheile der Uebr- 
eilung erkannt werden. 
X ficht nur einzelne unreelle Sargge 
J i| Schäfte rechnen mit dem Moment 
/ der Aufregung der Hinterbliebenen, 
sondern diese stehen häufig mit anderen 
dienst- und verdienstbaren Geistt m in 
Geschäftsverbindung, und auch diese ar¬ 
beiten Hand in Hand, um die Trauernden 
zu grösseren Ausgaben zu veranlassen, 
damit sie sich Alle in den Verdienst 
theilen können. Leider ist es oft zu spät 
lind auch unangenehm gegen derartige 
Manöver die Gerichte anzurufen, da gerade 
hier die Beweise des Betruges zu schwer 
sich erbringen lassen 
I. Geschäft; 
S.W., Schützenstrasse 52 
Amt I, 1996. 
II. Geschäft! 
W., Schilistrasse 12. 
Amt VI, 4546.
        
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