Path:
Text

Full text: Zum Kloster Lehnin

— 27 - 
der Kräfte gespürt hatte, war der Traum die dringende 
Mahnung geworden, an das Ende zu denken, sein Haus zu 
bestellen und für seine letzte Ruhestätte Sorge zu tragen. 
Er baute also an dieser Stätte ein Kloster, welches 
bereits am 5. April 1183 von zwölf Cisterzienser Mönchen, die 
mit eben so vielen Laienbrüdern unter der Führung des 
Abtes Siebold aus Sittichenbach bei Eisleben eintrafen, be 
zogen wurde. Der Markgraf hatte hierbei im Auge, erstens 
durch die Christianisierung der rund um Lehnin wohnenden 
heidnischen Wenden ein gottgefälliges Werk zu schaffen, 
und zweitens durch die überaus arbeitsamen, ackerbau 
treibenden Mönche die sumpfige Gegend zu einer fruchtbaren 
umzugestalten. — 
Das Kloster Lehnin gelangte zu hoher Blüte und grossem 
Reichtum, aus ihm gingen die Töchterklöster: Paradies 1234, 
Chorin 1273 und Himmelpfort 1299 hervor. Elf askanische. 
sowie drei hohenzollernsche Markgrafen fanden hier ihre letzte 
Ruhestätte. Bei der Säkularisierung des Kloster 1512 ge 
hörten demselben die Stadt Werder, sowie 64 Dörfer und 
45 Seeen. 
Lange Jahre kümmerte sich dann Niemand um die alten 
Klostergebäude, bis Kronprinz Friedrich Wilhelm, „unser 
Fritz“, die nötigsten Reparaturen vornehmen und Erhaltungs- 
massregeln treffen liess. 
Treten wir eine Besichtigung an. 
Die Kirche, ist eine dreischiffige, kreuzförmige Pfeiler- 
Basilika mit einschiffigem Chor und halbrunder Apsis. An den 
Stufen zum Chor istein Ueberbleibsel jenes Eichenstamines ein 
gemauert, unter dem Otto den vorerwähnten Traum gehabt; 
an der linken Wand befindet sich der Grabstein des Mark 
grafen Otto VI., Schwiegersohn Kaiser Rudolfs von Habs 
burg, der hier als Mönch Ottoko 1303 starb. An der West 
seite führt eine enge Steintreppe zu einer recht scnmalen 
Galerie, die einstmals als Yerbindungsgang zwischen dem Abt 
hause und den Klostergebäuden zur Beobachtungder Mönche her- 
gestellt wurde und von der man einen guten Ueberblick über das
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.