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Full text: Zum Kloster Lehnin

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Kirche, die, wenn auch räumlich ein nicht allzugrosser Bau, 
doch das Werk eines Künstlers ist und bereits Erinnerungen 
hat, die sie fortan jedem Deutschen lieb und teuer machen. 
Mitten aus stiller, havelumspülter Gräberstadt, aus 
Büschen und hochwipfeligen Bäumen reckt das gotische Kirch 
lein seinen schlank aufstrebenden Kirchturm empor. Wir 
treten ein und setzen uns still nieder. Das Sonnenlicht bricht 
durch die Fenster, durchflutet den Raum und fällt auf eine 
Gedenktafel. Tief bewegt lesen wir: 
„An dieser Stätte weilte am 6. Juni 1888, neun Tage 
vor seinem Tode, unser allergnädigster Herr, Kaiser Friedrich, 
das einzige Mal, dass er diese unter seinen Augen erbaute, 
aber in seiner Abwesenheit vollendete und geweihte Kirche 
betreten hat.“ 
Schon von Todesahnungen befangen, kehrte an einem 
sonnigen Tage der heldenhafte Vieldulder hier noch einmal 
ein. Draussen blühte und knospete die Welt, von allen 
Zweigen sang und jauchzte der gefiederte Sängerchor, er aber 
sass gebeugt im Kirchenstuhl. Da tönte unter den Händen 
seiner Tochter Victoria der Orgel süsser Klang durch den 
geweihten Raum und ein überirdisches Lächeln verklärte des 
kaiserlichen Dulders müdes Angesicht. 
Über Glindow, Plessow, Plötzin und Göhlsdorf treten 
wir auf gutem, aber bergigem und schattenlosem Wege in die 
langgedehnte Klosterhaide ein. Zwischen rissigen, knorrigen 
Stämmen, durch das junge Grün blitzen die hellen Sonnen 
strahlen und überspinnen die Landstrasse mit einem Netz aus 
flirrenden Goldbändern. Im leichten Winde raschelt das 
Laub, in den Zweigen musiziert das Waldorchester und von 
fernher laden die Kirchenglocken irgendwo zum Besuch. Eine 
uralte prächtige Eichenallee nimmt uns auf, noch wenige Rad 
umdrehungen: wir sind in Lehnin. 
Die Geschichte des ehrwürdigen Klosters in der Zauche, 
eine der ältesten Kulturstätten der Mark, ist ausserordentlich 
interessant. Der Sage nach wurde „St. Marien in Lehnin 1 , 
im Jahre 1180 vom Sohne Albrecht des Bären, Markgraf
        
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