Path:
Text

Full text: Zum Kloster Lehnin

— 8 — 
Hundequäle und schliesslich Hundekehle schuf. Im Uebrigen 
kann sich’s jeder brave Radlersmann in dem eleganten Garten 
bei den vorzüglichen Getränken wohl sein lassen, wenn seine 
Kehle in der Trockenheit der Wüste gleicht. 
Eine kleine Hügellehne geht’s hinan. Links zweigt ein 
fahrbarer Landweg nach dem Restaurant Paulsborn 
und dem am Grunewald-See malerisch gelegenen, sagen 
umwobenen königlichen Jagdschloss ab; geradeaus führt ein 
anfänglich geringe Schwierigkeiten bereitender Fussweg nach 
dem Langen Luch, und weiter zum Wirtshaus am Rien- 
lueister See, das seines früheren groben Wirtes Thomas 
wegen auch Onkel Toms Hütte genannt wird. Auf dem 
links an der lieblichen Krummen Lanke sich hinziehenden, 
sandigen Fusspfade, der für gute Fahrer immerhin passier 
bar, setzen wir den Marsch fort und betreten das hinter 
Linden und Kastanien liegende Wirtshaus. 
Einst hiess dieser See seiner bogenförmigen Gestalt 
halber „Tusen“, und ein wendisches Fischerdorf lag an seinem 
linken Ufer, das in den endlosen Bekehrungskämpfen Albrechts 
des Bären zerstört wurde. Jetzt zu Zehlendorf gehörig, 
hatte im 14. Jahrhundert Kloster Lehnin Eigentumsrechte 
an den Tusen, der zusammen mit den vorhergenannten 
Halenseeer Fennen und den Rienmeister-See, sowie dem sich 
hier anschliessenden grössten der Grunewald - Seeen, dem 
Schlachtensee, der Rest des vorgeschichtlichen Fluss 
bettes der Panke ist, welche in dieser tiefen Grunewald- 
rinne einst der Havel zuströmte. 
Hier sind wir inmitten des von Westend bis zum Wann 
see, von Schmargendorf und Zehlendorf bis zum breiten 
Havelstrom sich erstreckenden mächtigen Grunewald-Gebietes. 
Wie eine Kette von Saphiren und Türkisen blitzt die lange 
Reihe von schilfumwachsenen Seeen durch dichtes Gehölz, 
das zum Teil von alten stämmigen Eichen durchsetzt, meist 
aus prächtigem Nadelwald besteht. Ja, der Tannenwald, er 
ist das echte Kind dieses Bodens, er giebt dieser Luft die 
rechte Würze. Eichen, Buchen, Birken füllen ja wohl den
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.