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Hühnergans

Volltext: Lebende Bilder aus dem Reiche der Tiere / Heck, Ludwig (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

HÜHNERGANS (Cereopsis novae hollandiae Lath.). Bezeichnet in gewisser Hinsicht einen 
Höhepunkt unter den Güänsen.‘ Einmal ist deren geringere Neigung zum Wasser bei ihr 
»is zur Wasserscheu ausgeartet. Die Hühnergans wird mail im Zoologischen Garten 
ıiemals im Wasser sehen, wenn man sie nicht hineintreibt. Dagegen bewegt sie sich schr 
zasch und gewandt auf dem Lande, und ihre hohen, starkläufigen Beine, deren kurze Zehen 
zwar starke, krumme Krallen tragen, aber mit ihren ausgerandeten Schwimmhäuten nur 
aine kleine Fläche bilden, erscheinen auch viel mehr zum Laufen als zum Schwimmen 
yeeignet. Insofern macht die Hühnergans ihrem Namen alle Ehre, zumal auch der kurze, 
ıochgewölbte, fast bis zur Spitze mit einer grüngelblichen Wachshaut überzogene Schnabel 
kaum mehr was vom Gänseschnabel an sich hat. 
Wohl aber ist die Hühnergans in ihrem geistigen Wesen die Zank- und Streitgans 
auf der höchsten Höhe: vor ihr müssen selbst die ärgsten‘ Raufbolde aus ihrer Sippe die 
Jeoa] streichen. und an jedem Teich, wo man sie laufen lässt. herrscht sie auch. Der 
}änserich eines Brutpaares vollends wird zu einer lebensgefährlichen Bestie für Mensch 
ınd Tier, Der leider längst verstorbene Baron v. Cornely, einer unserer verständnis- 
ollsten und opferfreudigsten Tierliebhaber, der seine prächtige Besitzung bei Tours zu 
iner einzigartigen Heimstätte für allerlei seltenes Getier gestaltet hatte, erzählt, dass 
‚ei ihm ein Hühnergänserich einen grossen Kranich umbrachte, ehe man nur aus Seh- 
reite diesem zu Hilfe springen konnte. Sehr oft wird übrigens bei uns die Hühnergans 
och nicht zur Fortpflanzung geschritten sein; denn sie ist an der südaustralischen Küste 
ınd auf den kleinen Inseln der Bassstrasse zu Hause, und ihr Sommer, ihre Brutzeit, ist 
lso unser Winter. Sie ist auch im Tierhandel garnicht so sehr häufiz und kann das 
wicht wohl sein, wenn es sich bewahrheitet, dass sie in ihrer Heimat nirgends mehr zahl- 
‚eich vorkommt, an vielen Fundstellen sogar ganz ausgerottet ist, weil sie, wie alle Tiere 
‚uf kleinen, unbewohnten Inselmf, des Menschen völlig ungewohnt, sich mit den Händen 
rreifen und todtschlagen liess.
	        
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