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Volume No. 35, 30.12.1896

Full text : Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin (Public Domain) Ausgabe 23.1896 (Public Domain)

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bereits  oft  beschäftigt,  zuletzt  im  Jahre  1889,  als  der  verstorbene
Kollege  Selle  mit  beredten  Worten  damals  die  Nothwendigkeit  der
Verbreiterung  klar  legte.  Es  hieß  immer:  der  Magistrat  tritt  der
Frage  jetzt  näher,  und  es  liegen  cmch  Projekte  vor.  Aber  bis  zum
heutigen  Tage  hat  man  Definitives  darüber  nicht  gehört.  Die  Verhältnisse 172
  haben  sich  aber  nicht  allein  dort  nicht  gebessert,  sondern  sogar
verschlechtert.  Man  hat  zwar  die  Pferdebahnlinien  vom  Westen  nach
dem  Osten  zum  Theil  durch  die  Jüdenstraße  gelegt;  nichts  desto  weniger
aber  verbleibt  doch  eine  so  große  Anzahl  von  Pferdebahnwagen,
Omnibussen,  anderen  Gefährten  mtb  Passanten,  wie  in  den  belebtesten
Straßen  Berlins.  Außerdem  sind  dort  viele  Engrosgeschäfte,  so  daß
das  Ans-  und  Abladen  bedeutende  Schwierigkeiten  mächt,  täglich  Verkehrsstörungen 172
  vorkommen  und  die  Passage  geradezu  gefährlich  wird.
Vor  dem  Hause  Spandauerstraße  38  beträgt  die  ganze  Breite  der
Straße  nur  11  in,  inklusive  der  Bürgersteige.
Der  Bürgersteig  hat  an  der  Westseite  nur  P/ 4  m  Breite  und  ist
sogar  vor  dem  Nachbarhause  Nr.  39  kaum  1  m  breit,  so  daß  die
Passage  sehr  erschwert  ist.  Die  Schienen  der  Pferdebahn  sind  bis
dicht  an  den  Bürgersteig  herangedrückt,  und  ob  man  will  oder  nicht,
man  wird  bei  schlechtem  Wetter  ini  Vorübergehen  ans  dem  Trottoir
mit  Schmutz  bespritzt.  Daß  im  Zentrum  der  Stadt  ein  derartiger
Zustand  nicht  länger  aufrecht  erhalten  werden  kann,  lind  daß  über
kurz  oder  lang  etwas  geschehen  muß,  ist  klar.
Wenn  man  nun  sagt,  man  könne  es  trotzdem  noch  aufschieben,
so  lehrt  die  Erfahrung,  daß  ein  weiteres  Abwarten  erst  recht  kostspielg
ist.  Man  kann  ja  heute  noch  nicht  sagen,  was  die  Sache  kosten  wird;
denn  die  Kosten  stellen  sich  je  nach  dent  Projekt  billiger  oder  theurer.
Es  liegt  auch  den  Antragstellern  fern,  bei  der  jetzigen  Finanzlage
große  Summen  für  den  Augenblick  zu  verausgaben,  und  wir  werden
die  Ausführung  auf  mehrere  Jahre  zu  vertheilen  haben.  Wir  bitten
nur,  schon  jetzt  etwas  in  den  nächsten  Etat  einzusetzen.  Die  Geschäftsordnung 172
  gestattet  ja  nicht,  daß  das  Plenum  heute  schon  einen  Beschluß
darüber  faßt,  und  ich  beantrage  daher,  die  Angelegenheit  zunächst
einem  aus  fünfzehn  Personen  bestehenden  Ausschuß  zur  Berathung
zu  überweisen.
Stadtverordneter  Kyllmann:  Meine  Herren,  unter  den
vielen  Unterschriften  dieses  Antrages  werden  Sie  sich  vielleicht  gewundert 172
  haben  meinen  Namen  nicht  zu  finden,  da  ich  doch  für  die
Bestrebungen,  die  im  Interesse  des  Aufschlusses  der  inneren  Stadt
bisher  gemacht  worden  sind,  stets  lebhaft  eingetreten  bin.  Es  ist  auch
mehr  ein  praktischer  Gedanke,  der  mich  dazu  geführt  hat,  diesen  Antrag 172
  nicht  zu  unterschreiben.  Es  wäre  ja  eine  Thorheit,  den  Antrag
bekämpfen  zu  wollen  etwa  aus  dem  Grunde,  weil  er  an  sich  nicht
gut  wäre.  Ich  komme  nur  zu  einer  ganz  anderen  Betrachtung  und
sage  mir,  daß  wir  nicht  unsere  Kräfte  zersplittern  und  nicht  an  allen
Punkten  zugleich  ansetzen  sollten,  um  eine  Verbesserung  der  Straßenzüge 172
  herbeizuführen,  weil  wir  dadurch  im  Augenblick  wenig  oder  gar
nichts  erreichen.  Ich  erinnere  Sie  daran:  ivic  weit  sind  wir  mit
unseren  Arbeiten  für  die  Uferstraße  gekommen?  Ich  frage  Sie:  wie
lange  wird  cs  wohl  noch  dauern,  bis  wir  die  Schicklerstraße  durchbrechen? 172
  Die  Baudeputation  arbeitet  seit  Jahren  an  der  Verlängerung
der  Kaiser  Wilhelmstraße.  Als  ein  absoluter  Nothschrei  gen  Himmel
erklangen  die  Berichte  der  Herren,  die  dort  wohne»,  um  Aufräumung
des  Schennenviertels.  Wir  stehen  gerade  im  Begriff,  die  Wallstraße
zu  ordnen,  —  und  in  demselben  Augenblick  fast,  wo  der  Magistrat
seine  Vorlage  -zurückzieht  und  »ns  sagt:  mit  der  Wallstraße  räume
ich  nicht  auf,  —  kommen  wir  nun  mit  einen«  neuen  Antrag  und
sagen:  Na,  fangen  «vir  einmal  an  einer  anderen  Ecke  an!  Das  ist,
meine  ich,  die  Schwache  dieses  Antrages.  Ich  «vürde  beispielsweise
einen  Antrag  sofort  unterschrieben  haben,  der  dahin  ginge:  «vir  bitten
den  Magistrat  um  eine  Vorlage,  die  einen  Generalplan  aufstellt,
(sehr  richtig!)
die  sänimtlichen  Eisböcke  und  -Blöcke  Berlins  charakterisirt  und  dann  ein
festes  Projekt  aufstellt,  in  wie  viel  Jahren  das  alles  in  Ordnungsein  muß.
(Sehr  richtig!)
Darunter  fällt  dann  der  Krögel  und  die  verlängerte  Parvchialstraße
und  alle  die  Punkte,  die  uns  peinlich  berühren,  wenn  «vir  sie  in  der
Stadt  sehen.  Und.  ineine  Herren,  sollte  es  für  einen  solchen  Gedanken
nicht  möglich  sein,  auch  mal  die  Mittel  einer  Anleihe  in  Anspruch  zu
nehmen?  Es  kann  sein,  daß  man  dagegen  ist  und  sagt:  das  sind
nicht  Dinge,  die  aus  einer  Anleihe  gemacht  «verden  sollen;  «vir
«verdeit  dazu  keine  Genehmigung  bekommen.  Dann  aber  denke  ich
an  einen  andern  Plan.  den  ich  bereits  einmal  in  privaten  Kreisen
geäußert  habe,  an  einen  Gedanken,  dem  ich  hier  öffentlich  Ausdruck
geben  möchte.  Nichts  «väre  praktischer,  als  wenn  sich  hier  in  Berlin
eine  potente  Jmmobiliengesellschaft,  meinetivegen  mit  beschränkter
Haftung,  bildete,  «velche  die  Grundstücke  in  allen  diesen  Gegenden  ankaufte, 172
  dann  mit  Vorschlägen  zur  Rektifikation  der  Straßen  an  uns
heranträte  und  die  Sache  vielleicht  mit  geringer  Subvention  von
städtischer  Seite  durchführte.  Ich  würde  einen  solchen  Gedanken,
wenn  er  sich  vertvirklichen  ließe,  mit  Freuden  begrüßen  und  unterstützen.
Nur  um  diese  allgemeinen  Gesichtspunkte  anzudeuten,  habe  ich
mich  zum  Worte  gemeldet.  Es  ist  kein  Zweifel,  daß  der  Antrag  auf
Ausschußberathnng  angenommen  wirb,  und  im  Ausschüsse  «vird  sich

Gelegenheit  finden,  vielleicht  einige  von  diesen  Gedanken  noch  besser
zu  vertverthen.
(Bravo!)
(Die  Versammlung  beschließt  die  Einsetzung  eines  Ausschusses.)
Vorsteher  Dr.  Langerhans:  Elfter  Gegenstand  der  Tagesordnung: 172

Vorlage  —  zur  Beschlußfassung  —,  betreffend  die  Miethung
zweier  Stadtbahnbögen  für  Zwecke  der  Chanffeeverwaltnng
und  der  Strastenreinigung.  —  Vorlage  960.
(Die  Versammlung  beschließt  nach  dem  Antrage  des  Magistrats,
«Die  folgt:
Die  Versammlung  erklärt  sich  damit  einverstanden,  daß  der
Stadtbahnbogen  Nr.  480  für  Chaiisseezwecke  gegen  jährlich
740  Jt  Pacht,  zunächst  ans  5  Jahre,  und  der  Stadtbahnbogen
Nr.  479  für  Zwecke  der  Straßenreinignng  gegen  jährlich  720  M
Pacht,  ebenfalls  auf  5  Jahre,  gemiethet  werde.)
Zwölfter  Gegenstand  der  Tagesordnung:
Vorlage  —  zur  Beschlustfassung  —,  betreffend  das  Bestehenbleiben 172
  der  Gebäude  des  Grundstücks  Königstraße  l/<».  —
Vorlage  961.
Stadtverordneter  Hugo  Sachs  (II):  Meine  Herren,  ich
beantrage,  die  Magistratsvorlage  abzulehnen.  Ich  habe  schon  einmal
bei  dieser  Angelegenheit  meine  warnende  Stimme  erhoben  und  habe
vor  einem  Jahre  das  Glück  gehabt,  die  Mehrheit  dieser  Versammlung
auf  meine  Seite  zu  bringen.  Es  ist  nothlvendig,  sich  an  den  historische««
Verlauf  der  Angelegenheit  zu  erinnern.  Wir  haben  die  Verbreiterung
der  Königstraße  und  des  Schloßplatzes  als  ein  einheitliches  Werk
erachtet.  Die  Mehrheit  der  Versammlung  hat  von  diesem  Gesichtspunkt 172
  aus  ein  einheitliches  Projekt  angenommen.  Man  schritt  zur
Niederreißung  der  Häuser  ans  dem  Schloßplatz.  Damals  gab  es
keine  ästhetischen  Bedenken;  man  ließ  die  Ruinenfelder  sogar  während
der  Ausstellung  den  Blicken  der  Vorübergehenden  preis.  Da  kam  es
aber  zur  Ausführung  des  zlveiten  Theils  des  Projekts,  und  da  bekam
man  auf  einmal  ästhetische  Bedenken.  Vor  einem  Jahre  sprach  man
hier  in  der  Versammlung  davon,  man  solle  mit  der  Niederreißung
warten,  man  solle  ein  Provisorium  herstellen.  Da  ist  ans  meinen
Antrag  beschlossen  «vorbei«,  daß  dieses  Provisorium  am  1.  April  1897
enden  müsse,  und  zivar  dann,  wenn  bis  zum  1.  April  1897  ein
Verkauf  der  Grundstücke  in  freihändiger  Weise  nicht  erfolgt  sei.  Also
«vas  man  damals  als  ein  Motiv  anführte  für  das  unbedingte  Niederreißen 172
  des  Grundstücks,  dasselbe  «vird  jetzt  als  ein  Motiv  angeführt
für  das  Stehenlassen  des  Grundstücks.
Meine  Herren,  so  harmlos  ist  der  Antrag  des  Magistrats  nicht.
Wir  sollen  einen  Gemeindebeschluß,  bei  dem  «vir  vorausgesetzt  haben,
daß  es  zu  einem  Verkauf  des  Grundstücks  bis  zum  1.  April  1897
nicht  kommen  «vird,  um  deswillen  aufheben,  weil  das  eingetreten  ist,
«vas  «vir  vorausgesehen  haben.  Wenn  die  Versammlung  meint,  daß
sie  nicht  wegen  neuer  Thatsachen,  sondern  «veil  die  alte»  Thatsachen
sich  bewahrheitet  haben,  in  dieser  Weise  mit  Gemeindcbeschlüssen  umspringen 172
  soll,  dann  kann  sie  allerdings  nicht  erwarten,  daß  der
Magistrat  ihre  Gemeindebeschlüsse  in  anderen  Fällen  besonders  respektirt.
Meine  Herren,  man  macht  ja  Erfahrungen,  sie  haben  sich  bewährt.
Der  Magistrat  kommt  auf  seine  alte  Liebe  zurück  und  kann  nicht
umhin,  in  der  Vorlage  zu  betonen,  daß  der  Fußgängerweg  sich  nach
den  Erwartungen  des  Magistrats  durchaus  bewährt  hat.
(Zustimmung.)
Wie  so  manche  Leute  divinatorisch  sind,  hol  der  Unternehmer,
der  dort  Ausgaben  im  Betrage  von  über  zehntausend  Mark  für  diesen
Fußgängerweg  gemocht  hat,  wahrscheinlich  divinatorisch  vorausgesehen,
daß  es  zum  Verkauf  der  Grundstücke  nicht  kommt,  daß  am  1.  April  1897
die  Grundstücke  nicht  niedergerissen  «vürden;  denn  sonst  hätte  er  für
fünf  Monate  die  Ausgaben  nicht  gemacht.  Seine  divinatorische
Voraussicht  hat  sich  im  vorliegenden  Falle  bewahrheitet.  Ich  habe
schon  das  vorige  Mal  davon  gesprochen,  daß  es  unsere  Aufgabe  ist,
eine  solche  Vorlage  unter  Dach  und  Fach  zu  bringen,  daß  wir  diesen
Zustand  von  Provisorium  zu  Provisorium  nicht  dulden  können,  und
daß  nichts  so  definitiv  ist.  «vie  ein  Provisorium,  so  paradox  es  klingen
mag.  Wir  bringen  es  sonst  dazu,  daß  man  sich  an  diesen  Zustand
getvöhnt,  ihn  für  schön  erachtet  und  sagt:  Nun  lassen  wir  überhaupt
das  Ganze  stehen,  eine  Verbreiterung  des  Fahrdammcs  «vird  ja  durch
das  Niederreißen  der  Alten  Post  doch  nicht  herbeigeführt.
Meine  Herren,  Sie  setzen  diejenigen  ins  Unrecht,  die  damals
ihre  Bedenken  gegen  die  Verbreiterung  des  Schloßplatzes  geäußert
haben,  «Denn  nicht  zugleich  die  Verbreiterung  der  Königstraße  eintreten
sollte,  wenn  Sie  jetzt  diese  Hinausschiebung  von  Provisorium  zu  Provisorium 172
  beschließen.  Darüber  können  Sie  sich  doch  nicht  täuschen,
daß  das  kein  schöner  Zustand  ist.  Weitn  Sie  den  thatsächlich  bestehen
lassen  «vollen,  dann  mögen  Sie  das  alte  Jahr  mit  dem  Ruf  schließen:
Der  Mühlendamm  ist  todt!  Es  lebe  der  Mühlendamm!
(Unruhe.)
                        
Stadtrath Borchardt: Meine Herren, das Grundstück jetzt abzureißen, würde wirklich Schaden bringen. Es haben sich Reflektanten dafür gefunden, die aber nach der Ansicht der Grundeigenthumsdeputation 172 noch nicht genug geboten haben. Das Grundstück 172 aber ist besser, als es früher war, durch die Kolonnaden geworden. 172 Darin bin ich anderer Ansicht als Herr Kollege Sachs. Was riskiren Sie nun, wenn Sie das Grundstück noch ein Jahr so stehen lassen? Die Miethen, die wir herausbekommen werden während der Zeit, werden 35 000 M ausmachen. Schaffen Sie keine neue Ruine dortl Der Mann, der das Grundstück kaufen will, wird sich sonst sagen: das Grundstück nehme ich noch lange nicht; da wird die Stadt mir kommen müssen! (Sehr richtig!) Aus allen diesen Gründen bitte ich Sie, unsere Vorlage anzunehmen. (Bravo!) Stadtverordneter Kyllmann: Meine Herren, ich möchte Sie auch bitten, die Vorlage des Magistrats anzunehmen, und zwar aus einem einfachen praktischen Gesichtspunkt. Ich frage mich: weis thue ich als guter Hausvater, wenn ich Besitzer des Hauses wäre? Wenn mir ein Halls gehört, und cs bringt noch eine gute Miethe, baun suche ich dasselbe in diesem Zustande 511 verkaufen, damit der Käufer in der Lage ist, seine Vorbereitungen in Ruhe treffeil zu können. Gerade an dieser Stelle, wo es besonders schwer ist, einen Bauplan aufzustellen, der die Genehmigung der Behörde erhält, muß das alles in Ruhe vorbereitet werden, und wenn ich ein solches Projekt vorhabe, 172 so lasse ich das Halls daraufhin noch ein Jahr stehen. Ich erachte es nicht als ein Unrecht, weiln wir einen Beschluß aufheben, nachdem uns praktisch gezeigt ist, daß gewichtige Bedenken gegen seine Aufrechterhaltung bestehen. Ich bitte Sie, lassen Sie ruhig das Haus noch ein Jahr stehen, vielleicht zeigt sich dann ein Käufer. (Bravo!) Stadtverordneter Hugo Sachs (II): Einen neuen Gesichtspunkt 172 habe ich von Herrn Kollegen Kyllmann nicht gehört. Er stellt sich als guter Hausvater dar, der er doch vor einem Jahre auch gewesen 172 ist. Damals haben die guten Hausväter beschlossen, daß, wenn ein Verkauf bis zum 1. April 1897 nicht zu Stande kommt, das Grundstück niedergerissen werden soll. Sie stehen also jetzt nicht davor, 172 als guter Hausvater zu überlegen, ob Sie verkaufen sollen, sondern ob Sie einen Gemeindebeschluß, den Sie in voller Voraussicht 172 gefaßt haben, über den Haufen werfen sollen. Ich will eine solche Verantwortlichkeit nicht übernehmen. Stadtverordneter Friederici: Ich möchte auch bitten, dem Magistratsantrag Ihre Zustimmung zu geben. Herr Stadtrath Borchardt und Herr Kollege Kyllmann haben ja die Gründe bereits angegeben. Der einzige Grund gegen den Antrag, den Herr Kollege Sachs anführt, ist der, daß wir einen alten Beschluß umstoßen müssen. Nun haben wir den alten Beschluß doch nicht einstimmig gefaßt; cs war eine sehr starke Minorität, die nicht damit einverstanden lvar, und ich glaube, die Herreil, die für ben Beschluß gestimmt haben, haben auch andere Voraussetzungen gehabt. Die Voraussetzungen, die die Herren gehabt haben, sind nicht eingetroffen. Nun wäre es doch sehr unpraktisch, wenn wir heute ein Grundstück, das sich leidlich vermiethet, abreißen und eine Ruine schaffen sollten. Glauben Sie denn, daß löte nachher, wenn die Ruine da ist, das Grundstück besser verkaufen? (Rufe: Nein!) Im Gegentheil, lvir werden es viel besser verkaufen, wenn wir es so stehen lassen. Es können nur Leute kaufen, die vollständig potent sind und die auch die Verhältnisse beurtheilen können. Die wissen ganz genau, was sie thun sollen; sie haben auch vollständig Zeit, das Haus niederzureißen, ehe sie die Genehmigung zum Neubau 172 bekommen. Wenn also das Haus stehen bleibt, so werden wir schließlich einen viel besseren Preis erzielen; es ist deshalb praktisch richtiger, das Haus so lange stehen zu lassen, bis lvir es gut verkaufen 172 können. (Bravo!) Stadtverordneter Kyllmann: Das Neue besteht einfach darin, daß wir seit einem Jahr unsere persönlichen Erfahrungen gemacht und gesehen haben: es geht mit dem Provisorium recht gut, es sieht sogar verhältnißmäßig anständig aus. Das ist das Neue an der Sache, und darum, weil dieses Neue eingetreten ist, beschließen wir heute anders. (Bravo!) Stadtverordneter Ladewig: Meine Herren, ich war seiner Zeit einer der eifrigsten Gegner der Verbreiterung der 5snngstraße. Wenn ich jetzt boshaft sein und zeigen wollte, wie Recht wir damals hatten, die wir die Vorlage abgelehnt haben, und wie Unrecht Herr Kollege Sachs und seine Freunde hatten, die so eifrig für die Vorlage eintraten, dann würde ich ihm heute zustimmen und die Magistratsvorlage 172 ablehnen. Dann lvürde sich eben zeigen, wie sehr wir damals im Recht waren, die wir wegen der großen Geldopfer die Vorlage abgelehnt haben. Wenn ich aber so handelte, so würde ich nicht anders handeln als jener Junge, der sagte: „Das schadet meinem Vater garnichts, daß mir die Hände erfrieren, warum kauft er mir keine Handschuhe?" (Heiterkeit.) Wenn ich aber als guter Hausvater handeln lvill, so muß ich dem zustimmen, was Herr Kollege Kyllmann gesagt hat, und ich bitte Sie deshalb aus den praktischen Gründen, die angeführt sind. die Magistratsvorlage anzunehmen. (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage des Magistrats, wie folgt: Die Versammlung willigt darin, daß das betreffs des Grundstücks 172 Königstraße 1/6 auf Grund ihres Beschlusses vom 16. Januar 1896 — Protokoll Nr. 9 — geschaffene Provisorium auf ein ferneres Jahr vom 1. April 1897 ab, also bis zum 1. April 1898, bestehen bleibe und die Räume dieses Grundstücks 172 bis zum letzteren Zeitpunkte weiter vermiethet werden.) Vorsteher I»r. Langerhans: Dreizehnter Gegenstand der Tagesordnung: Vorlage — zur Beschlustfassung —, betreffend die Erweiterung 172 des Börsengebäudes auf dem Vieh- und Schlachthofe. 172 — Vorlage 962. (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage des Magistrats, wie folgt: Die Versammlung erklärt sich mit der Vergrößerung des Börsengebäudes am städtischen Vieh- und Schlachthof nach Maßgabe 172 des vom Magistrat vorgelegten Bauprojektes einverstanden und bewilligt die hierzu erforderlichen Mittel in Höhe von 51000 M aus dem Reservefonds des Viehmarkts.) Vierzehnter Gegenstand der Tagesordnung: Vorlage — zur Bcschlustfassung —, betreffend die Erwerbung des in der Warschauerstraste belegenen eisenbahnfiskalischen Entwässerungskanals. — Vorlage 963. (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage des Magistrats wie folgt: Die Versammlung erklärt sich mit dem Ankaufe des dem Königlichen Eisenbahnfiskus gehörigen, neben der Warschauerstraße Hierselbst gelegenen, von dem Königlichen Eisenbahnfiskus erbauten und in dessen Eigenthume befindlichen Entwässerungskanals in dem Zustande, in welchem sich derselbe zur Zeit des Vertragsabschlusses 172 befindet, unter Zugrundelegung der aus dem in Abschrift 172 vorliegenden Vertragsentwürfe ersichtlichen Bedingungen gegen Zahlung von 69 450 M, sowie damit einverstanden, daß die im § 3 des Vertragsentwurfes gedachte Entschädigungsrentc durch Kapitalzahluug abgelöst werde, und genehmigt, daß die der Stadtgemeinde gehörige, in der Grundsteuermutterrolle unter Artikel Nr. 4 255 aufgeführte Parzelle Kartenblatt 38 Flächenabschnitt Nr. ™, an der Warschauerstraße belegen, von 21,40 a Größe und zu 8,38 Thlr. Reinertrag unentgeltlich an den Königlichen Eisenbahnfiskus abgetreten und aufgelassen werde.) Fünfzehnter Gegenstand der Tagesordnung: Vorlage — zur Beschlustfassung —, betreffend die Wiederherstellung 172 des Daches des städtischen Gasthauses in Treptow. — Vorlage 965. (Die Versammlung beschließt nach dem Antrage des Magistrats, wie folgt: Die Versammlung ist mit der Wiederherstellung des Daches des städtischen Gasthauses in Treptow einverstanden und bewilligt die Kosten mit 2 200 M aus dem Extraordinarium 1 des Spezialetats 45.) Ich habe noch mitzutheilen, daß der Magistrat uns anzeigt, daß auf den Fonds für unvorhergesehene Ausgaben bisher angewiesen sind 397 599,69 M) Sechzehnter und siebzehnter Gegenstand der Tagesordnung: Rechnung der Spezialverwaltung 15 — Gemeindeschulen — für 1. April 1893/94. — Vorlage 966. Rechnung, betreffend das Reichenheimsche Vermächtnist für 1. April 1894/95. — Vorlage 697. Ich beantrage die Ueberweisung an den Rechnungsausschuß. Das Protokoll der heutigen Sitzung werden unterzeichnen am Sonnabend Vormittag 10V 2 Uhr die Herren Kollegen Hauer, Dr. Ginsberg, 172 Weiß. Für die folgenden Gegenstände der Tagesordnung beantrage ich die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Die öffentliche Sitzung ist geschlossen. (Schluß der Sitzung 6 1 / 2 Uhr.) Druck von W. & S. Loewenthal, Berlin.
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